# taz.de -- Deutsche Asylpolitik: Ein unmenschlicher Widerspruch
       
       > Für ein Policy-Paper wertete Pro Asyl abgelehnte Asylbescheide aus. Das
       > Ergebnis: Die deutsche Asylpraxis verkennt die Menschenrechtslage in
       > Iran.
       
 (IMG) Bild: Protest von Exil-Iraner:innern am 16. Januar in Berlin
       
       Müsste man die Ergebnisse des jüngst von Pro Asyl veröffentlichten Berichts
       „[1][Die Menschenrechtslage in Iran und die deutsche Asylpraxis]“ in einem
       Satz zusammenfassen, würde er wie folgt lauten: Die Hinrichtungen und
       Repressionen in Iran steigen an, die Zahl der Iraner*innen, die in
       Deutschland Schutz erhalten, nimmt massiv ab.
       
       Denn während noch 2023 rund 55 Prozent der vom Bundesamt für Migration und
       Flüchtlinge (BAMF) inhaltlich geprüften Asylanträge abgelehnt wurden, stieg
       diese Zahl im Jahr 2025 auf 73 Prozent an – trotz „eindeutiger
       Menschenrechtsverletzungen“, so der Bericht von Pro Asyl. Der Verein, der
       sich für die Rechte von asylsuchenden Menschen in Europa einsetzt, vermutet
       in dieser Entwicklung innenpolitisches Kalkül: Die Schutzquote werde
       bewusst niedrig gehalten, um so die Flüchtlingszahlen zu reduzieren, heißt
       es in einer zum Bericht veröffentlichten Pressemitteilung.
       
       „Anders kann man diese Diskrepanz zwischen der dramatischen
       Menschenrechtslage in Iran und der zu niedrigen Schutzquote nicht
       erklären“, sagt auch Tareq Alaows. In einem Pressegespräch erklärt der
       flüchtlingspolitische Sprecher von Pro Asyl, dass man für den eigenen
       Bericht eine Vielzahl von Asylbescheiden des Bamf gelesen habe.
       
       ## Repressionen in Iran auf bisherigem Höhepunkt
       
       „Er trug seine Fluchtgründe wenig engagiert und sehr kurz vor“ und „Es
       spricht daher nichts dafür, dass sich der Antragsteller mit seiner
       Schilderung auf tatsächlich Erlebtes bezieht“, heißt es beispielsweise in
       einem dieser Bescheide, den Pro Asyl in ihrem Papier zitiert. Aus den
       Ablehnungsbescheiden gehe zudem hervor, dass die Gefahren, die
       oppositionelle Aktivitäten in Iran nach sich zögen, relativiert würden.
       
       Dass dies nicht der Realität der Menschen entspräche, die derzeit in Iran
       protestieren, bestätigt auch Mariam Claren, die beim Verein HÁWAR.help
       aktiv ist. Im digitalen Pressegespräch zur Veröffentlichung des
       Pro-Asyl-Papiers spricht sie als „Iran-Expertin“ von „mindestens 14
       Todestrafen und mindestens 3 Hinrichtungen“, die allein in den letzten
       Tagen in Iran vollzogen wurden. Repressionen seien zwar [2][seit dem
       Bestehen der Islamischen Republik] „gang und gäbe“, zurzeit ereigne sich
       allerdings das „bisher schlimmste Massaker“ an der iranischen Bevölkerung,
       so Claren.
       
       ## Verwaltungsgerichte entscheiden häufig anders als das Bamf
       
       Pro Asyl fordert deshalb: „Solange das iranische Regime Menschen
       willkürlich inhaftiert, foltert und tötet, darf niemand dorthin abgeschoben
       werden.“ Zudem müssten Frauen und queere Menschen als „besonders gefährdete
       Gruppen“ anerkannt werden und die Schutzbedürftigkeit ethnischer und
       religiöser Minderheiten uneingeschränkt gelten. Dass rund 42 Prozent der
       von Verwaltungsgerichten geprüften Ablehnungsbescheiden als rechtswidrig
       aufgehoben wurden, muss zu einem Umdenken in den Behörden führen, so der
       Bericht.
       
       Die politische Realität stimmt Alaows derweil allerdings pessimistisch: Die
       Politiker*innen solidarisieren sich am einen Tag mit den
       Protestierenden in Iran, fordern am nächsten dann aber Abschiebungen,
       moniert der Sprecher. Zumindest zeigt sich die deutsche Zivilbevölkerung
       solidarisch, sagt Claren. Dass aber ausgerechnet „Teile der Linken sich
       schwertun, an den [3][Protesten] teilzunehmen“ sei „sehr schmerzhaft“ – vor
       allem für die Menschen in Iran.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.proasyl.de/material/die-menschenrechtslage-im-iran-und-die-deutsche-asylpraxis/
 (DIR) [2] /Politischer-Wandel-im-Iran/!6150999
 (DIR) [3] /Iran-Demos-in-Muenchen/!6154930
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Bernauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Pro Asyl
 (DIR) Asylrecht
 (DIR) Friedrich-Ebert-Stiftung
 (DIR) Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) USA
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Visa
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Atomgespräche zwischen USA und Iran: Rote Linien und kein Deal
       
       Die Verhandlungen in Genf über ein Ende des iranischen Atomprogramms
       stocken. Zugleich fürchtet das Mullah-Regime neue Proteste im Land.
       
 (DIR) Iranische Opposition: Der Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger
       
       Die Menschen in Iran brauchen unsere Solidarität. Auf Reza Pahlavi zu
       setzen, der von rechtsextremen Kräften unterstützt wird, ist der falsche
       Weg.
       
 (DIR) Deutsche Botschaft im Iran: Visastelle geschlossen, Wiedereröffnung nicht in Sicht
       
       Wegen der Gewalt des Regimes nimmt die Bundesrepublik in Iran keine
       Visumsanträge mehr an. Die Grünen üben Kritik und fordern Hilfe speziell
       für Studierende.