# taz.de -- Neuausrichtung der „NOZ“: Lesermeinungen gelenkt und gefiltert
> Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ stellt sich neu auf, sagt sie. Eine
> Imagekampagne lobt ihre offene Debattenkultur. Die Realität sieht
> anders aus.
(IMG) Bild: Wirklich offen für alle Meinungen? Plakat der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ bei Osnabrück
Freitag der 13. gilt als ein Tag, an dem Unheil droht. Gewiss, das ist
irrational. Aber manchmal scheint doch etwas dran zu sein. Am
vorvergangenen Freitag, dem 13., trug [1][die Neue Osnabrücker Zeitung
(NOZ)] einen Mantel, vor dem Frontcover. Auf blauem Grund stand dort ein
appellatives Kofferwort: „Journalismuss“. Darunter: „Zeit für eine neue
Zeitung“.
Beim [2][Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag] (SHZ), der mit der NOZ
fusioniert ist, sah es am 13. ähnlich aus. Es war der Start einer
Imagekampagne zur Markenerneuerung, von Social Media bis zum
Großflächenplakat im Stadtraum.
In einer gemeinsamen Erklärung, in der Worte wie „frischer“ und
„kompakter“, „Augenhöhe“ und „ohne Zeigefinger“ vorkommen, schreiben beide
Chefredaktionen, man beleuchte Themen aus einer „360-Grad-Perspektive“. Die
Zeitung passe sich dem Leben ihrer Leserinnen und Leser an, „nicht
umgekehrt“.
Das allein ließ schon aufhorchen. 360 Grad? Heißt das, dass jede Meinung
und jede These berücksichtigt wird, egal wie schrill sie ist? Und:
Anpassung? Heißt das, dass es keinen eigenen ethischen Kompass mehr gibt?
Es klingt, als würde die NOZ, deren [3][Mantelteil-Politikressort in der
Kritik steht, zunehmend in rechte Narrative abdriften], in ein Fahrwasser
voller Populismusuntiefen steuern.
## Keine Kommentare
Damit nicht genug. In der Kampagne wird außerdem versichert, man stehe für
eine „offene Debattenkultur“. Debatte sei „kein Luxus, sondern Pflicht“.
Indes: Die Realität sieht anders aus.
Ebenfalls am Freitag, dem 13., wurde die moderierte Kommentarfunktion unter
allen Artikeln auf den Internetseiten noz.de und shz.de geschlossen. „Gute
Debatten“, schreibt die Chefredaktion, entstünden „nicht zufällig“. Ab März
soll ein neues Format greifen. Dabei stellt die Zeitung „einen ausgewählten
Meinungsbeitrag gezielt zur Diskussion“. Im Anschluss fasst sie „die
wichtigsten Argumente journalistisch zusammen“.
In Zukunft soll es also gelenkte, gefilterte Debatten geben. „Unsere Leser
stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit“, heißt es zwar wenige Sätze später.
Überzeugend klingt das jedoch nicht, eher nach einem Widerspruch.
„Auch uns hat diese Umstellung völlig überrascht“, heißt es aus
NOZ-Redaktionskreisen gegenüber der taz. Man sei konsterniert. Wie das neue
Kommentierungsangebot aussehe, wisse man nicht.
Mittlerweile sind sogar alle alten Kommentare gelöscht, das komplette
Debattengedächtnis. Als sei nie diskutiert worden.
„Ernsthafter denn je müssen wir seit dem 13. Februar befürchten, dass die
Rechtswende der Neuen OZ massiv fortschreitet“, schrieb das NOZ-kritische
Osnabrücker Onlinemedium [4][Mozpost] drei Tage nach dem Start der
NOZ-Kampagne und erinnerte dabei an „Sternstunden“ kritischer, antirechter
LeserInnenbeiträge mit vielen Likes. Ein Kommentarverbot sei „keine Zäsur,
sondern eine Zensur“.
