# taz.de -- Ohrwurm und Krieg: Trili Frili
       
       > Ein Igel mit Akkordeon und Jugo-Akzent geht viral. Der Balkan feiert:
       > endlich mal nicht Weltkriegsgrund. Alle anderen feiern ihn als Sommerhit
       > 2026.
       
 (IMG) Bild: Trili Frili ist der Ohrwurmhit des Frühjahrs
       
       Ein ramponierter Zeichentrick-Igel in Badelatschen, mit dunkler
       Kräuselbehaarung an Unterarmen und Brust, an dessen spindeldürren Beinen
       eine ausgeleierte Jogginghose hängt, dem etliche Zähne fehlen und der ein
       Pflaster auf einem seiner Stacheln trägt, ist zurzeit [1][ein Hit im
       internationalen Internet].
       
       Der Igel spielt Akkordeon und singt dazu mit heiserer Stimme einen Song,
       bei dem er keinen einzigen Ton trifft. Er singt in einem hart
       südosteuropäisch klingenden Akzent vier Zeilen eines Liedes, von dem man im
       Wesentlichen ein Wort versteht: „trili frili“. Nach ein paar Wiederholungen
       lässt sich dann noch das erste Wort „darlink“ heraushören und ein paar
       Wörter später vielleicht „tomorrow“.
       
       Trili frili ist zurzeit ein Welthit. Ein Igelohrwurm, über den User rund um
       die Welt rätseln, was der da singt. Die Kommentare gehen in etwa so: „Was
       singt er? „Das ist russisch!“ „Ich bin Russe, das ist nicht russisch. Ich
       verstehe kein Wort.“ „Er ist Bosnier.“ „Er ist Serbe.“ „Er ist Zigeuner.“
       „Er ist serbischer Zigeuner.“
       
       Doch egal, ob in Brasilien oder auf dem Balkan, alle lieben Trili Frili.
       Ohne die wahre Geschichte dahinter zu kennen. Den Igel hat zwar der
       rumänische Memekünstler Andrei Tripsa vor einigen Wochen entworfen. Sein
       Vorbild aber ist echt: Stevan Lakatoš, ein Akkordeonspieler aus der Nähe
       der serbischen Stadt Novi Sad. Mit seinen wenigen Zähnen und schiefen Tönen
       hat er auf dem Balkan seit einigen Jahren Kultstatus und trat unter anderem
       in der [2][kroatischen Fernsehsendung „Supertalent“] auf.
       
       Sein Markenzeichen ist, dass er bekannte englische Popsongs in seine
       Sprache übersetzt oder sie eben so singt, wie er sie versteht, also quasi
       neuinterpretiert. So beispielweise Brick in the Wall von Pink Flyod. Oder
       eben Trili Frili.
       
       Das [3][Originalvideo, in dem man dem echten Stevan Lakatoš] dabei zuhören
       kann, wie er mit seinem Akkordeon auf einem Boot sitzend Trili Frili singt,
       war in Südosteuropa schon ein Hit. Aber der animierte Igel toppt nun alles.
       
       Wer von alleine errät, um welches Lied es sich bei Trili Frili im Oriignal
       handelt, sollte nicht weiterlesen, sondern noch ein paar Mal dem Igel
       lauschen.
       
       Alle anderen folgen einfach [4][diesem Youtube-Link].
       
       Für alle, die es gleich wissen wollen: Bei Trili Frili handelt es sich um
       den Song „Darlin“ von Frankie Miller, dessen zweite Zeile lautet: I’m
       feeling very lonesome“, was Lakatoš als trili frili übersetzte.
       
       Seit einer Woche geht der Trili-Frili-Igel nun noch viraler als in den
       Wochen zuvor. Denn das Meme hat wie so oft sein Eigenleben entfaltet, und
       so sieht man den Igel trili frili singend vor allen möglichen Hintergründen
       und für alle möglichen Zwecke eingesetzt. Wegen seiner Ohrwurmqualität
       feiern ihn viele schon jetzt als Sommerhit 2026.
       
       Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran vergangenen Samstag
       sieht man den Igel aber nun auch immer öfter mit dem Kommentar:
       Balkanbewohner wie sie sich freuen, dass sie endlich mal nicht am Ausbruch
       eines Weltkriegs beteiligt sind.
       
       Benzin- und Gaspreise mögen steigen, die Versorgungslage mit Eskapismus und
       Galgenhumor ist in Zeiten des Krieges dank sozialer Medien sehr stabil.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/reel/DUG6cdmDUro/
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=uYPjlhuEJ98
 (DIR) [3] https://www.tiktok.com/@saaligermany/video/7610828576853609731
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=63VlL-Kkmc4
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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