# taz.de -- Produkttäuschung: Shrinkflation bekämpfen
       
       > Auch Österreich etabliert ein Anti-Mogelpackung-Gesetz. Hierzulande
       > dürfen Produkte immer noch ungestraft mit weniger Inhalt teurer und
       > größer werden.
       
 (IMG) Bild: Die Vielfalt an möglichen Mogelpackungsvarianten ist groß
       
       Da sind zum Beispiel die Macadamianüsse. Klein und kugelig quetschen sie
       sich in die eingeschweißte Plastikverpackung. Drum herum befindet sich noch
       eine großzügige Papphülle, deren Sichtfenster die Nüsse genau voll machen –
       im darüberliegenden Drittel des Kartons ist nur Luft. Da sind die kleinen
       Schokoladentafeln, von denen nicht nur 7, sondern locker auch 10 oder 11
       Platz hätten in der Umverpackung. Da sind die Geschirrspültabs, bei denen
       der Karton nur etwa zur Hälfte gefüllt ist.
       
       Es sind drei der unzähligen Beispiele, die [1][Leser:innen der Stiftung
       Warentest an die Zeitschrift geschickt haben] und die die Redaktion
       schließlich als Negativbeispiel gewürdigt hat – samt Foto und Reaktionen
       der Hersteller. Diese klingen erstaunlich ähnlich: Es sei für den Transport
       oder die Produktion notwendig, die Packung nicht ganz voll zu machen, man
       verwende halt eine einheitliche Verpackung für verschiedene Produkte oder
       die Kosten für die Rohware seien gestiegen und mit einem geringeren Inhalt
       vermeide man eine Preiserhöhung.
       
       Vermutlich sind die Begründungen nicht einmal in Gänze aus der Luft
       gegriffen. So sind etwa die Preise für [2][manche Rohwaren wie Orangen und
       Kakao] in den vergangenen Jahren tatsächlich zwischendurch stark gestiegen.
       Aber eine Rechtfertigung für besonders luftige Verpackungen ist das nicht –
       sondern eher ein Argument für eine transparente Kommunikation der
       Hersteller gegenüber ihren Kund:innen.
       
       ## Viel Luft, wenig Inhalt
       
       Weil das aber eher die Ausnahme ist als die Regel, hat sich in Österreich
       das Parlament der Problematik angenommen. Herausgekommen ist ein
       „Anti-Mogelpackungs-Gesetz“. Es schreibt größeren Supermärkte und Drogerien
       ab April vor, dass sie jeweils 60 Tage darauf hinweisen müssen, wenn die
       Füllmenge eines Produkts bei gleichbleibender Packungsgröße gesunken ist,
       der Preis aber nicht entsprechend reduziert wurde. Shrinkflation heißt
       diese Spielart der Täuschung.
       
       Österreich ist in Europa nicht das erste Land, das Verbraucher:innen
       hier besser schützen will. Unter anderen haben Frankreich und Rumänien
       ähnliche Regeln beschlossen. Die Wirtschaft ist natürlich wenig begeistert.
       Die österreichische Wirtschaftskammer etwa kritisiert in einer
       Stellungnahme zahlreiche Details und den Ansatz als Ganzes. Tenor: Wenn den
       Konsument:innen ein Produkt zu teuer ist, sollen sie halt ein anderes
       kaufen.
       
       Eine humorvolle Argumentation. Denn würden die Kund:innen die
       Mogelpackung als solche erkennen, dann würden sie sehr wahrscheinlich zu
       anderen Produkten greifen. Doch die Vielfalt an möglichen
       Mogelpackungsvarianten ist so groß, da ist es mit einmal kurz Schütteln, um
       im besten Fall eine Ahnung von dem Luftanteil in der Verpackung zu
       bekommen, längst nicht getan.
       
       Eine Auswahl dessen, was noch so in Regalen steht: Das Produkt hat neben
       der eigentlichen Verpackung noch eine weitere und diese Umverpackung ist
       sehr großzügig bemessen. Beliebt ist das nicht nur bei Lebensmitteln,
       sondern auch bei Kosmetika, zum Beispiel Gesichtscremes. Kleines Gimmick:
       wenn der Hersteller den inneren Boden der Umverpackung etwas erhöht, sodass
       der Cremetiegel größer wirkt.
       
       Oder: Bei Produkten, die aus mehreren Inhaltsstoffen bestehen, wird eine
       teure gegen eine billigere Zutat ausgetauscht. Zedernüsse statt
       Pinienkerne, Palmfett statt Kakaobutter. Alternativ wird der Anteil der
       teureren Zutat verringert. Das merkt kaum jemand im Laden, wenn die
       Haselnüsse auf einmal nicht mehr an Position 4 der Zutatenliste der
       Nuss-Nugat-Creme stehen, sondern an Position 5. Auch diese Zutatentricks
       haben schon einen eigenen Namen: Skimpflation. Das englische Wort skimp
       heißt so viel wie knausern.
       
       Dennoch tut sich in Deutschland nichts. Im Koalitionsvertrag haben Union
       und SPD festgehalten, dass sie sich für „mehr Transparenz bei versteckten
       Preiserhöhungen“ einsetzen wollen. Was, genau wie Österreich, nur einen
       Teil der Mogelstrategien betreffen würde. Überflüssige Umverpackungen etwa
       blieben erlaubt. Allerdings ist die Bundesregierung unter dem Schlagwort
       „Bürokratieabbau“ ohnehin eher dabei, schützende Regeln zu schleifen, als
       neue zu machen.
       
       Daher wird es mit dem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wohl dem
       regulierungsbedüftigen Problem sehr ähnlich sein: viel Luft, wenig Inhalt.
       
       1 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.test.de/Mogelpackung-und-Verpackungsaerger-Mit-dieser-Verpackung-stimmt-was-nicht-6142434-0/
 (DIR) [2] /Faire-Kakaopreise/!6156028
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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