# taz.de -- Klimapolitik in Baden-Württemberg: Von Ewigkeitsbestand – oder doch nicht?
> Ob es im Ländle Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz geben wird, ist
> entscheidend für die künftige Klimapolitik. Denn die CDU kann nicht
> gönnen können.
(IMG) Bild: Verspargelung der Heimat? – Windanlagen auf der SChwäbischen Alb
Manuel Hagel und seine CDU stehen Baden-Württemberg im Wort. Schon früh hat
der schwarze Spitzenkandidat verkündet, das [1][Erbe des Grünen Winfried
Kretschmann] übernehmen zu wollen. Nach den jüngsten Umfragen kann es aber
gut sein, dass die CDU doch wieder die zweite Geige bleibt. Für den Kampf
gegen die Erderwärmung wäre das schlecht, weil die Schwarzen nicht gönnen
können.
Vor inzwischen vier Jahren hat der damals ziemlich frisch gebackene
CDU-Fraktionschef ausgerechnet beim Klimaschutz die Latte hoch und höher
gelegt und die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie zur DNA seines
Landesverbands erklärt, zu einem Markenkern sogar „mit Ewigkeitsbestand“,
der älter sei als die Grünen. Er wollte ihn „neu aufpolieren, um ihn
strahlen zu lassen“. Und so dachte sich die Partei ein
Planungsbeschleunigungsgesetz zugunsten der Windkraft aus. Dabei hatte
Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel sie noch einzeln und ganz persönlich
bekämpft als „Verspargelung der schönen Heimat“.
Grüne Themen hatten Konjunktur am Beginn des zweiten Jahrzehnts. Um nicht
wieder wie zwischen 2011 und 2016 in der ungeliebten Opposition zu landen,
machte die CDU nach der Wahl vor fünf Jahren schon im Sondierungspapier mit
den Grünen weitreichende Zugeständnisse. Ohne dieses Entgegenkommen hätte
der Grüne Winfried Kretschmann Verhandlungen nicht mit den Schwarzen,
sondern mit SPD und FDP aufgenommen.
Für den Erbinteressenten Hagel ist dieses Papier die Messlatte. Denn Grüne
und CDU hätten „das ambitionierte Ziel“ vereinbart, „Baden-Württemberg als
Klimaschutzland zum internationalen Maßstab zu machen“. An diesem Anspruch
muss sich Hagel messen lassen, nicht zuletzt, weil er sich mittlerweile in
fast jeder Rede als „Familienpapa von drei Söhnen“ vorstellt. Der gelernte
Bankbetriebswirt hat mit seinen 37 Jahren beste Aussichten, Folgen und
Tragweite eigener Entscheidungen selber erleben zu müssen.
Denn Baden-Württemberg erwärmt sich deutlich schneller als errechnet. So
bleibt weniger Zeit für konkrete Öko-Taten, das Geschwätz vom grünen
Hineinregieren in Heizungskeller, Speiseplan und Alltag sollte endlich
eingestellt werden. Ohne Eingriffe in den persönlichen Lebensstil wird sich
die CO2-Bilanz nicht im nötigen Tempo in die richtige Richtung entwickeln.
Ehrgeizige Klimaansprüche als „Gold-Plating“ zu diskreditieren, ist eine
Sünde an zukünftigen Generationen.
Schwarz auf Weiß hat das Bundesverfassungsgericht 2021 den Staat
verpflichtet, Treibhausgasemissionen so zu reduzieren, „dass
Freiheitsrechte zukünftiger Generationen nicht durch einseitige Verlagerung
von CO2-Reduktionslasten verletzt werden“. Dem Klimaschutz wurde sogar
Verfassungsrang eingeräumt. Dennoch hat sich Baden-Württembergs CDU in der
zweiten Hälfte der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode in Scharmützel
mit den Grünen verwickelt, um notwendige Entscheidungen zu verwässern,
zumal im Umgang mit dem [2][Klima-Maßnahmen-Register.]
Die Landesregierung wollte Vorbild sein, als dieses Steuerungsinstrument
konzipiert wurde: Online sind Vorhaben und deren Umsetzung öffentlich zu
machen, die Kommunen sollten primär eigene Verkehrsmodelle entwerfen
können, um Autofahrer:innen durch Abgaben am ÖPNV-Ausbau zu
beteiligen. Sollten die Ziele verfehlt werden, soll mit einem
Sofortprogramm geklärt werden, ob diese Ziele erheblich sind oder nicht.
Dabei hat der eigene Klimasachverständigenrat längst bestätigt, dass die
Lücke groß ist.
## Die CDU war sogar mal weiter als die Grünen
Dabei war Baden-Württembergs CDU schon mal deutlich weiter, so weit wie
kein anderer Landesverband bundesweit in den Achtzigern – selbst im
Vergleich zu den Grünen. Die es 1980, wenige Wochen nach ihrer bundesweiten
Gründung, in den Stuttgarter Landtag schafften. Dort saß bereits der
weitsichtige SPD-Vordenker Erhard Eppler, der wenig später als Fraktions-
und dann auch als Parteichef den Hut nehmen musste.
Heute liegt die Sozialdemokratie zwischen Main und Bodensee mit acht
Prozent am Boden. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls wuchs die
Überzeugung in der CDU, sich den ökologischen Herausforderungen ernsthaft
stellen zu müssen. [3][1985 wurde die „Grüne Charta“ beschlossen,] zuerst
für Südbaden, dann für das gesamte damals gern sogenannte „Musterländle“.
Mehr als 60 Seiten Positionen, von denen nicht wenige heute als Verbote
diskreditiert würden. Allen voran das Ja zum Tempo 100 auf Autobahnen und
höheren Steuern auf umweltverschmutzende Produkte. Das Paket sollte auf die
Bundesebene gehoben werden, doch der Mauerfall, die deutsche Einheit und
Bundeskanzler Helmut Kohl setzten andere politische Schwerpunkte.
Dass es sich lohnt, an das einstige Programm auch nach längerer Zeit
anzuknüpfen, darauf hat eine CDU-Ministerin verwiesen: [4][Tanja Gönner.
Sie ist heute Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen
Industrie (BDI)], hatte sich den ersten „Heizungshammer“ ausgedacht und
setzte als baden-württembergische Umweltministerin (2005–2011) eine
Nutzungspflicht für Neubauten durch. Ebenso, dass ab April 2008 ein Fünftel
des jährlichen Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden
musste. Dafür wurde bei einem Heizungstausch ab 2010 ein Nachweis für
mindestens zehn Prozent verlangt.
Winfried Kretschmann, heute Erblasser, war damals übrigens Fraktionschef
der oppositionellen Grünen im Landtag und hatte trotzdem kein Problem
damit, Gönners Initiative zu loben. Sein Respekt blieb ohne Nachahmung. Oft
und gerade in den vergangenen Jahren erlebte er am eigenen Leibe, wie ihm
ähnliche Wertschätzung durch die CDU verweigert wurde. Auch deshalb ist für
den inzwischen 77-Jährigen ohnehin nur einer erbberechtigt: Bei der
Versöhnung von Ökologie und Ökonomie seien die Grünen das Original, sagt
Kretschmann. So geht der Nachlass folgerichtig an den Spitzenkandidaten der
Grünen, Cem Özdemir. Ob in einer grün-schwarzen oder einer schwarz-grünen
Koalition.
3 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johanna Henkel-Waidhofer
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ein.