# taz.de -- Konzertkarten in Berlin: Kreuzberg ohne Tresen
       
       > Mit der Insolvenz der Konzertkasse Koka36 ist in der Oranienstraße eine
       > weitere Bastion des Persönlichen gefallen. Wo soll man jetzt Tickets
       > kaufen?
       
 (IMG) Bild: Ein Stück widerständiger Infrastruktur: die Konzertkasse KoKa 36 in der Kreuzberger Oranienstraße
       
       Es war über Jahrzehnte eine feste Adresse in der Subkultur Kreuzbergs: die
       Konzertkasse Koka36 in der Oranienstraße. Nun hat das Amtsgericht
       Charlottenburg zum 11. Februar ein vorläufiges Insolvenzverfahren
       angeordnet. Zunächst hatte das Musikmagazin Groove über den Schritt
       berichtet. Mit dem nüchternen Eintrag im Handelsregister endet vorerst ein
       Kapitel Berliner Underground.
       
       Seit 1991 verkaufte Koka36 Konzertkarten – vor allem analog, am Tresen, im
       Gespräch, aber auch online. Während sich der Ticketmarkt zunehmend
       digitalisiert und immer weiter monopolisiert hat, blieb der kleine,
       heimelige Laden in Kreuzberg eine Bastion des Persönlichen. Hier wurden
       nicht nur Tickets ausgehändigt, sondern es gab auch Tipps für die Vorbands,
       kurze Plaudereien über die letzte Show im Lieblingsclub oder mitleidiges
       Brummen, wenn ein Abend ausverkauft war.
       
       Nun steht bei Google Maps lapidar „vorübergehend geschlossen“. Eine
       taz-Anfrage blieb unbeantwortet. Die Website ist nicht erreichbar, laut
       Hinweis „aufgrund technischer Probleme“. Der Einschnitt kommt in einer
       ohnehin schwierigen Phase. Im November 2025 war Gründer und langjähriger
       [1][Geschäftsführer Christian Raschke] verstorben. Auf der Facebook-Seite
       des Unternehmens ist seit einem schlichten „Farewell Christian“ nichts mehr
       erschienen.
       
       Die Folgen der Insolvenz treffen vor allem jene, die ohnehin am Rand
       wirtschaftlicher Belastbarkeit arbeiten: kleine Veranstalter*innen und
       Clubs. Dem SO36, das schräg gegenüber der Koka36 liegt, fehlen etwas mehr
       als 40.000 Euro aus bereits verkauften Tickets. Nanette Flieg vom SO36
       berichtet der taz, man habe auch deshalb so eng mit der Koka36
       zusammengearbeitet, weil dem Club „die Möglichkeit, dass die Leute ihre
       Tickets mit Bargeld kaufen können“, wichtig gewesen sei. „Es gibt hier
       erstaunlich viele Leute, die ihre Tickets entweder nicht online kaufen
       können oder wollen“, sagt sie.
       
       ## SO36 startet Crowdfunding
       
       Neben den eigenen Konzerten, für die die Koka36 selbst Tickets druckte,
       übernahm sie für das SO36 auch die unliebsame Abwicklung mit CTS Eventim,
       um die man in der Branche leider kaum mehr herumkomme. Nun [2][hat das SO36
       ein Crowdfunding gestartet]. „Das Geld, das uns nun an anderer Ecke fehlt,
       wird uns zwar nicht das Genick brechen“, beruhigt Flieg die Fans ihres
       Clubs, „aber es tut richtig weh.“
       
       Solange es keine tragfähige Alternative gibt, verkauft das SO36 seine
       Tickets nun bei [3][Coretex Records in der Oranienstraße 3] – ein
       Provisorium, das zugleich an frühere Zeiten erinnert, als Plattenläden
       selbstverständliche Vorverkaufsstellen waren, ohne automatisch über Eventim
       zu gehen.
       
       Ähnlich aufgebracht wie Nanette Flieg berichtet Ran Huber, der mit amStart
       seit zwei Jahrzehnten vor allem kleine Konzerte in Berlin veranstaltet. Er
       hat vergleichsweise Glück: Bei einer anstehenden Veranstaltung muss er
       lediglich auf seine Marge verzichten. „Support your local dealer“, sagt er
       – und meint es wörtlich wie programmatisch. Auch er habe die Koka36 stets
       unterstützt.
       
       ## Eventim hat eine monopolartige Stellung
       
       Mit der Insolvenz stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wohin nun, wenn
       man den Ticketkonzern Eventim mit seinen intransparenten Gebührenstrukturen
       und seiner monopolartigen Stellung in der deutschen Eventbranche nicht
       weiter stärken möchte? Einen Laden, in dem man für Konzerte einfach sein
       Geld auf den Tresen packt und neben dem begehrten Ticket gratis einen
       kleinen Schnack dazu bekommt, gibt es in dieser Form kaum noch.
       
       Ganz verschwunden sind alternative Strukturen jedoch nicht. Bundesweit
       existieren [4][Onlineplattformen wie Rausgegangen], die sich der
       kulturellen Vielfalt verschrieben haben und insbesondere kleineren
       Veranstaltern Sichtbarkeit und Beratung bieten. Viele Bands und Clubs
       bieten auch ihre Tickets über die eigenen Websites an, was natürlich die
       Suche aufwendiger gestaltet. Physische Orte dagegen fehlen zunehmend.
       
       Die Geschichte der Koka36 ist damit mehr als die Insolvenz eines
       Unternehmens. Sie erzählt von der schleichenden Verdrängung analoger
       Kulturorte durch digitale Infrastrukturen, von der voranschreitenden
       Verödung der Stadt – und von einer Szene, die einmal mehr improvisieren
       muss, um sich selbst zu erhalten. Berlin hat wieder ein Stück jener
       widerständigen Infrastruktur verloren, die lange selbstverständlich schien.
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Koka-ist-mein-Leben/!5815493/
 (DIR) [2] https://www.startnext.com/so36-cool
 (DIR) [3] https://coretexrecords.com/
 (DIR) [4] https://rausgegangen.de/berlin/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Messmer
       
       ## TAGS
       
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