# taz.de -- Theaterstück über Frauen in der Kunst: Wenn die Muse rebelliert
> Abwechslungsreich inszeniert: Im Ballhaus Prinzenallee hinterfragt Elli
> Treptow in „Ich liebe dich nicht“ die Rolle der Frau als bloße
> Inspirationsquelle.
(IMG) Bild: Die Liste an Frauen, deren Talent von ihren Mitstreitern und Partnern im Keim erstickt, überschattet oder geklaut wurde, ist lang
Es ist Valentinstag und Männer laufen mit riesigen Blumensträußen durch die
Straßen, gleichzeitig wurde gerade erst die Dunkelfeldstudie
veröffentlicht, die Männern ein massives Gewaltproblem attestiert. Um
Gewalt dreht sich auch das Stück „Ich liebe dich nicht, du inspirierst
mich“, das am 14. Februar im [1][Ballhaus Prinzenallee] Premiere feierte –
allerdings um eine subtilere Form von Gewalt.
[2][Das kleine interkulturelle Theater in Berlin-Wedding] gilt noch als
Geheimtipp. Das Publikum an diesem Abend ist jung, divers, kunstaffin, und
damit die perfekte Zielgruppe für Elli Treptows kritische
Auseinandersetzung mit der Figur der Muse. Treptow, Jahrgang 2001, arbeitet
unter anderem als Tänzerin und Schauspielerin für größere Produktionen,
„Ich liebe dich nicht“ ist ihre zweite Regiearbeit im Ballhaus.
Das riesenhafte Gebilde aus kaputten und gespendeten Bettlaken weckt
Assoziationen an ein unbeschriebenes Blatt Papier, aber auch an biedere
Unterröcke. Wegen eines Krankheitsausfalls steht Treptow selbst auf der
Bühne und spielt neben Prijana Kumar und Karoline Sachslehner eine der drei
Frauen, die es satt haben, immer nur die Inspirationsquelle von
irgendwelchen selbst ernannten Genies zu sein.
Man hört eine männliche Stimme aus dem Off, der die Musen anruft, die drei
Frauen rollen mit den Augen, dann tanzen sie mit aufgesetztem Lächeln ein
paar Schritte. Sachslehner entledigt sich ihres Kleides, darunter trägt sie
ein mit bunter Farbe beschmiertes T-Shirt und Shorts. Aus der Muse wird ein
mansplainender Künstler, der das Publikum mit seinen misogynen Ansichten
volllattet. Tja.
## Wut muss man sich leisten können
War dann wohl doch keine Liebe, sondern bloß Projektion. Oder es war zwar
schon Liebe, aber keine, von der beide in der Beziehung im gleichen Maße
profitiert hätten. Die Darstellerinnen bringen Frauen wie die schwedische
Autorin Victoria Benedictsson ins Spiel, die den berühmten Dramatiker
Henrik Ibsen inspiriert haben soll. Oder die Physikerin Mileva Marić, bei
der man sich bis heute uneins ist, ob sie entscheidende Erkenntnisse zu
Einsteins Relativitätstheorie beigesteuert hat.
Zelda Fitzgerald, Lucia Moholy: Die Liste an Frauen, deren Talent von ihren
männlichen Mitstreitern und Ehemännern im Keim erstickt, überschattet oder
geklaut wurde, lässt sich beliebig fortsetzen. Doch die Wut, die bei so
viel Ungerechtigkeit entsteht, muss man sich erstmal leisten können,
erklärt Prijana Kumar. Und das sei umso schwerer, wenn man nicht nur Frau,
sondern auch Migrantin ist.
Dann aber werden die drei Darstellerinnen doch noch wütend und werfen ein
altes Messingbett mit so viel Wucht um, dass es fast im Publikum landet,
anschließend zelebrieren sie ihre Schwesternschaft. Das ist natürlich alles
sehr verdienstvoll, trotzdem setzen sich die Künste ja nicht erst seit
gestern mit dem Thema auseinander. Für manche dürfte der Abend deshalb auch
etwas erkenntnisarm sein. Dafür ist er abwechslungsreich inszeniert und
macht mit gerade mal 45 Minuten Länge neugierig auf den nächsten. Nur, dann
bitte noch etwas mutiger werden.
15 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Fastabend
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