# taz.de -- Rauswurf von AfD-Rechtsaußen vertagt: Kevin Dorow ist für die AfD nun doch wieder tragbar
       
       > Mit einer Parole der Hitlerjugend löst der GD-Funktionär einen Machtkampf
       > aus. Die AfD-Spitze wollte ihn schnell ausschließen, lenkte dann aber
       > ein.
       
 (IMG) Bild: Gradmesser für das Verhältnis von AfD und ihrer Jugendorganisation: die Naziparolen von Kevin Dorow
       
       Sein Markenzeichen: klarer Scheitel. Seine Positionen: völkischer
       Nationalismus. Im Milieu der AfD ist Kevin Dorow kein Nobody. Der Beisitzer
       im Bundesvorstand der Generation Deutschland (GD) aus Schleswig-Holstein
       sucht die politische Auseinandersetzung.
       
       Auf dem Gründungskongress der GD Ende November in Gießen war der 27-Jährige
       selbst für AfD-Verhältnisse ein bisschen weit gegangen. Dorow bezog sich
       auf den [1][Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke]: „Wie
       es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat: ‚Jugend muss durch Jugend
       geführt werden‘, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“
       
       Die GD solle „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein“, so
       Dorow. Das Motto „Jugend führt Jugend“ galt schon in der Bündischen Jugend
       und auch später bei der Hitlerjugend.
       
       Beim Gießener Gründungskongress hatte Dorows Doppeldeutigkeit nicht
       gestört. Zu politischen Bedenken scheint erst geführt zu haben, dass die
       Staatsanwaltschaft Gießen prüft, ob Dorow damit Kennzeichen einer
       verfassungsfeindlichen Organisation verwendet hat. Die Bundesführung um
       Alice Weidel und Tino Chrupalla wollte deswegen in der vergangenen Woche
       ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow einleiten.
       
       Seit Wochen betreibt die AfD-Bundesführung politische Scharaden, um [2][der
       Einstufung als „gesichert rechtsextrem“] durch das Bundesamt für
       Verfassungsschutz entgegenzuwirken. Positionen werden vermeintlich
       relativiert, Personen hinausgedrängt. Dorow wurde zur Persona non grata.
       Aber nicht lange: In dieser Woche nahm die AfD-Bundesführung die
       Entscheidung zurück. Offizielle Begründung: Der GD-Bundesvorsitzende
       Jean-Pascal Hohm sei nicht hinreichend angehört worden. An der Sitzung, in
       der Dorows Rauswurf beschlossen wurde, hatte Hohm allerdings teilgenommen.
       
       Die Auseinandersetzung ist der erste Gradmesser dafür, inwieweit die
       Parteiführung [3][in dem neu gegründeten Jugendverband] durchgreifen kann.
       Rechtlich könnte sie das, da die GD kein eigenständiger Verein ist. Ende
       März soll in einer Präsenzsitzung des Bundesvorstands eine Entscheidung
       fallen.
       
       Der Grund für das einstweilige Einlenken der Parteiführung dürfte Druck aus
       dem eigenen Milieu sein – sowohl aus der Partei selbst als auch aus dem
       burschenschaftlichen Spektrum. In beiden ist Dorow fest verankert. Er ist
       Beisitzer des AfD-Landesvorstands in Schleswig-Holstein und Mitglied der
       Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia in Kiel sowie der Gymnasialen
       Burschenschaft Germania zu Kiel.
       
       ## „Grundlagen des Staates infrage stellen“
       
       Dorow, der mit Frau und drei Kindern im Kreis Rendsburg-Eckernförde lebt,
       ist auch Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter (BB). Im Editorial
       beklagt er den „schmalen Korridor“ durch die „orchestrierte
       Erinnerungskultur“ und forderte die „Grundlagen“ des „staatlichen Systems
       […] in Frage zu stellen“. Auf Instagram sagt Dorow, alleine die
       Zugehörigkeit zu einer Ethnie bestimme die Herkunft und Kultur. Sie mache
       die „Volksseele“ aus, die es zu schützen gelte.
       
       Nach dem Beschluss, ihn aus der Partei auszuschließen, hatte Dorow in der
       neurechten Jungen Freiheit erklärt, er werde gegen den Ausschluss vorgehen.
       Unermüdlich wies er darauf hin, dass die Parole lange vor der Hitlerjugend
       verwendet wurde, und versicherte, er werde sich nicht davon distanzieren.
       
       Schon auf dem GD-Gründungskongress in Gießen hatte Dorow „Distanzeritis“
       beklagt: Er appellierte, sich nicht vom Vorfeld der Partei abzugrenzen,
       ebenso nicht „von denjenigen, die außerhalb der etablierten
       Parteistrukturen für dieselben Ziele kämpfen wie wir“.
       
       Er selbst handelt danach: In Neumünster hatte Dorow im Juli 2024 [4][den
       „Tag des Vorfeldes“ organisiert] – unter anderen mit den rechtsextremen
       Vereinen Ein Prozent und Zentrum – Die alternative Gewerkschaft.
       
       3 Mar 2026
       
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