# taz.de -- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Große Wanderung von der SPD zur CDU
       
       > Die CDU kann erstmals seit 35 Jahren das Land regieren. Die AfD holt kein
       > Direktmandat. Grüne und Linke punkten nur in den Städten. Alle Grafiken
       > zur Wahl.
       
 (IMG) Bild: Auf wen sind die Wähler:innen abgefahren? Plakate für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
       
       Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat die CDU das
       Ministerpräsidentenamt von Amtsinhaber [1][Alexander Schweitzer (SPD)]
       erobert. Nach 35 Jahren wird die Regierung nicht mehr von der SPD, sondern
       von der CDU geführt werden. Die SPD regierte in verschiedenen Koalitionen
       seit 1991 – zuletzt zusammen mit den Grünen und der FDP. Nun wird
       CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder neuer Regierungschef.
       
       Hier finden Sie alle Grafiken zur Landtagswahl am 22. März.
       
       Die Prozente
       
       Wie in den Umfragen prognostiziert, ist die CDU stärkste Partei geworden.
       Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis gewinnt sie 3,3 Prozentpunkte und
       kommt auf 31,0 Prozent. Sie landet damit klar vor der SPD, die fast 10
       Prozentpunkte verliert und auf 25,9 Prozent stürzt. So schlecht hat die SPD
       in Rheinland-Pfalz noch nie abgeschnitten.
       
       Die AfD hat auch in Rheinland-Pfalz deutlich zugelegt. Sie konnte ihr
       Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln und erreicht 19,5 Prozent – ein neuer
       Rekord für ein westliches Bundesland.
       
       Die Grünen verzeichnen leichte Verluste und kommen nun auf 7,9 Prozent.
       
       Die Freien Wähler, die 2021 erstmals in den Landtag eingezogen waren,
       fallen auf 4,2 Prozent und damit aus dem Parlament.
       
       Die Linkspartei verpasst wie auch schon in Baden-Württemberg den Einzug in
       den Landtag knapp. Sie kommt nur auf 4,4 Prozent – aber sie könnten
       eventuell zum Einzug in das Landesparlament reichen.
       
       Die FDP, die 2021 noch auf 5,5 Prozent kam und Teil der Landesregierung
       wurde, wird mit nur noch 2,1 Prozent in vielen Grafiken nur noch unter
       „Sonstige“ geführt. Hier kann man sie immerhin unter den Kleinparteien
       entdecken. Dort steht sie knapp vor dem BSW, das mit 1,9 Prozent
       bedeutungslos bleibt.
       
       Die Sitze
       
       Der neue Landtag sieht sich deutlich verändert. Die bisherige
       Ampelkoalition hat keine Mehrheit mehr, schon weil die FDP rausgeflogen
       ist. Statt sechs gibt es künftig nur noch vier Fraktionen. Die AfD konnte
       sich von 10 auf 25 Mandate mehr als verdoppeln.
       
       Die möglichen Koalitionen
       
       Der Koalitionsrechner zeigt, dass es praktisch nur eine Regierungsoption
       gibt: ein Bündnis aus den beiden großen Parteien CDU und SPD. Eine
       Koalition von einer der beiden mit den Grünen hätte jeweils keine Mehrheit.
       Die rechnerisch mögliche Zusammenarbeit mit der AfD haben beide klar
       ausgeschlossen.
       
       Die Wählerwanderung
       
       Die folgende Grafik beruht auf einer Analyse des Umfrageinstituts infratest
       dimap. Sie verdeutlicht die klare Niederlage der SPD. Sie hat breit an alle
       Konkurrentinnen verloren, in größtem Maße aber an die CDU, was
       wahlentscheidend war. Aber auch an die rechtsextreme AfD musste die SPD
       stark abgeben. Hier zeigt sich, dass die Sozialdemokraten vor allem bei
       ihrer Stammklientel, der Arbeiterschaft, nicht mehr gut ankommen.
       
       Mit einem Klick auf die einzelnen Parteien lassen sich die Wanderungen auch
       der anderen anzeigen. Dann sieht man etwa, dass auch die CDU in großem Stil
       an die AfD verloren hat. Hinzugewonnen hat sie vor allem von der SPD, aber
       auch von der FDP und den Freien Wählern.
       
       Die AfD ist der große Sieger der Wählerwanderung. Die Grafik zeigt sehr
       klar, dass sie vor allem bisherige Nichtwähler:innen begeistern konnte.
       Sie machen fast die Hälfte der Zugewinne aus. Auffällig ist, dass die
       Rechtsextremen auch von CDU und SPD Stimmen abziehen konnten.
       
       Die Grünen konnten offenbar nicht wirklich punkten. Sie haben an alle
       abgegeben und nur von den bisherigen Nichtwähler:innen leicht
       hinzugewonnen. Das könnten aber vor allem Erstwähler:innen gewesen
       sein.
       
       Die Kurven von FDP und Freien Wählern zeigen, dass ihre Wähler:innen im
       rechten Milieu verblieben sind. Beide haben in etwa gleichem Maße an CDU
       und AfD verloren.
       
