# taz.de -- Macron kündigt Atom-Aufstockung an: Nukleares Dominanzgehabe
       
       > Frankreich bietet seinen EU-Partnern den nationalen Schutzschirm an. Die
       > Kontrolle über seine Sprengköpfe will Macron aber nicht aus der Hand
       > geben.
       
 (IMG) Bild: Der französische Präsident Emmanuel Macron besucht den Marinestützpunkt für Atom-U-Boote von Ile Longue in Crozon, am 2.3.2026
       
       Frankreich wird mit seiner nuklearen [1][„Force de frappe“] den
       amerikanischen Schutzschirm kaum ersetzen können, auf den sich Westeuropa
       seit dem Kalten Krieg in einem blinden Vertrauen verlassen hatte. Wie
       trügerisch dieses Vertrauen in die Nato unter US-Vorherrschaft war, hat
       Donald Trump mit seiner strategischen Wende erwiesen.
       
       Die indirekte Aufforderung des US-Präsidenten, die Europäer sollten künftig
       selber für ihre Sicherheit sorgen, kommt aber auch dem seit Langem
       geäußerten Wunsch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron entgegen,
       dass die Europäische Union eine [2][eigenständige Verteidigungspolitik mit
       einer von den USA unabhängigen Rüstung entwickelt] – ohne allerdings der
       Nato und den nordamerikanischen Paktstaaten ganz den Rücken zu kehren.
       
       In der von Macron in seiner Grundsatzrede angesprochenen Debatte zur
       europäischen Verteidigung stellt sich dann unweigerlich die Frage,
       [3][welchen Stellenwert die Atomwaffen einnehmen sollen]. Diese sollten
       ursprünglich im Sinne der nuklearen Abschreckungsdoktrin der Sicherheit
       Frankreichs dienen. Für das restliche Westeuropa waren ja die USA
       zuständig. Inzwischen bietet Frankreich seinen nationalen Schutzschirm den
       EU-Partnern an, ohne aber die Kontrolle über seine Atomsprengköpfe aus der
       Hand geben oder effektiv teilen zu wollen.
       
       ## Passive Mitgliedschaft im Atom-Club
       
       Es ist eine Art Versicherungspolice. Und diese wird es für die
       interessierten Staaten bestimmt nicht umsonst geben. Wer mitmacht, muss
       mitbezahlen. In der einen oder anderen Form. Diese Aussicht dürfte die
       Nachfrage sogleich etwas vermindern.
       
       Macron bietet den anderen EU-Ländern im exklusiven Klub der Atommächte nur
       eine Passivmitgliedschaft an. Das heißt, auch in Zukunft entscheidet der
       französische Staatschef ganz alleine über die Abschreckungs- und
       Einsatzdoktrin. Eine Mitsprache kann es zum Ausbau des atomaren Arsenals
       geben, zu gemeinsamen Übungen und Manövern sowie – und das ist ein
       wichtiger Punkt – zur eventuellen Stationierung von Kernsprengkörpern in
       anderen EU-Staaten.
       
       Europa wird damit in absehbaren Zukunft nicht eine eigenständige Atommacht.
       Aber das ist wohl auch besser so. Wer in diesem Poker der gegenseitigen
       Abschreckung mit Weltuntergangszenarien mitmacht, geht enorme Risiken ein.
       So etwas wie geruhsame Sicherheit ist damit nicht zu gewinnen.
       
       2 Mar 2026
       
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