# taz.de -- Hamburger Projekt „Straßennachlass“: Wer bekommt den Hund und welche Beerdigung soll es sein?
       
       > Der Tod auf der Straße verhallt oft ungehört. Ein neues Projekt will
       > Wohnungslosen nun helfen, ihre Geschichten und letzten Wünsche zu
       > sichern.
       
 (IMG) Bild: Spenden gesucht: Projekt „Straßennachlass“ will Obdachlosen helfen, ihre Angelegenheiten zu regeln
       
       Den eigenen Nachlass zu regeln, ist ein unpopuläres Thema. Es ist nicht nur
       emotional fordernd, sondern auch aufwendig. Aber die meisten Menschen haben
       immerhin Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, was von ihnen in Erinnerung
       bleiben soll, wie sie beerdigt werden wollen und welche Dokumente für ihre
       Angehörigen nach dem Tod wichtig sein könnten. Obdachlose haben diese
       Möglichkeit oft nicht. Das Hilfsprojekt „Straßennachlass“ will das ändern.
       
       Vier Initiativen haben das Projekt gestartet: der Verein Gabenzaun, die
       Straßenhilfe Hamburg, die Hoffnungsorte Hamburg und das Lüneburger Start-up
       Chronuu, eine Plattform zur digitalen Nachlassverwaltung. Gemeinsam wollen
       sie die nach eigenen Angaben bundesweit erste digitale Vorsorgeplattform
       für obdach- und wohnungslose Menschen schaffen. Hier können anonym
       persönliche Wünsche und wichtige Informationen hinterlegt werden, und es
       wird eine Vertauensperson benannt, die allein Zugriff auf die Daten hat und
       Angehörige informieren kann.
       
       Dokumente retten, Würde bewahren 
       
       „Die Würde endet nicht mit dem Verlust einer Wohnung“, sagt Gerardo Köpke,
       Leiter des Hamburger Vereins Gabenzaun, bei der Präsentation des Projektes
       am Mittwoch. Köpke ist seit vielen Jahren in der Obdachlosenhilfe aktiv und
       arbeitet mit einem Team aus Ehrenamtlichen daran, für wohnungs- und
       obdachlose Menschen eine Brücke zwischen akuter Nothilfe und langfristiger
       Begleitung zu bauen. Als er von Chronuu erfuhr, war ihm klar: „Das brauchen
       wir für Obdachlose.“ Um zu verhindern, dass Menschen auf der Straße sterben
       und einfach nur als „erfroren“ in einer Akte enden. Allein in diesem Winter
       sind in Hamburg [1][18 obdachlose Menschen gestorben].
       
       „Auf der Straße werden wichtige Dokumente schnell nass oder sie gehen
       verloren“, sagt Volker Kruse von Chronuu. „Oft weiß man bei Verstorbenen
       gar nicht, wie die Person hieß oder ob sie Angehörige hatte.“ Das digitale
       Portal ermögliche es, alle Informationen und den Nachlass sicher digital
       festzuhalten – und zwar kostenfrei. „Es ist ein soziales Projekt, wir
       wollen damit keinen Profit machen“, sagt Kruse.
       
       ## Armband mit Chip ergänzt digitales Portal
       
       Ergänzt wird das digitale Portal durch ein Armband mit integriertem Chip.
       Über diesen Chip können Rettungskräfte, Polizei oder Hilfsdienste im
       Notfall datenschutzkonform auf hinterlegte Notfallkontakte zugreifen und
       die Vertrauensperson schnell informieren. Diese Vertrauenspersonen können
       wohnungslose und obdachlose Menschen bei den ihnen bekannten Anlauf- und
       Beratungsstellen in Hamburg finden.
       
       Bei der Registrierung kann diese Vertrauensperson auch helfen – das ist
       aber auch mit jedem Handy oder Computer möglich. Mitglieder der
       Obdachloseninitiativen berichten, dass viele Obdachlose eine E-Mail-Adresse
       haben, manche auch ein Smartphone besitzen.
       
       Einmal registriert, wird dann anhand eines Fragenkatalogs der Nachlass
       geregelt und es können auch Botschaften für Angehörige hinterlassen werden.
       Es geht um Fragen wie: Was soll mit meinem Hund passieren, wenn ich sterbe?
       Wo ist mein Testament, wenn ich es nicht bei mir habe? Mit welchen
       Angehörigen habe ich keinen Kontakt, möchte ihnen aber trotzdem eine
       Botschaft hinterlassen? Einige Wohnungslose, die beim Verein Gabenzaun
       Hilfe gesucht haben, haben an dem Fragenkatalog mitgearbeitet.
       
       Es fehlen noch Spenden 
       
       Das Projekt Straßennachlass soll in den nächsten drei Monaten an den Start
       gehen. Durch Spenden sollen die Softwareentwicklung und die Hardware, wie
       zum Beispiel ein Terminal in der Bahnhofsmission für eine einfache
       Registrierung, finanziert werden. Die Initiative kalkuliert den Bedarf
       dafür auf 50.000 Euro. Noch fehlt Geld.
       
       12 Mar 2026
       
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