# taz.de -- Nachhaltigkeit bei Olympia: Die künstlichen Spiele
> Perfekte Pisten bei Olympischen Winterspielen sind ohne Kunstschnee kaum
> denkbar. Echter frischer Schnee stört. Welche Folgen hat das für die
> Natur?
(IMG) Bild: Zu Beginn der Winterspiele: Es war schon mal mehr Schnee in Bormio
Die Fernsehbilder der letzten Tage haben makellose Skipisten und perfekte
Bedingungen in den italienischen Dolomiten gezeigt. Olympische Winterspiele
ohne Schnee, das wäre undenkbar. Für Veranstalter:innen [1][ist die
Beschneiung der Pisten] allerdings längst ein logistisches Projekt: Einige
Medien hatten im Vorfeld der Spiele berichtet, dass bis zu 100 Prozent der
Pisten in Cortina d’Ampezzo und Livigno künstlich beschneit werden müssten.
[2][Angesichts von Wasserknappheit] stand schnell der Vorwurf im Raum, der
olympische Schnee gehe zulasten der Region und ihres Tourismus. Wie
tragfähig sind diese Prognosen zur Halbzeit der Spiele? Eines vorweg:
Außerplanmäßig sind derzeit kaum Pisten geschlossen, die nicht für die
Wettkämpfe genutzt werden – auch wenn der Dachverband für Natur- und
Umweltschutz in Südtirol Mitte Januar dieses mögliche Szenario angekündigt
hatte.
Diskutiert worden war eine mögliche Schließung vor allem wegen des akuten
Wassermangels der Flüsse, aus denen das Wasser für die zahlreichen
Schneekanonen entnommen wird. Eine Schließung während der Spiele aus diesem
Grund sei jedoch grundsätzlich nicht plausibel gewesen, erklärt Robert
Steiger von der Universität Innsbruck, der unter anderem zu Wintertourismus
und Klimawandel forscht. Die Pisten seien bereits im November und Dezember
letzten Jahres beschneit und anschließend geöffnet worden.
Eine spätere Schließung der touristischen Pisten würde voraussetzen, dass
während der Olympischen Spiele weiter beschneit werde und dadurch
andernorts Wasser fehle. „Das ist schlicht falsch“, sagt Steiger. Während
der Wettkämpfe könne nicht beschneit werden, weil die Pisten anschließend
erneut präpariert werden müssten. Organisatorisch sei das nicht umsetzbar.
## Knapp eine Million Kubikmeter Wasser benötigt
Die touristischen Pisten bleiben geöffnet, die befürchteten massiven
Einbußen für die lokalen Betreiber:innen bleiben augenscheinlich aus.
Doch damit ist die Debatte nicht beendet. Die Veranstalter:innen in
Mailand und Cortina d’Ampezzo haben im Vorfeld besonderen Wert auf die
Nachhaltigkeit der Spiele gelegt: kurze Wege, bestehende Wettkampfstätten,
vorhandene Hotelinfrastruktur. Ein Gegenentwurf zu früheren Spielen, deren
Neubauten nun oftmals als Ruinen verwahrlosen.
Gleichzeitig fließen für die künstliche Beschneiung enorme Wassermengen.
Schätzungen sprechen von nahezu einer Million Kubikmeter allein für den
benötigten Kunstschnee. [3][Wie passt das mit dem
Nachhaltigkeitsversprechen zusammen?] Der hohe Anteil künstlich beschneiter
Pisten stehe nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Olympischen
Spielen, betont Robert Steiger. In Italien würden inzwischen
durchschnittlich rund 80 Prozent der Skipisten technisch beschneit,
unabhängig von einzelnen Großereignissen. In Österreich bewege man sich in
einer ähnlichen Größenordnung, in anderen Ländern liege der Anteil etwas
darunter.
Trotzdem hat Kunstschnee erhebliche Folgen für die unmittelbare Umwelt. Der
teils alarmierende Wassermangel in den Flüssen der Region ist nur eine der
sichtbaren Konsequenzen. Hinzu kommen Auswirkungen auf die Böden selbst.
Robert Steiger verweist darauf, dass technisch erzeugter Schnee einen
höheren Wassergehalt hat als natürlicher Schnee. „Das bedeutet, dass im
Frühjahr beim Abschmelzen mehr Wasser frei wird. Dieses Wasser kann
verstärkt in die Pisten einsickern. Gerade an sehr steilen Hängen besteht
dann die Gefahr, dass bei intensiver Schneeschmelze der Untergrund ins
Rutschen gerät und Erosionsprozesse in Gang gesetzt werden.“
Dennoch gibt es Ansätze, die technische Beschneiung zumindest
ressourcenschonender zu gestalten. So können Schneekanonen und
Filtrationsanlagen mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben
werden. Auch Rückhaltesysteme auf dem Berg tragen dazu bei, Wasser
kontrollierter zu führen. Teilweise werde das bei der Schneeschmelze
anfallende Wasser aufgefangen und gezielt abgeleitet, erläutert Steiger.
„Letztendlich muss man technische Maßnahmen ergreifen“, sagt er.
Der olympische Winter folgt demnach längst nicht mehr allein den Gesetzen
der Natur, sondern vor allem denen der Planbarkeit. Besonders paradox:
Ausgerechnet der natürliche Schneefall wurde in der Woche vor den Spielen
zum Störfaktor; zu spät und viel zu weich. Während Millionen Liter Wasser
zuvor eingesetzt wurden, um ideale Wettkampfbedingungen technisch
herzustellen, musste natürlicher Neuschnee später von den Pisten geräumt
werden.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lilli Drummer
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