# taz.de -- Hamburgs Olympia-Ambitionen: Olympische Spiele sollen das Klima retten
       
       > Der Hamburger Senat möchte die Sommerspiele ausrichten. Jetzt wirbt er
       > damit, dass sie helfen würden, Klimaneutralität schon 2040 zu erreichen.
       
 (IMG) Bild: Entweder Klimaschutz oder Olympia: Mitglieder der BUND-Projektgruppe „Nein zu Olympia“ protestieren auf dem Hamburger Rathausmarkt
       
       Olympische Spiele könnten helfen, Hamburgs verschärftes Klimaziel zu
       erreichen – so steht es in einer Antwort des Senats auf eine
       parlamentarische Anfrage der Linken. Das erscheint widersprüchlich, denn
       vor einem Volksentscheid mit dem Ziel, die Klimaneutralität von 2045 auf
       2040 vorzuziehen, hatten namentlich SPD-Vertreter im rot-grünen Senat
       gewarnt.
       
       Die Initiatoren des sogenannten Zukunftsentscheids haben sich im
       vergangenen Oktober durchgesetzt. Dass die Stadt schon 2040 klimaneutral
       sein muss, ist Gesetz. Die Linke wundert sich jetzt, dass Bürgermeister
       Peter Tschentscher (SPD) beim Zukunftsentscheid starke Zweifel an dessen
       Umsetzbarkeit geäußert hat, während im Zusammenhang mit Olympischen Spielen
       plötzlich alles möglich sein soll.
       
       In der Antwort an die Linke begründete der Senat das damit, dass „mit der
       Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele viele Entwicklungen
       und Prozesse beschleunigt werden“. Der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete
       Stephan Jersch kritisiert das scharf: „Notwendiges Handeln für das Klima im
       Stil einer Erpressung vom Entscheid für Olympia abhängig zu machen, ist
       unterirdisch.“
       
       Hamburg hat neben Berlin, München und Rhein-Ruhr Interesse an einer
       Ausrichtung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 angemeldet. In
       [1][München hat sich die Bevölkerung in einem Bürgerentscheid] zu 66
       Prozent im Sinne einer Bewerbung für die Spiele ausgesprochen.
       
       ## Das IOC bemüht sich
       
       Der Hamburger Senat wird [2][im Mai per Referendum über eine Bewerbung
       abstimmen lassen]. Eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag von
       Radio Hamburg kam auf eine Zustimmung von 50 Prozent. 41 Prozent lehnten
       eine Bewerbung ab.
       
       Der Senat erinnert in seiner Antwort an die Linke daran, dass das
       Internationale Olympische Komitee (IOC) seit 2014 umfangreiche Reformen
       vorgenommen habe. In seiner „Olympic Agenda 2020“ habe sich das IOC den
       Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) verpflichtet. In der
       Weiterentwicklung davon sei auch „die Pflicht zur Ausrichtung
       ‚klimapositiver Spiele‘“ ab 2030 enthalten.
       
       Damit verbunden seien für Bewerber umfangreiche Berichtspflichten wie das
       Erstellen eines Klima-Aktionsplans und jährlichen Nachhaltigkeitsreports.
       Die Berichte müssten durch „externe, akkreditierte Prüfstellen auditiert
       werden“. Maßgeblich dafür seien internationale Normen und die Methodik des
       IOC zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks.
       
       ## Sport als Wirtschaftsfaktor
       
       Das klingt nach einem hohen Aufwand, wie ihn die Wirtschaft üblicherweise
       kritisiert und wie sie ihn auch bei den Vorgaben des Zukunftsentscheids
       kritisiert. Vertreter der Handels- und der Handwerkskammer verweisen
       allerdings darauf, dass das Klimaschutzgesetz mit seinen Regeln, wie die
       Stadt bis 2040 klimaneutral zu machen sei, und die Vorgabe, klimapositive
       Spiele zu veranstalten, zwei Paar Schuhe seien.
       
