# taz.de -- Debatte um Israel-Teilnahme in Mailand: Wenn Gehirnakrobatik Olympia-Disziplin wäre
       
       > Bei jedem Großevent wird aufs Neue diskutiert, ob Israel teilnehmen soll
       > oder nicht. Aber mal ehrlich: Es gibt nur zwei schlüssige Positionen
       > dazu.
       
 (IMG) Bild: Ausschluss oder gleiches Recht für alle?
       
       Die Debatte um die israelische Teilnahme an internationalen Großevents ist
       wahrlich keine neue. Tour de France, [1][Eurovision Song Contest], jetzt
       die olympischen Spiele in Mailand und Cortina. Jüngster Debatten-Trigger
       ist ein kritischer Kommentar des Schweizer Sportjournalisten Stefan Renna.
       Während eines olympischen Bob-Rennens stellte er infrage, dass der
       israelische Fahrer Adam Edelman zur Teilnahme zugelassen ist, obwohl dieser
       sich mehrfach öffentlich positiv über die israelische Kriegsführung in Gaza
       geäußert hat und somit Israels Kriegsverbrechen legitimiert.
       
       Was danach passierte, war erwartbar. Rennas Aussagen sorgten für
       Negativ-Schlagzeilen inklusive [2][Buzzwörter wie Antisemitismus und
       Israel-Hass], Israels Olympia-Komitee fordert Konsequenzen für den
       Journalisten und sein Sender, der öffentlich-rechtliche RTS, hat den
       Kommentar [3][inzwischen sogar aus dem Stream entfernt].
       
       Man mag zu dem Thema eine andere Meinung vertreten als Renna –aber so
       ehrlich sollte man dann doch sein: Die Frage, die er stellt, ist völlig
       legitim. Immer wieder haben sich etwa deutsche Kommentatoren während der
       Spiele minutenlang darüber ausgelassen, ob [4][russische Sportler*innen
       unter neutraler Flagge teilnehmen dürften], obwohl sie in den sozialen
       Medien staatsnahen Content gepostet haben. So weit, so richtig. Aber warum
       zur Hölle sollte man die Frage nicht im Kontext von Israel stellen dürfen –
       einem Land, das in der Westbank und Gaza täglich das Völkerrecht bricht?
       
       Eigentlich gibt es doch nur zwei schlüssige Positionen zu dem Thema.
       Entweder man gesteht ein: Olympia ist von Grund auf politisch und wird von
       (allen) Ländern genutzt, [5][um sich auf internationaler Bühne
       darzustellen]. Ländern, die wiederholt das Völkerrecht brechen, sollte
       diese Möglichkeit genommen werden. Dann aber muss das für alle gelten, auch
       für Staaten wie Israel oder die USA.
       
       ## Olympia ist durchzogen von staatlicher Selbstdarstellung
       
       Oder man argumentiert: Olympia sollte möglichst unpolitisch sein. Deshalb
       sollten die Sportler*innen aller Länder die Chance auf eine Teilnahme
       haben, unabhängig von ihren persönlichen politischen Meinungen und der
       Politik ihrer jeweiligen Regierungen. Diese zweite Position ist zwar etwas
       realitätsfremd – denn Olympia ist durchzogen von staatlicher
       Selbstdarstellung –, sie wäre aber als Idealvorstellung wenigstens
       konsequent.
       
       Zu behaupten, die Teilnahme russischer Sportler habe einen
       propagandistischen Charakter und legitimiere die russische Politik, die
       Teilnahme israelischer Sportler sei aber politisch neutral und deshalb
       unbedenklich, ist völliger Quatsch. Wäre Gehirnakrobatik eine
       Olympia-Disziplin, ließe sich mit dieser Argumentation sicher eine Medaille
       gewinnen.
       
       19 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Israel-darf-an-ESC-teilnehmen/!6135609
 (DIR) [2] https://www.20min.ch/story/zionist-durch-und-durch-wirbel-um-rts-kommentar-zu-israels-bob-team-103507750
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/sport/2026/feb/17/swiss-broadcaster-pulls-olympic-commentary-questioning-presence-of-israeli-bobsledder
 (DIR) [4] /Russe-wird-Vierter-im-Skiathlon/!6152936
 (DIR) [5] /Olympischer-Nationalismus/!6026790
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pauline Jäckels
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Olympischer Sport
 (DIR) Mailand
 (DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
 (DIR) Russland
 (DIR) Israel
 (DIR) Sportpolitik
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Olympische Winterspiele
 (DIR) Kolumne spirito olimpico
 (DIR) Olympische Winterspiele
 (DIR) Specht der Woche
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Medienereignis Olympische Spiele: Festspiele der Geschlagenen
       
       Hauptsache, Medaillen! Die Berichterstattung zu Olympia hat eine
       Schlagseite. Ist dabei sein etwa doch nicht alles?
       
 (DIR) Pragmatischer Eiskunstlaufcoach: Was bedeutet schon die Nationalität, wenn es Geld gibt
       
       Choreograf Benoît Richaud betreut bei Olympia 16 Athlet:innen und
       wechselt fliegend Länderoutfits. Damit entlarvt er die Idealisierung der
       Nation.
       
 (DIR) Ukrainischer Olympia-Auftritt: Und dann wieder in den Krieg zurück
       
       Die Freeski-Artistin Kateryna Kotsar ist über ihre Finalteilnahme in
       Livigno überglücklich, auch weil sie so an die Lage in der Ukraine erinnern
       kann.
       
 (DIR) Olympische Winterspiele: Schade
       
       Unser Kolumnist schaut Olympia und malt: ein Bild über einen Sturz und eine
       Disqualifikation. Aber auch über Mut und Meinungsfreiheit im Sport.