# taz.de -- Affe Punch erobert Social Media: Je suis Monkey
> Das Internet solidarisiert sich mit Makakenbaby Punch. Das Kindchenschema
> kickt und Affenkuscheltiere boomen. Aber die Baby-Haltbarkeit ist
> begrenzt.
(IMG) Bild: Puch und seine Ersatzmama im Zoo von Ichikawa
Die Mutter wollte nichts von ihm wissen, doch das Netz liebt ihn: Der
kleine [1][Punch aus dem japanischen Ichikawa Zoo] ist ein Star, dabei
hatte er bisher keine leichte Kindheit. Das Makakenbaby wurde kurz nach der
Geburt im Juli 2025 von seiner Mutter abgelehnt und vom eigenen Trupp
verstoßen.
Während sich Affenbabys normalerweise in den ersten Lebensmonaten an das
Fell ihrer Mütter klammern, muss Punch von Tierpflegern großgezogen werden.
Ein „Klammerersatz“ musste her, und zwar schnell. Denn Körperkontakt ist
für Jungtiere essenziell für die soziale Entwicklung, die Muskulatur und
das Gefühl von Sicherheit. Handtücher und Kuscheltiere waren nichts für
Punch. Seit man ihm ein Orang-Utan-Plüschtier als Ersatzmama anbot, sind
die beiden unzertrennlich und das Internet schmilzt.
Die Videos auf Instagram und Tiktok erzählen, unterlegt mit pathetischer
Musik, eine herzzerreißende Heldenreise, mit ähnlichem Plot wie das
hässliche Entlein. Denn trotz grober Schubsereien zwischen Punch und seinen
Artgenossen beteuern die Pfleger in öffentlichen Statements, dass er auf
einem guten Weg sei, sich doch noch in seinen Trupp zu integrieren.
## Punch punchen
Und so sehen wir nach den Videos, in denen der kleine Punch gepuncht wird
und er alleine durch das Gehege streift, die ersten zaghaften
Annäherungsversuche mit anderen Makaken, Plüschmama natürlich immer in der
Nähe. Kein Wunder, dass das Internet vor lauter Rührung nicht mehr kann.
Das Kindchenschema kickt und Affenkuscheltiere boomen.
Natürlich tummeln sich jetzt ungewöhnlich viele Leute in dem Zoo, nur um
den kleinen Punch zu sehen. Wer nicht mal eben nach Japan reisen kann,
verfolgt Punchs Entwicklung unter dem Hashtag #HangInTherePunch (Halte
durch Punch). Tier-News ziehen eben immer. [2][Eisbärbaby Knut] aus dem
Zoologischen Garten Berlin löste 2006 einen ähnlichen weltweiten Hype aus.
Er wurde ebenfalls von seiner Mutter verstoßen und musste mit der Hand
aufgezogen werden.
Vielleicht ist Punch aber ein [3][besonderer Magnet für unsere Sympathien.]
Zunächst einmal, weil er ein Äffchen ist und dem Menschen rein biologisch
schon nahe steht. Andererseits aber vielleicht auch, weil unsere
Wahrnehmung – anders als noch zu Knuts Zeiten – mittlerweile abgestumpft
sein dürfte.
Dank KI gibt es nichts mehr, was man nicht schon mal in irgendeiner Form
gesehen hätte oder sich nicht mit ein paar Klicks und Prompts erstellen
lassen könnte. Mit Internetcontent noch irgendwie Emotionen rauszukitzeln,
besonders Empathie, in Zeiten, in denen ja gerade das im gesellschaftlichen
Miteinander immer mehr zu fehlen scheint, ist dann doch wieder
bemerkenswert. Immerhin lässt uns menschliches Leid oft genug kalt.
Vielleicht ist das Mitfühlen mit Punch auch nur Ausdruck der eigenen
Selbstbezogenheit. Kommentare unter den Affenbabyvideos lassen
durchblicken, dass sich viele einsam und als Außenseiter fühlen. So oder so
ist klar: Solidarität mit dem kleinen verstoßenen Affen, à la „Je suis
Monkey“, mag jetzt noch viele berühren, aber je mehr Punch wächst, desto
kleiner wird die Fangemeinde. Die Chancen stehen aber gut, dass wir dann
wenigstens witzige Memes über die bis dahin durchgeknetete und abgerockte
Plüschmama sehen.
24 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=T7IdJenLULc
(DIR) [2] /Eisbaerbabys-ins-Zoos/!5471771
(DIR) [3] /Mensch-Tier-Beziehungen/!6009127
## AUTOREN
(DIR) Giorgia Grimaldi
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) Meme
(DIR) Zoo Berlin
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