# taz.de -- Spielfilm „The Day She Returns“: Sie hätte jetzt wirklich gern ein Bier
       
       > „The Day She Returns“ von Hong Sang-soo zeigt ein Interview in mehreren
       > Variationen. Mit einfachen Mitteln entsteht etwas Komplexes.
       
 (IMG) Bild: Pause zwischen den Interviews: Song Sunmi und Shin Seokho in „The Day She Returns“
       
       Der koreanische Regisseur Hong Sang-soo pflegt einen reduzierten Stil. In
       seinen Filmen verbringen die Figuren viel Zeit damit, zusammenzusitzen und
       sich zu unterhalten. In der Regel trinken sie dazu Alkoholisches wie Soju.
       Mit geringem Budget und einfachen Mitteln gedreht, wirken seine
       grobkörnigen Bilder leicht dilettantisch, sind aber genau komponiert.
       
       Seit einiger Zeit [1][reduziert Hong Sang-soo diesen Ansatz] mehr und mehr,
       ein vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist „The Day She Returns“, der
       auf der Berlinale in der Sektion Panorama läuft. Der Film zeigt wenig mehr
       als zwei Orte, das Innere eines Restaurants und später ein
       Schauspielstudio. Auch die Figuren sind minimal angelegt, ebenso wie die
       Handlung.
       
       Eine bekannte, im Film namenlose Schauspielerin (Song Sunmi) fängt nach
       langer Pause wieder an zu arbeiten. Als Comeback hat sie eine Rolle in
       einem Independent-Film übernommen. Zu erleben ist sie an einem
       Interviewtag, bei dem sie mit drei verschiedenen Journalistinnen spricht.
       Die drei Gespräche sind in mehr oder minder derselben statischen
       Kameraeinstellung gefilmt, man schaut schräg seitlich auf die
       Schauspielerin an einem Restauranttisch mit einer der Journalistinnen, im
       Hintergrund blickt man durch eine großzügige Glasfront ins Freie.
       
       Die Schauspielerin trifft auf recht unterschiedliche Pressevertreterinnen.
       Da ist die Studentin, die sich ihrer Rolle unsicher ist. Eine andere
       Journalistin spricht mehr als Fan denn als Profi zu ihr. Die dritte
       wiederum ist professionell-nüchtern. Auf alle von ihnen reagiert die
       Schauspielerin locker, zeigt sich offen, beantwortet einige Fragen recht
       ähnlich, bei anderen kommt sie auf neue Aspekte zu sprechen. Alle wollen
       von ihr wissen, warum sie so viele Jahre abwesend war. Sie habe sich nach
       ihrer Heirat und der Geburt ihrer Tochter mehr um deren Erziehung kümmern
       wollen, lautet ihre Auskunft.
       
       ## Wenige Momentaufnahmen runden sich zu einem Bild
       
       Auch das Thema Alkoholkonsum kommt zur Sprache. So weist die Schauspielerin
       stets darauf hin, dass sie in einem Restaurant mit deutscher Küche und
       deutschem Bier sitzen. Sie fragt zudem jede der Journalistinnen, ob sie das
       Bier einmal probieren wolle. Zwischen den Interviews wechselt die Szenerie
       kurz nach draußen vor die Gaststätte, zeigt die Schauspielerin aus
       verschiedenen Perspektiven beim Rauchen.
       
       Mit dem ersten richtigen Ortswechsel kippt auch die Tonlage des Films
       etwas. Im Schauspielstudio soll die Schauspielerin die Interviewsituation
       nachstellen und ihre gegebenen Antworten wiederholen. Doch wo sie zuvor
       lebhaft und geistreich gewesen war, spricht sie jetzt monoton, muss immer
       häufiger in ihren Notizen aus den Gesprächen nachlesen.
       
       In diesen wenigen Momentaufnahmen rundet sich ein Bild aus Andeutungen, aus
       dem man eigene Schlüsse ziehen kann. [2][Hong Sang-soo mag seine
       Herangehensweise in diesem Film lediglich geringfügig variieren], die
       scheinbar schlichte Geschichte erweist sich jedoch als überraschend
       komplex.
       
       20 Feb 2026
       
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