# taz.de -- Referendum über Hamburgs Bewerbung: Olympia-Kritik für alle
       
       > Die Initiative „Nolympia“ hat 19.400 Unterschriften gesammelt. Damit
       > sichert sie sich das Recht, ihre Argumente an alle Haushalte zu
       > verschicken.
       
 (IMG) Bild: Gesammelter Widerstand: Mehr als 19.000 Unterschriften hat die Initiative Nolympia in drei Wochen in Hamburg gesammelt
       
       Gegenwind für die Hamburger Olympia-Pläne: Am Samstag hat die Initiative
       „Nolympia“ dem Landeswahlleiter rund 19.400 Unterschriften übergeben, die
       die Aktivist:innen in den vorangegangenen drei Wochen gesammelt haben.
       
       Damit hat die Gruppe ihr Ziel weit übertroffen: Nötig waren 10.000
       Unterschriften, um sich einen Platz im offiziellen Informationsheft zur
       Volksabstimmung zu sichern. Das Heft, das den Wahlberechtigten in einigen
       Wochen zusammen mit den Abstimmungszetteln zugestellt wird, dürfte damit
       deutlich kontroverser ausfallen, als von der Stadt geplant.
       
       „Sehr viele Menschen wollen nicht, dass Milliarden für ein Megaprojekt
       ausgegeben werden, das Geld in die Kassen weniger spült, während die
       Mehrheit der Hamburger*innen unter den Folgen leidet“, sagte
       Nolympia-Sprecherin Clara Ihring.
       
       Der rot-grüne Senat wirbt seit mehreren Monaten umfassend für einen
       neuerlichen Anlauf, die Olympischen Spiele nach Hamburg zu holen. 2015 war
       der Versuch erstmals an einer Volksabstimmung gescheitert, am 31. Mai
       sollen die Hamburger:innen erneut darüber abstimmen, ob sie eine
       Bewerbung diesmal für die Jahre 2036, 2040 und 2044 wollen.
       
       Sollte es eine Mehrheit dafür geben, wird im Herbst der Deutsche Olympische
       Sportbund (DOSB) bestimmen, mit wem er in die internationale Ausscheidung
       geht: Neben Hamburg wollen auch München, Berlin und die Region Rhein-Ruhr
       künftige Spiele austragen.
       
       Hamburg wirbt mit seinem Konzept der kurzen Wege: Der Großteil der
       Sportstätten befinde sich in einem Umkreis von nur sieben Kilometern; auch
       sei die Austragung nachhaltig, weil ein Großteil der Sportstätten bereits
       vorhanden sei.
       
       Über das dreiwöchige Sportereignis hinaus sei es „die Chance, Hamburg
       weiterzuentwickeln – als lebenswerte Metropole, als weltoffene Gastgeberin
       und als Motor für Bewegung, Gesundheit, Zusammenhalt, Inklusion und
       Nachhaltigkeit“, wirbt die von Rot-Grün mit 18 Millionen Euro ausgestattete
       städtische Projektgruppe.
       
       ## SPD, Grüne und CDU sind für Olympia
       
       Die Initiative „Nolympia“, die für ein „Nein“ beim Referendum wirbt,
       bemängelt hingegen, dass der rot-grüne Senat und die städtische
       Projektgruppe die Nachteile und Risiken einer Austragung verschweigen: Die
       Liste der Kritik ist lang: [1][von hohen Kosten einer Durchführung über
       steigende Mieten in Folge städtischer Aufwertung bis hin zu
       Umweltbelastungen.]
       
       Hamburg gebe viele Millionen allein für die aktuelle Bewerbung aus, spare
       aber an anderen Stellen, sagte Ihring: „Wir leben in einer Stadt mit
       maroden Schulen und Turnhallen, soziale Einrichtungen kämpfen ums
       Überleben, die Hochschulen sind unterfinanziert.“
       
       Diese Kritik wird nun allen Wahlberechtigten zugestellt. Hätte die
       Initiative das Quorum nicht erreicht, hätte es lediglich je eine
       achtseitige Stellungnahme des Senats und der Bürgerschaft gegeben.
       Angesichts der Tatsache, dass auch die oppositionelle CDU die
       Olympia-Bewerbung unterstützt, wäre die Infobroschüre wohl sehr einseitig
       geworden.
       
       Dabei kann die Kritik an einer Hamburger Olympia-Bewerbung bislang nur
       anhand der Schattenseiten vergangener Ausrichtungen erfolgen, da das
       Hamburger Bewerbungskonzept noch kaum mehr als ein Eckpunkteplan mit
       einigen computergenerierten Visualisierungen ist.
       
       Zudem hat der Senat auch noch nicht dargelegt, [2][welche Kosten mit der
       Austragung der Spiele verbunden wären und wie diese finanziert werden
       sollen.] Ein detaillierteres Konzept samt finanzieller Angaben will er erst
       Ende März präsentieren.
       
       ## Linke fordert Gutachten des Landesrechnungshofs
       
       Um das Kosten- und Finanzierungskonzept besser bewerten zu können, will die
       Linksfraktion den Landesrechnungshof um eine Einschätzung bitten. Den
       entsprechenden Antrag bringt die Fraktion am Mittwoch in die Bürgerschaft
       ein. Der Rechnungshof soll sich „gutachtlich zu der Bewerbung Hamburgs um
       die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder
       2044 sowie zur Vereinbarkeit mit einer nachhaltigen Finanzwirtschaft“
       äußern. Damit der Antrag durchkommt, braucht es eine Mehrheit im Parlament.
       
       Ob es dazu kommt, ist allerdings noch unklar, da die Fraktionen von SPD und
       Grünen erst am Montagabend darüber beraten wollen, wie sie dazu stehen.
       „Eine Bewertung der finanziellen Risiken der Olympischen Spiele durch den
       neutralen Rechnungshof sollte für Senat und Bürgerschaft eine
       Selbstverständlichkeit sein“, findet Linksfraktionschefin Heike Sudmann.
       
       Klar ist schon jetzt: Mit Rückendeckung vonseiten der
       Rechnungsprüfer:innen kann Rot-Grün nicht unbedingt rechnen. Als sich
       der Rechnungshof 2015 vor dem damaligen Referendum in einem Gutachten
       äußerte, war das ein Rückschlag für die Olympia-Befürworter:innen.
       
       Die Prüfer:innen konstatierten damals „erhebliche Risiken“, sollte
       Hamburg Ausrichter werden. Den Wähler:innen seien im Vorfeld des
       Referendums keine gesicherten Informationen über [3][die Kosten der
       Olympischen Spiele in Hamburg] vorgelegt worden.
       
       22 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) André Zuschlag
       
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 (DIR) Hamburg
       
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