# taz.de -- HSV gründet Genossenschaft: Und wozu dann ein Olympiastadion?
> Der Hamburger SV gründet eine Genossenschaft, auch um das Stadion zu
> modernisieren. Gleichzeitig plant die Stadt für Olympia mit einem neuen
> Stadion.
(IMG) Bild: Braucht es echt noch ein weiteres Stadion im Volkspark? Irgendwie liegt das alles im Nebel
Nun gründet der Hamburger Sportverein (HSV) eine Genossenschaft. Das ist
eine Nachricht, die sicher seine Mitglieder interessiert und seine Fans.
Vielleicht kann das noch beim FC St. Pauli für Beachtung sorgen, denn dort
gehörte man ja zu den ersten, die [1][eine solche Genossenschaftsidee in
die Tat umsetzten].
Und denkbar wäre auch, dass bei ökonomisch interessierten
Hamburger:innen ein solch ungewöhnlicher Wirtschaftsbetrieb im hoch
kapitalisierten Profifußball auf Neugier stößt. Doch von diesem
überschaubaren Kreis abgesehen: Allen anderen Hamburger:innen kann das
ziemlich egal sein. Eigentlich.
Es ist schließlich nicht mehr lange hin, bis die Hamburger:innen ihre
Stimme darüber abgeben können, ob sich die Stadt für die Ausrichtung
Olympischer Spiele bewerben soll. Schon in rund drei Monaten findet das
Referendum statt, bei dem sich der rot-grüne Senat [2][eine Mehrheit für
sein Bewerbungskonzept erhofft]. Und da wirft die HSV-Genossenschaft eine
Menge Fragen hinsichtlich der Redlichkeit des Konzepts auf, die bislang
niemand beantworten will.
Denn Herzstück aller Olympischen Spiele ist das Olympiastadion. In Hamburg
gibt es keins, das Platz für mindestens 60.000 Zuschauer:innen bietet
und über eine Leichtathletik-Laufbahn verfügt. Es muss also vielleicht
schon in 10 Jahren, allerspätestens aber in 18 Jahren ein nagelneues
Stadion stehen, weil sich der Senat gern für die Olympischen Spiele 2036,
2040 oder 2044 bewerben will. Einen Ort, an dem das künftige Stadion stehen
soll, hat er sich auch schon überlegt: im Volkspark, nur einen Steinwurf
entfernt von der Heimstätte des HSV.
Zwei funktionstüchtige Großstadien nebeneinander gäben ein schräges Bild
her, das weiß auch der Senat. Drum hat er sich zuvor den HSV ins Boot
geholt: Das Volksparkstadion sei mittelfristig nicht mehr zu retten, gab
der HSV bekannt. Deshalb könne er sich gut vorstellen, nach etwaigen
Olympischen Spielen die Straßenseite zu wechseln und hinüber in das dann
nagelneue Olympiastadion zu ziehen.
## HSV will Volksparkstadion ausbauen
Diese Bekanntgabe gab dem Senat Rückenwind für sein Bewerbungskonzept. Denn
beim Internationalen Olympischen Komitee, das die Spiele vergibt, hat das
Thema Nachhaltigkeit zumindest auf dem Papier an Bedeutung gewonnen, sodass
allein für die Spiele errichtete Großbauten nicht mehr allzu gern gesehen
sind. Weil aber das neue Stadion als Spielstätte des HSV und als
Veranstaltungsort für große Konzerte ohnehin und ganz unabhängig von einer
olympischen Bewerbung gebaut würde, kann der rot-grüne Senat behaupten:
Fast alle relevanten Sportstätten existieren dann schon und [3][sind gar
nicht eigens für Olympia errichtet.]
Doch da kommt bei genauerer Betrachtung nun die HSV-Genossenschaft ins
Spiel: Bis zu 100 Millionen Euro will der Klub durch die Gründung
einsammeln. Das Geld soll zwar nicht ausschließlich in die Infrastruktur
fließen, aber eben auch: Weitere Modernisierungen am Stadion sind geplant;
für einen Ausbau, um mehr Zuschauer:innen ins Stadion zu bekommen, ist
sogar bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden.
## Bislang ist da nur Schweigen
Wie passt das alles zusammen? Während der rot-grüne Senat für Olympia mit
einem aktuell nicht, dann aber vorhandenen Stadion wirbt, stecken
HSV-Genossen viel Geld in ein Stadion, das in vielleicht schon zehn Jahren
vollkommen nutzlos ist?
Und konkreter: Ist das Stadion wirklich schon bald abrissreif, obwohl erst
kürzlich Dutzende Millionen Euro und durch die Genossenschaft bald weitere
Millionen Euro in Modernisierung und Ausbau fließen? Wozu bräuchte Hamburg
ein weiteres Großstadion, wenn es nicht regelhaft vom HSV genutzt wird? Wie
realistisch ist es, dass die Stadt wie angekündigt einen privaten Investor
findet, der das Stadion baut, wenn er auf den HSV als Ankermieter
verzichten muss? Schmeißt die Stadt dann notfalls mehrere Hundert Millionen
aus dem Fenster, [4][nur um die Durchführung Olympischer Spiele zu
gewährleisten?]
Schön wäre es, als Hamburger Wahlberechtigte:r darauf bis zum
Referendum Antworten zu bekommen. Bislang ist da aber nur Schweigen.
19 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Hamburg
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