# taz.de -- Hass und Hetze gegen Journalistin: Israelin, Araberin – und angefeindet
> Die arabisch-israelische Journalistin Lucy Aharish wird seit einer Woche
> von rechten Mobs angefeindet. Und die Belästigungen nehmen kein Ende.
(IMG) Bild: Moderatorin Lucy Aharish wird zu Hause von rechten Mobs belagert
Sie schrien in ihre Lautsprecher, dass sie zurückkommen würden. Sie ließen
sich nicht einmal von den anwesenden Polizist*innen einschüchtern, bis
diese den Anführer der Gruppe, Ziv Baranes, festnahmen. Und auch dann
drohten sie, wiederzukommen. Rechte Aktivisten hatten sich am Dienstagabend
unter den Fenstern von Moderatorin Lucy Aharish in Tel Aviv versammelt, und
das nicht zum ersten Mal.
Wer verstehen will, wieso, muss in die Lebensgeschichte von Aharish
schauen. Die israelisch-arabische Nachrichtensprecherin, Schauspielerin und
Journalistin ist die erste Muslimin palästinensischer Herkunft, die als
Moderatorin bei einem israelischen, hebräischen Sender arbeitet. Mit 44
Jahren ist sie in ihrem Heimatland Israel ein bekanntes Gesicht. Und eines,
das manche gern als Zielscheibe von Hass und Wut nehmen.
Aufgewachsen in einer Kleinstadt mitten in der Negev-Wüste in einer
arabischen Familie aus Nazareth, studierte sie Journalismus, Theater und
Politikwissenschaften. Drei Jahre lang moderierte sie die Nachrichten beim
englischsprachigen Sender I24news, später wechselte sie zu Channel 13.
Aharish, die sich selbst als „Israeli, Frau und arabische Muslimin, in der
Reihenfolge“ definiert, wurde als arabisches Kind in ihrer jüdischen Schule
gemobbt und war gleichzeitig als Fünfjährige Ziel eines Terroranschlags,
als sie im Gazastreifen mit ihrer Familie einkaufte.
Sie steht für vieles, aber vor allem eines: Vielfalt. Interkultur.
Koexistenz. Und letztendlich für Frieden [1][in einem hoch polarisiertem
Konflikt]. Ihr Ehemann ist der israelische Schauspieler Tsahi Halevi, das
Paar hielt aus Angst vor Anfeindungen vier Jahre lang seine Beziehung
geheim. Als sie heirateten, kritisierten mehrere rechte
Politiker*innen die interkonfessionelle Ehe. Oren Hazan, Parteikollege
des [2][israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu], kritisierte
die „Assimilierung“ und lud Aharish zum Konvertieren ein.
## Die „gehorsame Araberin“
Aharish stand selbst mehrfach im Mittelpunkt von Kontroversen. Etwa im Jahr
2015, als sie die Fackel bei der Regierungszeremonie am Unabhängigkeitstag
anzündete. Eine Ehre, die für sie mit Vorwürfen verschiedenster Art
einherging. Etwa Netanjahus Wahlkampagne zu unterstützen, die „gehorsame
Araberin“ zu spielen und gleichzeitig zu antizionistisch zu sein, um die
Ehre zu erhalten.
Vor den Kundgebungen vor ihrem Haus hatte sie die Netanjahu-Regierung
kritisiert, nicht genug gegen tödliche Gewalt gegen die
israelisch-arabische Community zu tun. Araber*innen würden bei der
nächsten Wahl für einen Regierungswechsel zu den Urnen strömen, sagte sie,
Inshallah, auf Deutsch: So Gott will.
Es seien Netanjahus „Rowdys“, die unter ihren Fenstern stehen, sagt sie
jetzt. „Es sind deine Rechten, Netanjahu: gewalttätig, zensierend, mobbend
und hetzend.“ Im Interview mit dem Sender Channel 13 erklärte sie, es gebe
„keine Vergebung für das, was mein Sohn gestern erleben musste“, und bezog
sich dabei auf ihr fünfjähriges Kind, das die Anfeindungen miterleben
musste.
Die rechten Aktivisten hielten ihr Wort: Schon am Mittwochabend
versammelten sie sich erneut unter Aharishs Wohnung. Dieses Mal bewarfen
sie sogar einen Fotografen der [3][israelischen Zeitung Haaretz] mit
Steinen, wie das Medium berichtet. Bei ihrem Angriff sollen sie selbst das
Wort Inshallah benutzt haben: „Inshallah, kriegst du einen Herzinfarkt“ und
„Wir kamen, um eine Botschaft rüberzubringen. Dies ist das vierte Mal und
es wird nicht aufhören, Inshallah.“
26 Feb 2026
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