       Die Wahlkreise
       
       Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse in den einzelnen Wahlkreisen. Sie
       lassen sich im Detail durch Klicks auf die Grafik anzeigen.
       
       Die CDU ist auch die große Gewinnerin bei den Wahlkreisen. Sie gewann 39
       Direktmandate, zwei mehr als ihr Abgeordnetensitze nach dem Ergebnis der
       Landesstimmen zustehen würden. Deshalb wird es im neuen Landtag zwei
       Überhang- und zwei Ausgleichsmandate geben.
       
       Die restlichen 13 Wahlkreise konnte die SPD gewinnen – teilweise sehr
       knapp. Im Wahlkreis Neuwied landete die SPD-Kandidatin Lana Horstmann mit
       29,1 Prozent hauchdünn vor ihrem Konkurrenten aus der CDU, der auf 28,9
       Prozent kam.
       
       Die AfD geht bei den Wahlkreisen leer aus – auch in Kaiserslautern, wo sie
       bei der Bundestagswahl stärkste Partei bei den Zweitstimmen geworden war.
       In Kaiserslautern I landete ihr Kandidat mit 26,0 Prozent nur auf Platz 2
       hinter dem SPD-Kandidaten, der auf 27,7 Prozent kam. Nur bei den
       Zweitstimmen ist die AfD dort erneut stärkste Kraft geworden, weil die
       SPD-Landesliste mit 25,5 Prozent schlechter abschnitt als ihr
       Direktkandidat.
       
       In Kaiserslautern II kam die AfD mit 25,1 Prozent sogar nur auf Platz 3,
       allerdings knapp hinter der CDU, die dort minimal vor der SPD lag.
       
       Die Hochburgen
       
       Anhand der folgenden Grafik kann man sehen, wo die einzelnen Parteien
       besonders gut beziehungsweise besonders schlecht abgeschnitten haben. Um
       die Parteien zu wechseln, genügt ein Klick links oben auf die Grafik.
       
       Die SPD hat eigentlich nur noch eine einzige echte Hochburg. Im Wahlkreis
       südliche Weinstraße kommt sie bei den Zweitstimmen noch klar über 30
       Prozent, ihr Direktkandidat bekam sogar 41,2 Prozent der Erststimmen – es
       ist der bisherige Ministerpräsident Alexander Schweizer. Auch das Ergebnis
       in seinem Wahlkreis zeigt also, dass er deutlich beliebter war als seine
       Partei.
       
       Die CDU ist wie anderorts auch in Rheinland-Pfalz vor allem auf dem Land
       stark. Ihre Hochburg hat sie im Wahlkreis Vulkaneifel, wo sie 46,5 Prozent
       bekam.
       
       Die AfD hat ihre Hochburgen rund um Kaiserslautern, wo sie in mehreren
       Wahlkreisen über 25 Prozent der Zweitstimmen holte. Am schwächsten ist sie
       in den ländlichen Gegenden im Nordwesten des Bundeslandes, wo die CDU
       besonders stark ist.
       
       Die Linkspartei ist eine Stadtpartei. Das zeigt die Hochburgenkarte mehr
       als deutlich. Im Wahlkreis Mainz I holt sie mit 16 Prozent ihr mit Abstand
       bestes Zweitstimmenergebnis. Auch in Koblenz, Trier, Ludwigshafen und
       Kaiserslautern ist sie mit 7 bis 10 Prozent stark. Überall sonst aber
       nicht.
       
       Ähnlich sieht es auch bei den Grünen aus. Sie kommen in Mainz I sogar auf
       22,8 Prozent der Zweitstimmen. Dort landete ihre Direktkandidatin nur 1
       Prozentpunkt hinter dem Wahlkreissieger von der SPD. In Trier und Koblenz
       waren es 13 Prozent. In der Fläche grünt es aber deutlich weniger.
       
       Die FDP hat gar keine Hochburg mehr, sie kam nirgendwo über 2,8 Prozent der
       Zweitstimmen.
       
       Der Umfrageverlauf
       
       Der Verlauf der Umfragen hatte gezeigt, dass die CDU schon seit Längerem in
       der Wählergunst vorne lag. Allerdings hatte die SPD zuletzt wieder
       aufgeholt, es sah nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Das hat sich am
       Wahlabend nicht bestätigt.
       
       Die Beliebtheit der Kandidaten
       
       Ministerpräsident Alexander Schweitzer war laut Umfragen deutlich beliebter
       als sein Herausforderer von der CDU. Er schnitt auch deutlich besser ab als
       seine SPD. Die Frage nach einer Direktwahl ist zwar hypothetisch, weil es
       die in den Bundesländern nicht gibt. Aber in Baden-Württemberg hatte sie
       letztlich gezeigt, wie es dort zum Wahlumschwung kam. Das war in
       Rheinland-Pfalz jetzt anders.
       
       23 Mar 2026
       
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