## Nicht mehr streitbar
Und nicht nur die Kommentare fallen weg. Dass auch ein publizistisches
Format mit starker Resonanz der Leserschaft sterben kann, beweist das
Schicksal der SHZ-Kolumne „Streitbar“, die jeden Samstag im Journal
Schleswig-Holstein am Wochenende sowie online und im E-Paper-Magazin Tag 7
der NOZ erschien.
Das Aus kam unpersönlich per Mail, völlig unerwartet. „Der Name der Kolumne
war Programm“, sagt die frühere taz-Redakteurin Simone Schnase, die sie
über Jahre geschrieben hat, im Wechsel mit Thomas Schmoll. „Es hat sich
dabei um ein langes Meinungsstück zu aktuellen politischen oder
gesellschaftlichen Themen gehandelt, das zur Debatte anregen sollte.“
Dass die Kolumne eingestellt wurde, passe „ins neue, völlig absurde
NOZ-Konzept“, so Schnase. „Die Texte waren ja eine Einladung an die Leser,
zu diskutieren, zu kommentieren – und genau das ist ja nun offenbar nicht
mehr erwünscht.“
Schnase hat einen Vertrag mit dem SHZ. Bis heute ist ihr nicht ordentlich
gekündigt worden. Ihre Forderung nach einem Ausfallhonorar ließ die
SHZ-Chefredaktion unbeantwortet.
Was Schnase besonders schmerzt: „Thomas Schmoll und ich haben keinerlei
Möglichkeit bekommen, eine letzte Kolumne zu schreiben und unseren teils
seit Jahren treuen Lesern Tschüss und Danke zu sagen.“ Mehr noch:
LeserInnen, die wissen wollen, was aus „Streitbar“ geworden ist, laufen ins
Leere. „Eine Leserin schrieb mir“, so Schnase, „sie hätte eine Mail an den
SHZ geschrieben und dort angefragt, aber keinerlei Antwort darauf
erhalten.“
Ironie am Rande: In Videos zur Imagekampagne sagen Louisa Riepe,
Vizechefredakteurin der NOZ, und Gerrit Bastian Mathiesen,
SHZ-Chefredakteur: „Wir waren schon immer streitbar.“ Schmoll, Schnase und
ihre LeserInnen dürfen es nicht mehr sein.
Die NOZ, von der taz um Kommentierung ihrer Zeitenwende gebeten, schweigt.
Dialog ist eben schwierig.
Die LeserInnen-„Aktion NOZkritisch“ (ANK) schreibt in einer Stellungnahme
zur Neukonzeption der NOZ, das plakative Bekenntnis zur Meinungspluralität
und zur 360-Grad-Perspektive erscheine ihr „wie ein trojanisches Pferd, um
in Zukunft noch mehr rechtspopulistische Meinungsbeiträge als bisher schon
in der NOZ unterbringen zu können“.
Eine freiheitliche Demokratie lebe aber nicht nur vom Diskurs, sie lebe
auch „von dem Konsens, dass jeder demokratische Diskurs auf einer
faktenbasierten und von liberalen Werten geprägten Grundlage zu erfolgen
hat, was zum Beispiel bei der AfD mit ihrem Hang zum illiberalen,
autoritären, völkisch-nationalistischen und antihumanistischen Agitieren
nicht gegeben ist“.
Daher könne eine Partei wie die AfD laut der Initiative „nicht denselben
Anspruch auf Repräsentanz ihrer Meinung in der NOZ erheben, wie diejenigen
politischen Akteure, die sich innerhalb des Spektrums einer offenen und
liberalen Demokratie bewegen“.
Die kritischen LeserInnen von der ANK werden das weiter beobachten.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Osnabruecker-Zeitung/!t5658578
(DIR) [2] /Schleswig-Holsteinischer-Zeitungsverlag-SHZ/!t5542395
(DIR) [3] /Querdenkende-Lokalpresse/!6074403
(DIR) [4] https://os-rundschau.de/moz-koz-igelpost/moz-post-zum-neuen-jahr/
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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