# taz.de -- Debatte über atomare Aufrüstung: Polen will Atommacht werden 
       
       > Präsident Nawrocki will Polen unabhängiger von den USA machen. Unter dem
       > Atomschirm Frankreichs oder Großbritanniens könnte noch Platz sein.
       
 (IMG) Bild: Will Polen von den USA unabhänginger machen: Polens Präsident Karol Nawrocki
       
       Polen will die Atombombe. „Der Weg zu einem polnischen Atompotenzial ist
       der Weg, den wir – unter Beachtung aller internationalen Verträge – gehen
       sollten“, sagte [1][Polens rechtspopulistischer Präsident Karol Nawrocki]
       vor einigen Tagen im Fernsehsender PolsatNews. Dass dies ein Affront
       gegenüber den USA sein könnte, die auch Polen seinen atomaren Schutzschirm
       garantiert, scheint er nicht bemerkt zu haben.
       
       Der aktuelle amerikanisch-israelische Angriff auf Iran, der von seinem
       umstrittenen Atomprogramm nicht abrücken wollte, verschärft nun die Debatte
       in Polen zusätzlich. „Wir wissen, welche imperiale und aggressive Haltung
       die Russische Föderation gegenüber Polen hat“, betont Nawrocki.
       
       Gefragt, ob er nicht befürchte, dass Russland Polen angreifen könnte, bevor
       es seine Atombombe fertig habe, zuckt Nawrocki nur mit den Schultern:
       „Russland kann auf alles aggressiv reagieren.“ Polens liberal-konservative
       Regierung hielt sich zunächst mit Kommentaren zu Nawrockis Vorstoß zurück,
       auch weil sie heimlich längst eine eigene Atombomben-Agenda verfolgt.
       
       Da die Nato einer Teilhabe Polens am amerikanischen Atom-Schutzschirm eine
       klare Absage erteilt hatte, unterzeichnete Polen 2025 ein Abkommen mit der
       Atommacht Frankreich, das eine Teilhabe Polens am französischen
       Atom-Schutzschirm ermöglichen soll. Allerdings bliebe der „rote Knopf“ in
       Paris.
       
       ## Verteidigungsminister unterstützt Forschung
       
       Polen hätte keinerlei Mitspracherecht beim Einsatz der Bombe.
       Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte, dass er ein
       polnisches Atombomben-Forschungsprogramm unterstützen würde. Zugleich
       warnte er: „Es ist besser, in dieser Angelegenheit mehr zu tun, als über
       seine Ziele zu reden.“
       
       Piotr Buras, der Direktor des Warschauer Thinktanks ‚Europäischer Rat für
       Außenbeziehungen‘, [2][analysiert den Atombomben-Vorstoß Nawrockis] in der
       Gazeta Wyborcza, Polens führender Tageszeitung.
       
       Das Thema der atomaren Abschreckung werde zurzeit in vielen Nato-Staaten
       diskutiert, da die Glaubwürdigkeit des US-amerikanischen Präsidenten Donald
       Trump und seiner Schutzzusagen an die Nato-Verbündeten in Europa schwinde.
       Als Impuls für eine gesellschaftlich breite Debatte sei das Statement von
       Präsident Nawrocki durchaus willkommen, so Buras, nicht aber seine
       Festlegung auf die polnische Bombe.
       
       Gegen ein nationales Atombomben-Programm spräche, dass es die radikalste,
       schwierigste und teuerste Variante einer Verteidigungsstrategie sei.
       Außerdem müsse der amerikanische Schutzschirm aufgehört haben zu existieren
       und Polen bereit sein, seinen Atombomben-Weg auch gegen den Willen der USA
       zu gehen. Auch sei unklar, worauf der Präsident seine Annahme gründe, dass
       ausgerechnet eine „polnische Atombombe“ die beste Sicherheitsgarantie für
       Polen sei.
       
       ## Frage nach Atombombe spaltet
       
       Anders als Piotr Buras warnt Artur Kacprzyk vom Polnischen Institut für
       Internationale Angelegenheiten (PISM) ganz ausdrücklich vor dem Risiko
       einer polnischen Atombombe.
       
       „Wir müssten entweder aus dem Atomwaffensperrvertrag aussteigen, den wir
       1968 unterzeichnet haben, oder ihn brechen. Das aber würde wohl schnell von
       der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) entdeckt werden, die
       die zivile Atomnutzung weltweit kontrolliert“, erklärt Kacprzyk im
       Interview mit dem Portal defence24.pl.
       
       Die Gefahr eines Angriffs durch Russland würde steigen, da Moskau den Bau
       einer Atombombe im Nachbarland kaum dulden werde. Statt nach der Atombombe
       zu greifen, solle Polen daher besser konventionell aufrüsten, so Kacprzyk.
       
       Wie wird der Verstoß in der Bevölkerung diskutiert? Polens Gesellschaft ist
       tief gespalten: Knapp die Hälfte spricht sich für eine polnische Atombombe
       aus, während die zweite Hälfte dagegen ist. Dies fand das
       Meinungsforschungsinstitut SW Research für das Nachrichtenportal Onet
       heraus. Dabei sind die Befürworter der polnischen Atombombe vor allem unter
       Anhängern der rechtspopulistischen Oppositionspartei Recht und
       Gerechtigkeit (PiS) und den Wählern der rechtsradikalen Konfederacja zu
       finden.
       
       2 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Karol-Nawrocki/!t6091175
 (DIR) [2] https://wyborcza.pl/7,75968,32609890,nuklearne-deklaracje-prezydenta-nawrockiego-czy-polska-potrzebuje.html#s=S.index-K.C-B.1-L.1.duzy
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gabriele Lesser
       
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