# taz.de -- Warum ein digitaler Nachlass wichtig ist: Jenseitsvorsorge für den Cyberspace
       
       > Ein Überblick über eigene Accounts ist nicht nur zu Lebzeiten nützlich.
       > Online wird vieles automatisch vererbt. Es braucht einen digitalen
       > Nachlass.
       
 (IMG) Bild: Ohne Zugangsdaten oder eine passende Vollmacht stehen Hinterbliebene oft vor verschlossenen Türen
       
       Der Selbstversuch bringt es an den Tag: Zwei DIN-A4-Seiten sind schnell mit
       Benutzernamen, Passwörtern und anderen Account-Angaben vollgeschrieben. Für
       den letzten [1][Streaming-Dienst], ein weiteres E-Mail-Konto und den
       Kundenaccount bei einem Versandhändler braucht es noch ein drittes Blatt.
       Die Liste der Zugänge zu allen digitalen Konten ist oft lang. Und
       vermutlich fehlen immer noch welche von Diensten, die selten oder längere
       Zeit nicht mehr genutzt werden.
       
       Die Auflistung aller Accounts ist zeitraubend. Doch im Ernstfall, etwa beim
       Tod des Inhabers, hilft sie den Erben enorm. „Auch digital geschlossene
       Verträge oder geführte Accounts werden vererbt“, weiß Kirsten Thul-Kunsmann
       von der [2][Verbraucherzentrale] Rheinland-Pfalz.
       
       Eine Account-Übersicht sollte Benutzernamen, Passwörter, aktivierter
       Zweifaktor-Abfragen, Vertragsnummern und Kontaktdaten der Anbieter
       enthalten. Nur so kann die bevollmächtigte Person im Ernstfall schnell
       erkennen, welche Dienste existieren und wie sie gehandhabt werden sollten.
       Hilfreich ist es, auch festzulegen, was mit den jeweiligen Konten geschehen
       soll: Sollen Profile gelöscht werden, Fotos oder Dokumente erhalten
       bleiben? Oder sollen einige Konten einfach ruhen, bis entschieden wird,
       [3][was damit geschehen soll]?
       
       In der zunehmend digitalen Welt hinterlässt jeder von uns nicht nur
       materielle Werte, sondern auch ein umfangreiches digitales Erbe: E-Mails,
       Online-Verträge, Social-Media-Profile, Messenger-Chats, Cloud-Speicher,
       Smart-Home-Zugänge oder Online-Abonnements.
       
       ## Ohne einen Nachlass wird es für Angehörige schwierig
       
       Ohne klare Regelungen kann es für Angehörige sehr schwierig sein, diesen
       Nachlass zu ordnen und wichtige Dienste zu kündigen oder zu löschen. Viele
       Online-Verträge laufen automatisch weiter, bis sie aktiv beendet werden,
       und persönliche Konten bleiben bestehen, wenn niemand Zugriff darauf hat.
       Ohne eine Übersicht über alle Verträge haben es die Erben schwer.
       
       „Das ist ein massives Problem“, sagt die Juristin Thul-Kunsmann. Es können
       zum Beispiel Folgekosten entstehen, wenn Verträge weiterlaufen. Oder es
       drohen Mahnungen und Inkassogebühren, wenn fällige Überweisungen mangels
       Kenntnis nicht vorgenommen werden. Auch könnten etwa Guthaben bei
       Wettanbietern oder Versandhändlern verjähren, wenn sie nicht beizeiten
       abgerufen werden.
       
       ## Hinterbliebene haben im Zweifel keinen Zugriff
       
       Selbst enge Angehörige haben oft nicht die Möglichkeit, auf digitale
       Accounts zuzugreifen. Häufig erfordert der Zugang zusätzlich zur E-Mail und
       dem Passwort noch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der etwa über das
       Smartphone ein Login bestätigt werden muss. Ohne Zugangsdaten oder eine
       passende Vollmacht stehen Hinterbliebene oft vor verschlossenen Türen.
       
       Laut Thul-Kunsmann reicht in der Regel eine Kopie der Sterbeurkunde, um
       Verträge aufzulösen. Aber auch eine Generalvollmacht von Verstorbenen kann
       nützlich sein, um den digitalen Nachlass bei allen Anbietern aufzulösen. In
       der Vollmacht sollte festgelegt werden, dass sie auch „über den Tod hinaus“
       gilt.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /KI-Musik-auf-Streamingplattformen/!6148090
 (DIR) [2] https://www.verbraucherzentrale.de/gesundheit-pflege/selbstbestimmt-mein-digitales-leben-jetzt-informieren-und-regeln-111323
 (DIR) [3] /Trotz-DSA-Online-Plattformen-machen-das-Melden-von-illegalen-Inhalten-schwer/!6159040
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Mulke
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Social Media
 (DIR) Gesundheit
       
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