# taz.de -- Atomgespräche zwischen USA und Iran: Rote Linien und kein Deal
> Die Verhandlungen in Genf über ein Ende des iranischen Atomprogramms
> stocken. Zugleich fürchtet das Mullah-Regime neue Proteste im Land.
(IMG) Bild: US-Präsident Trump ließ bereits mehrere US-amerikanische Kriegsschiffe in die Golfregion verlegen
Genf, genauer die Botschaft von Oman in Genf, war am Dienstag der
Schauplatz für die zweite Runde indirekter Gespräche zwischen den USA und
Iran. Wobei fraglich ist, wie viel hier wirklich erreicht werden kann.
Zwischen den amerikanischen Forderungen und Teherans „roten Linien“ sind im
Moment kaum Überschneidungen zu erkennen, sodass ein neuer Deal noch weit
entfernt scheint.
US-Präsident Donald Trump fordert neben der vollständigen Einstellung des
iranischen Atomprogramms auch eine deutliche Einschränkung des
Raketenprogramms sowie ein Ende der Unterstützung israelfeindlicher Milizen
in der Region. Für die iranische Führung hingegen sind das Raketenprogramm
und die Milizen zentrale Bestandteile ihrer [1][Abschreckungs- und der
regionalen Einflussstrategie]. Ein Einlenken käme aus ihrer Sicht einer
Kapitulation gleich.
Das iranische Regime hat bei den Verhandlungen also wenig zu gewinnen. Dazu
kommt Trumps Drohung mit einem Militärschlag: „Ich glaube nicht, dass sie
die Konsequenzen wollen, wenn kein Abkommen zustande kommt“, sagte Trump am
Montag. Gleichzeitig ließ er bereits mehrere US-amerikanische Kriegsschiffe
in die Region verlegen.
Während außenpolitisch der Druck steigt, muss sich das iranische Regime
auch gegen seine Feinde im Inneren wappnen. Eine Teheraner Gewerkschaft von
Händlern hat für Dienstag und Mittwoch zu neuen Streiks und Protesten gegen
das Regime aufgerufen. Die beiden Tage sind nicht zufällig gewählt: Vor 40
Tagen, am 8. und 9. Januar, ließ das Regime Tausende Demonstranten
erschießen – ein staatliches Massaker, das international für Entsetzen
sorgte.
Der 40. Tag nach dem Tod einer Person, der sogenannte Chehelom, hat in der
schiitischen Tradition eine große Bedeutung. Hier endet die traditionelle
Trauerzeit, was in der Vergangenheit oft neue Proteste in Iran auslöste:
Auch am 40. Todestag [2][von Jina Mahsa Amini, einer jungen, in
Polizeigewahrsam verstorbenen Kurdin], fanden 2022 landesweit Proteste
statt.
## Das Regime reagiert nervös
Nun ist am Dienstag und Mittwoch der Chehelom von Tausenden getöteten
Menschen – und das Regime reagiert entsprechend nervös. Die
Revolutionsgarden sind in Alarmbereitschaft, Menschen im Land melden wieder
eine reduzierte Internetverbindung.
Schon seit Wochen hat sich in der iranischen Gesellschaft neben dem Schock
über die vielen Toten vor allem Wut breitgemacht. Auf Trauerfeiern für
getötete Demonstranten verzichteten die Angehörigen auf religiöse Verse,
sie führten stattdessen Tänze auf und sangen patriotische Lieder. Auch
Slogans gegen Irans Führung, etwa „Tod Chamenei“, waren auf den
Begräbnissen immer wieder zu hören. Ali Chamenei ist der oberste religiöse
Führer Irans.
Um seine Bevölkerung in Schach zu halten, setzt das Regime auf maximale
Abschreckung. In den vergangenen Tagen haben die Behörden zahlreiche Läden
auf dem Teheraner Basar schließen lassen – trotz der tiefen
Wirtschaftskrise, die den jüngsten Aufstand ausgelöst hatte.
Betroffen waren diejenigen, die sich zuvor an Streiks und Protesten
beteiligt hatten. Dazu gehört auch Mohammed Ali Saedinia, einer der
bekanntesten Geschäftsleute in Iran. Nun sitzt der 81-Jährige hinter
Gittern. Sein gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt, alle seine Unternehmen
wurden geschlossen – um den durch „die Unruhen entstandenen Schaden zu
kompensieren“, heißt es von der iranischen Justiz.
## Neue Welle der Repression
Die neue Welle der Repression macht auch vor Regimeinsidern nicht halt.
Prominente Figuren aus dem sogenannten Reformlager, die dem iranischen
Präsidenten Massud Peseschkian nahestehen, wurden in den letzten Tagen
festgesetzt. Zuvor hatten manche „Reformer“ mehr oder weniger offene Kritik
am Vorgehen der Sicherheitskräfte angemeldet.
„Die Festnahmen sind eine Präventivmaßnahme gegen weitere mögliche
Überläufer“, analysiert Ali Vaez, Iranexperte der International Crisis
Group. „Die Reformer begannen sich abzuwenden. Das Regime sieht das als
existenzielle Bedrohung.“
Der Zeitpunkt für neue Proteste oder gar Risse innerhalb des Systems wäre
in der Tat ungünstig. Eine Situation im Inneren, die wieder „ruhig“ und
unter Kontrolle erscheint, war eine Voraussetzung für die ohnehin
angespannten Verhandlungen mit den USA. Ein neues Aufflammen der Aufstände
würde den Gesprächen wohl endgültig ein Ende setzen.
17 Feb 2026
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