# taz.de -- Olympia-Referendum in Hamburg: Rot-Grün will bei Olympia lieber nicht nachrechnen
       
       > Den Antrag der Linken, den Rechnungshof um eine Einschätzung zu möglichen
       > Olympia-Kosten zu bitten, will Rot-Grün ablehnen. Das passt leider ins
       > Bild.
       
 (IMG) Bild: Schöne Visualisierungen gibt es, konkrete Zahlen hingegen noch nicht: Hamburgs Olympiabewerbung hat noch Lücken
       
       In drei Monaten haben die Hamburger:innen die Wahl: Soll sich die Stadt
       für die Austragung Olympischer Spiele zwischen 2036 und 2044 bewerben? Das
       von der Bürgerschaft initiierte Referendum am 31. Mai soll, wenn es nach
       der rot-grünen Koalition geht, der Hamburger Bewerbung nochmal ordentlich
       Rückenwind geben, um vom Deutschen Olympischen Sportbund als deutscher
       Bewerber ausgewählt zu werden – statt Berlin, München und Rhein-Ruhr.
       
       Nur: Auf welchen Informationen und Einschätzungen basierend sollen sich die
       Hamburger:innen eigentlich eine Meinung bilden? Da will Rot-Grün nicht
       dabei helfen, allzu tief ins Konkrete und in mögliche Lücken des Konzepts
       zu blicken.
       
       Es war natürlich ein vergiftetes Angebot, das die eine Olympiabewerbung
       ablehnende Linksfraktion vergangene Woche unterbreitete: Die Mehrheit des
       Parlaments möge doch den Landesrechnungshof bitten, einmal seine Meinung
       kundzutun. Der könne schließlich mit geballter Kompetenz eine Einschätzung
       geben, was Olympische Spiele in Hamburg finanzwirtschaftlich bedeuten
       würden.
       
       „Eine Bewertung der finanziellen Risiken der Olympischen Spiele durch den
       neutralen Rechnungshof sollte für Senat und Bürgerschaft eine
       Selbstverständlichkeit sein“, sagte dann auch Fraktionschefin Heike
       Sudmann.
       
       ## Hamburgs wackelige Olympia-Pläne
       
       Selbstverständlich, raunte nun Rot-Grün zurück, werde man diesem Antrag
       nicht zustimmen. „Der Rechnungshof braucht keinen politischen Auftrag“,
       erklärte die SPD-Fraktion. Er sei ja schließlich nicht weisungsgebunden,
       sondern könne eigenständig entscheiden, ob er sich äußern will. Zudem halte
       man nichts davon, dass die Linke den Rechnungshof mit einer Bitte für
       eigene politische Ansichten „instrumentalisiert“.
       
       So ist das Spiel zwischen Regierung und Opposition, kann man nun
       achselzuckend zur Kenntnis nehmen – sinnvolle Anträge der Opposition werden
       regelhaft abgelehnt, wenn die Koalition inhaltlich gar nicht so viel
       dagegen hat. Und: Natürlich kann man das so wie Rot-Grün sehen – wenn der
       Rechnungshof der Ansicht ist, sich äußern zu wollen, kann er das ja machen.
       
       Und doch reiht sich diese Entscheidung in andere ein, die den Eindruck
       erwecken lassen: Unsouverän sind SPD und Grüne und das womöglich, weil sie
       wissen, dass ihr Olympiaplan ziemlich wackelig ist.
       
       Schon einmal war es schließlich eine Stellungnahme des Rechnungshofes, der
       [1][rot-grüne Träume von Olympia zunichte machte:] Bevor
       Hamburger:innen 2015 erstmals über eine Bewerbung abstimmen sollten und
       sich die schon damals regierende rot-grüne Koalition siegreich wähnte,
       warnte der Rechnungshof vor „erheblichen Risiken“. Es fehlte an
       „gesicherten Informationen“ über Kosten und Einnahmen. Vor allem deshalb
       [2][lehnten die Hamburger:innen damals eine Bewerbung ab.]
       
       ## Geschichte wiederholt sich?
       
       Möglich, dass sich das wiederholen könnte, liest sich die 40-seitige Kritik
       von damals doch erstaunlich aktuell. Und gleichzeitig sorgt Rot-Grün dafür,
       dass die Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem neuen
       Bewerbungskonzept immer geringer wird. Worauf schließlich sollte der
       Rechnungshof heute einen prüfenden Blick werfen? Da hat die Stadt seit
       vielen Monaten schon eine mit 18 Millionen Euro ausgestattete Projektgruppe
       am Laufen, die an der Bewerbung arbeitet – doch noch immer gibt es kein
       Bewerbungskonzept, das [3][über ein paar Eckpunkte und nette
       Visualisierungen hinausgeht.]
       
       Erst Ende März soll das vorliegen. Schon einen Monat später allerdings
       werden die Wahlberechtigten ihre Wahlunterlagen bekommen – und bereits per
       Brief abstimmen können. Wie soll dazwischen noch eine qualifizierte
       Stellungnahme des Rechnungshofs samt folgender Debatte passen?
       
       24 Feb 2026
       
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