       Die Handelskammer sieht die Spiele vor allem als Möglichkeit, Hamburg als
       Standort weltweit bekannt zu machen sowie als Infrastrukturbooster. Wenn
       sich die Hamburger gegen eine Bewerbung entschieden, wäre das „ein fatales
       Signal“, findet Peter Feder, Sprecher der Handelskammer. Dann brauchte sich
       der Norden in Zukunft nicht darüber beklagen, dass Bayern den Löwenanteil
       der Bundesmittel für Investitionen abgreife.
       
       Die Handelskammer hat eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Spiele in Auftrag
       gegeben, die vor dem Referendum veröffentlicht werden soll. Michael Thomas
       Fröhlich von der Vereinigung der Unternehmensverbände Hamburg und
       Schleswig-Holstein (UV Nord) erinnert an eine kürzlich veröffentlichte
       Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zur Bedeutung des
       Sports als Wirtschaftsfaktor für Hamburg.
       
       „Jüngste Studien belegen, dass der Sport ein volkswirtschaftlicher Gigant
       ist“, sagt Fröhlich. Laut dem HWWI führt jeder im Sport erwirtschaftete
       Euro zu 2,40 zusätzlicher Wertschöpfung in der Stadt; jeder Arbeitsplatz im
       Sport sichere im Durchschnitt 2,3 weitere.
       
       ## Bündnis Nolympia warnt vor enormen CO2-Emissionen
       
       [3][In puncto Klimaschutz vertritt das Bündnis Nolympia Hamburg] eine
       komplett andere Position als der Senat. „Hamburg braucht Investitionen in
       eine Transformation hin zum klimaneutralen Wirtschaften sowie eine
       fossilfreie Energiegewinnung und keine zusätzlichen Belastungen durch ein
       Megaevent“, sagt etwa Sabine Sommer, Landesvorsitzende des BUND, der dem
       Bündnis angehört. Der absehbare Druck auf Verkehr und Umwelt könnten den
       Realitätscheck nicht bestehen.
       
       Der Senat verweist auf Vorbilder wie die Fußball-Europameisterschaft 2024
       in Deutschland sowie die Olympischen und Paralympischen Spiele im selben
       Jahr in Paris. Dort seien „im Vergleich zu vergangenen Spielen die
       [4][CO2-Emissionen um beispiellose 54,6 Prozent reduziert worden“,
       vermeldet das IOC].
       
       95 der Sportstätten hätten bereits existiert oder seien nur vorübergehend
       errichtet worden, lediglich drei Anlagen neu gebaut. 98 Prozent er
       genutzten Energie sei aus erneuerbaren Quellen gekommen, 87 Prozent der
       Zuschauer hätten öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder genutzt. Fast
       alle Ausrüstungsgegenstände seien recycelt worden. Der Hamburger Senat will
       darüber zum Teil noch hinauskommen, indem Emissionen vermieden, reduziert
       oder kompensiert werden.
       
       [5][Aus Sicht von Nolympia] zählt das nicht. Die Spiele verursachten enorme
       Emissionen durch Bau, Verkehr und Flugreisen. In Paris seien immer noch
       rund 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert worden – das IOC
       spricht von 1,6 Millionen Tonnen. „Kompensationen ändern nichts daran, dass
       der tatsächliche CO2-Fußabdruck riesig bleibt“, kritisiert das Bündnis.
       
       4 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Olympia-da-wo-die-Leistung-sitzt/!6124721
 (DIR) [2] /Chef-der-Hamburger-Olympia-Bewerbung/!6146906
 (DIR) [3] /NOlympia-Initiative-in-Hamburg/!6145095
 (DIR) [4] https://www.dosb.de/aktuelles/news/detail/paris-2024-reduzierte-co2-emissionen-um-ueber-50-prozent
 (DIR) [5] https://www.nolympia-hamburg.de/stellungnahme/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kai Wegner
 (DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
 (DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
       
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