# taz.de -- Pestizid unter Krebsverdacht: Glyphosat-Klägeranwälte knicken wegen Trump ein
       
       > Mehrere Kanzleien einigen sich mit Hersteller Bayer. Sie befürchten eine
       > Niederlage für an Krebs erkrankte Glyphosatnutzer vor dem Supreme Court.
       
 (IMG) Bild: Das Pestizid Roundup wird im kalifornischen Encinitas verkauft (Archivaufnahme vom Juni 2017)
       
       Angesichts einer möglichen Niederlage vor dem Trump-freundlichen Obersten
       US-Gerichtshof gegen den [1][Glyphosat]-Hersteller Bayer/Monsanto haben
       Anwälte von Krebspatienten einem Sammelvergleich zugestimmt. Sollte das
       zuständige Bezirksgericht der Stadt St. Louis die Einigung genehmigen,
       würde der deutsche Konzern binnen 21 Jahren insgesamt bis zu [2][7,25
       Milliarden Dollar] an Einwohner der USA zahlen, die Kontakt mit dem
       Glyphosat-haltigen Pestizid Roundup und die Krebsart Non-Hodgkin-Lymphom
       nachweisen. Das teilten Bayer und mehrere [3][Klägeranwälte] am
       Dienstagabend mit.
       
       Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Pestizidwirkstoff. Die
       Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation
       stufte ihn 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – mit der Chemikalie
       gefütterte Säugetiere hatten Tumore entwickelt. Mehrere US-Gerichte
       verurteilten Bayer zu hohen Schadenersatzzahlungen an KlägerInnen, die ihre
       Krebserkrankung auf den Unkrautvernichter zurückführen. Der Konzern dagegen
       beruft sich auf Zulassungsbehörden, die Glyphosat als sicher einstufen. Das
       Gift tötet so gut wie alle Pflanzen und damit auch Nahrung für Vögel und
       Insekten. Deshalb gilt es Umweltschützern als Gefahr für die Artenvielfalt.
       
       Wie aus dem [4][Vergleichsentwurf] hervorgeht, soll die durchschnittliche
       Entschädigungszahlung zwischen 10.000 und 165.000 Dollar betragen. Das ist
       weit weniger als die Millionenbeträge, die Gerichte früheren Klägern
       zugesprochen haben. Die Kanzlei [5][Motley Rice] zum Beispiel begründete
       ihre Zustimmung damit, dass der am Obersten Gerichtshof anhängige
       Glyphosat-Fall „Durnell“ die Rechte von Klägern einschränken könnte. Vor
       den überwiegend konservativen, zu einem Drittel von US-Präsident Donald
       Trump ernannten Richtern argumentiert Bayer, die Opfer dürften nicht auf
       Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten wegen fehlender Warnungen vor
       Krebs auf den Etiketten des Pestizids klagen. Bundesrecht habe Vorrang, und
       die US-Umweltbehörde EPA hat Glyphosat unter Trump als nicht krebserregend
       eingestuft. Im Januar nahm der Oberste Gerichtshof den Fall zur Prüfung an.
       
       Auch sonst baut Bayer auf den industriefreundlichen Kurs der
       rechtsradikalen Trump-Bewegung. Der Konzern gab in seiner Pressemitteilung
       zu dem Vergleich unumwunden zu, dass zu seiner Strategie zur Eindämmung der
       Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten auch die „Unterstützung von
       Gesetzesinitiativen auf Bundesebene und in einzelnen Staaten der USA“
       gehörten. Die Republikaner treiben gerade im US-Kongress ein Gesetz voran,
       das Klagen wegen fehlender Warnhinweise praktisch verbieten würde.
       
       ## Vergleich noch nicht genehmigt
       
       Bayer argumentiert dabei auch mit den mutmaßlichen Interessen einer für
       Trump sehr wichtigen Wählergruppe: der US-Farmer. Die derzeitige
       Rechtsunsicherheit stelle infrage, ob „innovative Produkte“ – gemeint sind
       offenbar Pestizide – auch künftig verfügbar sein werden – „was ernsthafte
       Konsequenzen für Landwirte und die amerikanische Lebensmittelproduktion
       haben kann“, so der Konzern.
       
