# taz.de -- Atomarer Schutzschirm: Emmanuel Macron will aufstocken
> In einer Grundsatzrede zur nuklearen Abschreckung kündigt der
> französische Präsident am Montag eine Erhöhung der Anzahl von
> Atomsprengköpfen an.
(IMG) Bild: Präsident Emmanuel Macron will seinen Atomschirm über Europa halten, doch zu welchem Preis?
„Wer gefürchtet werden will, muss stark und mächtig sein!“ Das sei laut
Emmanuel Macron im Kern die atomare Abschreckungsphilosophie. Gemäß dieser
Logik fordert er eine Modernisierung und Verstärkung des nuklearen
Arsenals. Jeder potenzielle Gegner müsse im Fall eines Angriffs auf
Frankreich (oder die europäischen Partner) mit einem Gegenschlag mit
verheerenden Folgen rechnen, sagte der französische Staatschef.
Doch wie aktuell und glaubwürdig ist Frankreichs nukleare Abschreckung? In
einer Grundsatzrede forderte Macron am Montag, Frankreichs Verteidigung und
insbesondere die nukleare Abschreckung müssten den neuen Konflikten und der
neuen geopolitischen Ausgangslage angepasst werden.
Für seinen Auftritt hatte Macron den Marinestützpunkt Ile Longue bei Brest
in der Bretagne gewählt. Als Kulisse diente dort das neue Unterseeboot „Le
Téméraire“ (Der Kühne), das demnächst in Dienst genommen wird. Auf diesen
atomaren U-Booten der dritten Generation beruht maßgebend die französische
Abschreckung. Andere Atombomben können mit Flugzeugen oder mit
Langstreckenraketen abgeschossen werden.
Insgesamt verfügt Frankreich derzeit über knapp 300 atomare Sprengköpfe.
Das mutet gering an im Vergleich zu Russland mit vermutlich 4300 und den
USA mit 3700. Doch diese Anzahl wurde als gerade noch ausreichend
betrachtet, um Frankreich zu einer anerkannten Atommacht zu machen.
## Veränderte Realitäten
Jetzt wünscht Macron zusätzliche Sprengköpfe. Er verweist auch auf die
Entwicklung neuer Marschflugkörper und Raketen. Frankreich habe immer noch
als „Horizont“ eine Welt ohne Atomwaffen. Doch es sei eine Realität, dass
sowohl Russland, China und auch die USA keine Abrüstungsabkommen mehr
respektierten. Ohne deswegen in einen Wettlauf einzusteigen, müsse
Frankreich mithalten, um glaubwürdig zu bleiben.
Macron bezeichnet die französischen Atomwaffen als „ultimatives Mittel“, um
die lebenswichtigen Interessen der Nation und ihre Souveränität zu
verteidigen. Dieser Definition der „vitalen Interessen“ möchte er,
expliziter als seine Vorgänger, [1][eine „europäische Dimension“] geben.
In diesem Sinne spricht er auch bezüglich der französischen Atomwaffen von
einer „erweiterten Abschreckung“ (Dissuasion avancée). Diese Partnerschaft
müsse mit einer verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der „konventionellen
Waffen“ und bei der Raum- und Luftüberwachung einhergehen.
Bereits vor fünf Jahren hatte der französische Präsident von dieser
Ausweitung auf eine europäische Schutzfunktion für die „Force de frappe“
gesprochen. Die Reaktionen der EU-Partner und namentlich in Deutschland
blieben eher zurückhaltend oder ablehnend. Ja, einige lächelten sogar über
dieses Angebot, das wie ein Wunsch nach einer französischen Vorherrschaft
verstanden werden konnte.
## Brüske Abkehr
Russlands Krieg gegen die Ukraine, Donalds Trumps brüske Abkehr von der
bisherigen Bündnisstrategie und die jüngsten Konflikte in der Golfregion
haben seither die Bedingungen geändert. Das Interesse an einer
Zusammenarbeit wachse, meint Macron. Vor allem mit Deutschland und
[2][Polen] seien die Diskussionen weit vorangekommen. Insgesamt acht
EU-Staaten führten heute mit Frankreich Gespräche über diese „erweiterte
Abschreckung“ und Rüstungszusammenarbeit.
Zuvor hatte Frankreich die Koordination mit der anderen europäischen
Atommacht, Großbritannien, bereits wesentlich verstärkt. Britische Militärs
hätten im Winter an strategischen Übungen in Frankreich teilgenommen, sagte
Macron. Das soll alles nur der Beginn sein. Auf die Nato (und die USA)
werde Europa aber deswegen noch lange nicht verzichten, versicherte der
französische Präsident. Die Nordatlantische Partnerschaft sei
„komplementär“.
Emmanuel Macron, dessen zweites Mandat im Frühjahr 2027 endet, erblickt in
diesem Bereich der Bündnispolitik und der europäischen Verteidigung seine
Chance, als Staatsmann doch noch Spuren in der Geschichte zu hinterlassen.
Er wünscht sich seit 2017, dem Beginn seiner Präsidentschaft, konstant eine
„europäische Souveränität“ in Verteidigungsfragen und in strategischen
Bereichen der Industrie.
2 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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