# taz.de -- „heute journal“ zu ICE: Mit dem Zweiten … sieht man KI-Videos
> Das ZDF nutzte für US-Berichterstattung ein KI-Video. Das verletzt
> journalistische Standards und ist ein gefundenes Fressen für die Rechten.
(IMG) Bild: Aus der ZDF-Mediathek sind die KI-generierten Filmausschnitte, die in Social-Media-Beiträgen zu finden sind, inzwischen entfernt
taz/dpa | Am vergangenen Sonntag, dem 15. Februar, berichtete das „heute
journal“ des ZDF über die gewalttätigen, willkürlichen Abschiebungen der
ICE-Behörde in den USA. „Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab
oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit“, sagt die Stimme aus dem
Off.
Das ist faktisch richtig, doch zeigte das „heute journal“ dazu Bilder einer
Mutter in den Händen eines ICE-Agenten, während ihr weinendes Kind sie
umarmt. Das Problem: Am oberen und rechten Bildrand steht klar erkennbar
das [1][Wasserzeichen Sora].
Dabei handelt es sich um die Video-KI des US-Unternehmens OpenAI, das
hinter ChatGPT steht. Das Wasserzeichen entlarvt das Video als KI-generiert
und somit als Fälschung. Dass ZDF und „heute journal“ solche Videos für
ihre Berichterstattung nutzen – und die Nutzung im Originalbeitrag nicht
kennzeichneten – ist ein schwerer Fehler.
Wie der Sender mit seinem Fehltritt umgeht, macht es nicht besser. Im
Anschluss an die Veröffentlichung der Folge wurde zunächst der Zusatz
„Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“ eingefügt und das
KI-Video entfernt. Inzwischen wurde die „heute journal“-Folge vom 15.
Februar sowohl aus der ZDF-Mediathek als auch auf dem dazugehörigen
YouTube-Kanal vollständig gelöscht.
Zunächst sprach der Sender von einem „technischen Versehen“. Dem
Pressedienst epd teilte der Sender mit: „Der Beitrag zeigt, dass sowohl mit
echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt
wird.“ Das ZDF bedauere, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche
Bilder real sind und welche nicht“. Am Dienstag erklärte die
stellvertretende Chefredakteurin „Der Beitrag entspricht nicht unseren
Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen.“ Auf
taz-Anfrage teilte das ZDF noch mit, dass auf „‚ZDFheute‘ sowie an gleicher
Stelle im ‚heute journal‘ diesen Dienstagabend korrigierend berichtet“
werden solle.
## Fehlerkultur wäre das Mindeste
Dass KI-generierte Bilder, Stimmen und Videos als solche gekennzeichnet
gehören, versteht sich von selbst. Und auch wenn es in der Recherche und
dem Faktencheck nicht passieren sollte, kann es in der zunehmenden Flut von
KI-Inhalten durchaus sein, dass etwas davon seinen Weg in die finale
Sendung schafft. Ein transparenter Umgang mit einem solchen Fehler wäre
allerdings das Mindeste. Dazu würde etwa gehören, zu erklären, wie der
Fehler entstehen konnte.
Dieser Fehltritt eines öffentlich-rechtlichen Senders sind natürlich ein
Anlass für rechte Medien gegen den ÖRR Stimmung zu machen. So spricht die
Junge Freiheit von Manipulation und diskreditiert die Moderatorin Dunja
Hayali gleich mit.
Die Kritik ist überzogen und auf Moderatorin Hayali zugespitzt. Rechte
nehmen den Moment auch zum Anlass, um das brutale Vorgehen der
US-Einwanderungsbehörde ICE zu legitimieren. Dafür kann das ZDF nichts,
solche Anlässe werden von Rechten immer wieder gefunden. Aber das ändert
nichts an der Tatsache, dass bei Kenntnissen über KI-Inhalte, korrekter
Recherche und Endabnahme sowie einem professionellen Krisenmanagement beim
„heute journal“ etwas nicht stimmt.
Der ÖRR muss Seriosität und Faktentreue bieten, verletzt in diesem Fall
aber seine [2][eigenen Standards]. Noch dazu bedienen solche Fehler das
trumpsche Narrativ der Fake News und schädigen das Vertrauen in den
Journalismus allgemein. Um das zu verhindern, muss das „heute journal“
nicht nur genauer, sondern auch transparenter arbeiten.
17 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sora-OpenAI-startet-einen-KI-Fake-Feed/!6115409
(DIR) [2] /Warum-der-US-Praesident-die-BBC-verklagt/!6138822
## AUTOREN
(DIR) Martin Seng
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