       Erste Berichte suggerierten, mit dem Vergleich habe sich Bayer das
       Glyphosat-Problem vom Hals geschafft. Allerdings ist noch unklar, ob das
       Gericht in St. Louis überhaupt zustimmt. An den Vergleichsverhandlungen
       [6][nicht beteiligte Klägeranwälte] wollten sich zunächst nicht äußern. Ein
       anderer Vergleichsvorschlag von 2020 war vor einem Gericht in Kalifornien
       durchgefallen. Bayer darf den Vergleich kündigen, wenn zu wenige Kläger ihn
       annehmen. Denn diese Gruppe dürfte weiter gegen den Konzern vorgehen. Auch
       neue Klagen wären weiterhin möglich – bis der Gesetzgeber dem einen Riegel
       vorschiebt.
       
       ## Aktionäre bleiben skeptisch
       
       Diese Risiken scheinen auch die Bayer-Aktionäre zu sehen: Nachdem der
       Aktienkurs am Dienstagabend den höchsten Stand seit September 2023 erreicht
       hatte, brach er am Mittwoch um zeitweise mehr als 8 Prozent ein.
       
       Der Leverkusener Konzern hatte den US-Glyphosat-Hersteller Monsanto 2018
       für 63 Milliarden Dollar gekauft. Schon damals warnten zum Beispiel
       Umweltschützer, dass die Fusion Bayer teuer zu stehen kommen könnte wegen
       der Prozessrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat. Der Aktienkurs fiel seit
       der Übernahme und den Urteilen gegen Bayer immer weiter. Bereits 2020
       musste der Konzern rund 10 Milliarden Dollar zahlen, um einen Großteil der
       bis dahin anhängigen Klagen beizulegen. Glyphosat verkauft er bis heute,
       wenn auch nicht mehr an private Anwender in den USA.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Glyphosat/!t5008469
 (DIR) [2] https://www.bayer.com/media/monsanto-schliesst-sammelvergleich-zur-beilegung-aktueller--und-kuenftiger-klagen-zu-roundup-glyphosat/
 (DIR) [3] https://www.law360.com/productliability/articles/2442487?nl_pk=3525e929-dd89-4ef6-8713-8a00071f13ee&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=productliability&utm_content=2026-02-18&read_more=1&nlsidx=0&nlaidx=0
 (DIR) [4] https://www.weedkillerclass.com/docs/settlement_agreement.pdf
 (DIR) [5] https://bsky.app/profile/motleyrice.bsky.social/post/3mf34hqqp722r
 (DIR) [6] https://www.thenewlede.org/2026/02/bayer-proposes-7-25-billion/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Glyphosat
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
 (DIR) Schwerpunkt Bayer AG
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Glyphosat
 (DIR) EU-Kommission
 (DIR) Schwerpunkt Glyphosat
 (DIR) Schwerpunkt Glyphosat
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nach Glyphosat-Gutachten: Krebsforscher verliert seinen Posten
       
       Direktor Mandrioli muss das Ramazzini-Institut verlassen. Waren seine
       Forschungsergebnisse zu brisant? Institut und Betroffener widersprechen
       sich.
       
 (DIR) Vergleich von Bayer mit US-Krebsopfern: Keine Absolution für Glyphosat
       
       Trotz des Vergleichs bleiben Zweifel an der Sicherheit von Glyphosat.
       Lebensmittel lassen sich auch ohne den Pestizidbestseller erzeugen.
       
 (DIR) Pflanzenschutzmittel: EU will Pestizide unbefristet zulassen
       
       Die EU-Kommission will die regelmäßigen Neuzulassungen für Pestizide wie
       Glyphosat abschaffen. Dann würden die Stoffe künftig unbefristet
       zugelassen.
       
 (DIR) Pestizid unter Krebsverdacht: Umstrittene Glyphosat-Studie nach 25 Jahren zurückgezogen
       
       Eine zentrale Studie zur Sicherheit des Pestizids ist wegen ethischer
       Probleme zurückgezogen worden. EU-Behörden sagen, sie hätten sie nicht
       zitiert.
       
 (DIR) Studie mit Laborratten: Krebs durch Glyphosat? Bayer greift Forscher an
       
       Der Chemiekonzern kritisiert eine Untersuchung, derzufolge das Pestizid
       Tumore bei Ratten verursacht. Die Forscher wehren sich.