# taz.de -- Grand Opening im Kino International: Die schönste Gardine Berlins
> Die architektonische Ikone der DDR-Moderne wird nach denkmalgerechter
> Sanierung mit einem Festakt offiziell wiedereröffnet. Das ist ein Wunder.
(IMG) Bild: Hat hier erfolgreich Premieren gefeiert: Matthias Freihof am Dienstagabend beim Grand Opening im Kino International
Der festliche Abend beginnt mit einer Irritation. Nach dem letzten Gong
geht im übervollen Kino International der dunkelblaue Vorhang auf und da
steht [1][der Chor der Filmschaffenden] mit dem schönen Namen „Die Vögel“
(Hitchcock lässt grüßen) und singt a cappella zwei Lieder, die aus Filmen
stammen – ist das die „James-Bond“-Titelmusik? Beifall und Film ab: Der
berühmte Paillettenvorhang – Schauspielerin Maria Schrader wird ihn später
„die schönste Gardine Berlins“ nennen –, geht auf und „Marty Supreme“
beginnt, der Streifen über einen Tischtennisspieler mit Timothée Chalamet
in der Hauptrolle.
Wie, was? Läuft jetzt echt der ganze Film? Aber nein, es sind nur ein paar
Minuten. [2][Die neue Technik auf Cannes-Niveau] kann so gleich mal zeigen,
was sie drauf hat. Die Filmsequenz ist mit dem Song „Forever Young“ der
deutschen Band Alphaville unterlegt. „FOREVER YOUNG“ steht auch als Motto
über dem Eingang ins Kino International, das am Dienstagabend nach einer 18
Monate umfassenden Generalsanierung „Grand Opening“ mit viel Brimborium
feiert.
Die erste Rede des Abends beginnt mit einem Lacher. Christian Bräuer, einer
der beiden Geschäftsführer der [3][Yorck Kinogruppe], begrüßt die Gäste im
übervollen Kinosaal mit der markanten gewellten Decke. Er erzählt, dass
sich Wolfram Weimer entschuldigen lässt. Der Kulturstaatsminister habe zwar
zugesagt, nun aber dringend zu tun – mit der Berlinale.
Das filmaffine Publikum versteht die Andeutung und lacht. Und um die
Berlinale und Filmfestivalchefin Tricia Tuttle wird es an diesem Abend noch
öfter gehen. Aus aktuellem Anlass steht doch Tuttle in der Kritik – und
viele Filmschaffende hinter ihr. Und die Causa passt ja auch an diesen
wunderbaren Ort: Das Kino International wurde nach der Wende schnell eine
der großen Berlinale-Spielstätten. Das soll auch 2027 wieder so sein, die
Gespräche dazu laufen.
## Zwei Monate früher als geplant fertig
Doch im Mittelpunkt der Gala steht das Kino International, diese
Architekturikone der Nachkriegsmoderne, die aufwendig und denkmalgerecht
entkernt und saniert wurde. Lobeshymnen gibt es zuhauf. Es passiert in
Berlin ja auch so gut wie nie, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten an
denkmalgeschützten Häusern zwei Monate früher als geplant abgeschlossen
sind. „Und im Budgetrahmen bleiben“, sagt Christian Bräuer. Er dankt allen
Beteiligten, den verschiedenen Geldgebern (rund 15 Millionen waren nötig),
den planenden und ausführenden Gewerken, allen voran den
Handwerksbetrieben, die meist aus Berlin kamen.
Drei Mitarbeiterinnen einer Berliner Firma für Textilrestaurierung werden
vorgestellt und gefeiert. Sie haben den über 400 Quadratmeter großen
Pailettenvorhang saniert. Über 40 Millionen Pailletten wurden weitgehend
von Hand geordnet und an vielen Stellen bewusst auf Nähmaschinen
verzichtet.
Filmausschnitte lassen die Geschichte des Hauses und die Phasen der
Generalisanierung passieren. Es gibt manchen Lacher, wenn DDR-Funktionäre
zu Wort kommen. Lange her: Das Kino International wurde 1963 als
Premierenkino der DDR eröffnet. Legendäre Filme feierten hier
Leinwandpremiere.
„Spur der Steine“, „Solo Sunny“ oder „Coming Out“ – der erste Film der DDR
über Homosexualität hatte just am 9. November 1989 seine Premiere – an dem
Tag, „an dem ein ganzes Land sein Coming-out hatte“, wie es Moderator Knut
Elstermann, der durch den Abend führt, formuliert. Hauptdarsteller Matthias
Freihof ist da und wird von Elstermann als „Säulenheiliger dieses Kinos“
begrüßt: „Steh doch mal auf!“
## Schatz der europäischen Filmkultur
Maria Schrader hält eine Rede aufs Kino und verleiht dem Haus den Titel
„Treasures of European Film Culture“ der [4][European Film Academy]. Mit
dieser Auszeichnung würdigt die Akademie Orte, die symbolisch für das
europäische Kino stehen und von herausragender filmhistorischer Bedeutung
sind.
Schrader nutzt die Preisverleihung für eine persönliche Note. Sie wollte
auf der Gala eigentlich an Kulturstaatsminister Weimer herantreten, um „ein
offenes Gespräch“ zu suchen. Stattdessen hält sie eine emotionale Rede, in
der sie der Berlinale-Chefin den Rücken stärkt. „Sie ist die Richtige für
dieses Amt.“ Schrader appelliert an die Politik, die Unabhängigkeit des
Filmfestivals zu wahren und „die freie Rede, solange sie sich in den
Gesetzen des Rechts bewegt, bedingungslos und ohne Einschränkung zu
schützen und zu unterstützen“ und gemeinsame Bühnen offenzuhalten. Starker
Applaus.
Was aus dem Haus geworden wäre, hätte es Heinrich-Georg Kloster, ebenfalls
Geschäftsführer der York Kinogruppe, nicht 1994 von der Treuhand kaufen
können? Eine Frage, die sein Kompagnon stellt und den Mut von Kloster lobt.
Das Kino International ist eins der wenigen original erhaltenen
DDR-Gebäude, „ein architektonisches Meisterwerk und Schmuckstück bis
heute“, sagt Kloster. Wo doch so vieles verschwand in Berlin, was an die
DDR-Moderne erinnerte.
Das sieht Matthias Freihof so ähnlich. „Mit dem Haus verbinde ich ganz
viele wunderschöne Momente“, sagt er der taz, „auch weil mein allererster
DEFA-Film ‚Käthe Kollwitz‘ hier 1987 Premiere hatte.“ Und auch, „dass man
von der Sanierung eigentlich gar nichts sieht“. Das ist das größte Lob,
dass man dem Haus machen kann.
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://isarblog.de/die-voegel-der-filmemacherchor/
(DIR) [2] /Kino-International-oeffnet-nach-Sanierung/!6152916
(DIR) [3] https://www.yorck.de/
(DIR) [4] https://www.europeanfilmacademy.org/
## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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(DIR) Kino Berlin
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liegt im Zeitplan. Auch böse Überraschungen gibt es nicht. Ein Rundgang.