# taz.de -- Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz: Wahlkampf um die Schulen
> Bildung ist vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein zentrales Thema.
> Wie umkämpft die Schulen sind, zeigt die Debatte um die Sprachförderung.
(IMG) Bild: Barbara Mächtle, Schulleiterin der Gräfenau-Grundschule, setzt sich für Schüler*innen ein
Will man in Rheinland-Pfalz über Schulen sprechen, kommt man an der
[1][Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen] kaum vorbei. Bundesweite
Aufmerksamkeit erhielt die Schule, als Rektorin [2][Barbara Mächtle im
Oktober 2025 bei „Markus Lanz“ zu Gast war]. Dort berichtete sie, dass im
Jahr zuvor jedes vierte Kind an ihrer Schule die erste Klasse wiederholte.
Es fehlten grundlegende Voraussetzungen für die nächste Klasse. Für Mächtle
ist das nicht neu, das sei auch schon in den Jahren zuvor so gewesen. „Die
Zahlen werden nur sehr ungern veröffentlicht“, sagte sie bei „Lanz[3][“].
Vor den Landtagswahlen am 22. März ist Bildungspolitik eines der
wichtigsten Themen in dem Bundesland, das von einer Ampelkoalition unter
SPD-Ministerpräsident [4][Alexander Schweitzer] regiert wird. Die Liste der
Probleme ist lang: marode Schulen, zu wenig Personal, Brandbriefe von
Lehrkräften. Das weiß auch die Opposition.
CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder stellt der SPD die Note „mangelhaft“
aus. Seit 35 Jahren halten die Sozialdemokraten in Rheinland-Pfalz das
Bildungsministerium. Seit 2021 regieren sie in der Ampelkoalition mit FDP
und Grünen. In Umfragen trauen aktuell mehr Menschen der CDU eine gute
Schul- und Bildungspolitik zu.
Chancengleichheit und Aufstiegschancen durch Bildung – das sind eigentlich
SPD-Themen. Bildungsminister Sven Teuber räumt im Gespräch mit der taz ein,
dass nicht alles perfekt laufe, betont aber, dass der jahrzehntelange
Schwerpunkt seiner Partei auf Chancengerechtigkeit aber Wirkung zeige.
## Gemischtes Bild
Christiane Herz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht
dennoch Versäumnisse, insbesondere in sozialen Brennpunkten wie im Umfeld
der Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen. In ihrem Einzugsgebiet ist die
Arbeitslosenquote fast doppelt so hoch wie im Rest des Landes, viele
Familien haben eine Migrationsgeschichte. Dort gebe es „nicht genügend
Kitaplätze und zu wenige Förderangebote“. Auch wenn der Fall Gräfenau
teilweise populistisch verwendet werde, sei die Grundschule in Ludwigshafen
jedoch nicht repräsentativ für ganz Rheinland-Pfalz.
Offizielle Zahlen, wie viele Kinder in Rheinland-Pfalz Förderbedarf haben,
gibt es nicht. Die verfügbaren Daten über das Bildungssystem ergeben ein
gemischtes Bild. Einerseits erreichen laut der [5][IQB-Studie 2024]
mittlerweile 37 Prozent der Schüler*innen in Rheinland-Pfalz nicht mehr
den Mindeststandard für die mittlere Reife – das sind mehr, als im
Bundesschnitt, der bei 34 Prozent liegt. Andererseits zeigt eine
[6][Untersuchung des Münchner ifo-Instituts,] dass in Rheinland-Pfalz der
Hintergrund der Eltern eine geringere Rolle beim Bildungserfolg spielt als
beispielsweise in Bayern oder Sachsen.
Es gibt aber nicht nur Kritik aus der Opposition, sondern auch aus
SPD-Reihen. 2023 warf die ehemalige Ludwigshafener Oberbürgermeisterin
Jutta Steinruck der damaligen [7][Landesbildungsministerin Stefanie Hubig]
(beide SPD) vor, sie habe bei der Sprachförderung und der Ausstattung von
Schulen in „Brennpunktgebieten“ versagt – wieder ging es um die
Gräfenau-Grundschule. Steinruck trat deshalb aus der SPD aus, mittlerweile
ist sie aber wieder Mitglied.
Nachdem Hubig nach Berlin ins Justizministerium gewechselt war, erklärte
Ministerpräsident Alexander Schweitzer Bildungspolitik zur „Chefsache“ und
setzte den Gymnasiallehrer Teuber (SPD) als Bildungsminister ein. Er soll
eine bessere Verbindung zu Bildungsverbänden und den Schulen aufbauen.
## Probleme zeigen sich schon in der Kita
Fragt man Barbara Mächtle, ob sie von der „Chefsache“ etwas bemerke, dann
sagt sie: „Wir haben, was wir benötigen.“ Für die Sprachförderung sei die
Schule gut aufgestellt, sie könne jedes Kind fördern, das Förderung
benötigt. Zum Beispiel durch das Programm „First Class“, das den
Lehrkräften für den Deutschunterricht ein*e Lehramtsstudent*in an die
Seite stellt. Aktuell wird das Programm an rund 60 Grund- und Realschulen
umgesetzt. Mächtle kritisiert aber, dass das Programm erst greift, wenn die
Kinder bereits in der Schule sind. Das eigentliche Problem beginne deutlich
früher, schon in den Kitas.
Das ist auch den Parteien bekannt. Wie genau Kinder ab den Kitas gefördert
werden sollen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Seit Januar testet
das Bildungsministerium die Sprachkenntnisse von Kindern im Alter von
viereinhalb Jahren an über 350 Kitas „in herausfordernder Lage“. Auf der
Grundlage soll dann ein*e Sprachbeauftragte*r die Kinder fördern. Ein
ähnliches Konzept will die CDU, allerdings ab sofort für alle Kitas.
Außerdem solle es ein verpflichtendes Kitajahr geben. Das fordert auch die
Rektorin Barbara Mächtle. Die SPD verweist darauf, dass eine Kitapflicht
nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei.
Prinzipiell fordern sowohl SPD, Grüne als auch CDU verbindliche
Sprachtests. Wie es danach in den Schulen weitergehen soll, ist aber
umstritten: Die CDU will, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf in
Intensivklassen unterrichtet werden. Zugewanderte Kinder und Jugendliche
würden dann vorübergehend separat beschult, damit sie intensiv Deutsch
lernen können. Erst danach sollen sie in reguläre Klassen kommen, so die
CDU. Die Grünen sehen das anders: Sie fordern, dass Kinder wie bislang in
Rheinland-Pfalz sofort in den Unterricht integriert werden, sagt die
Fraktionsvorsitzende Pia Schellhammer der taz.
## Nötig wäre: mehr Personal, kleinere Klassen
Was alle Forderungen gemeinsam haben: Für die Umsetzung braucht es mehr
Personal an Schulen und Kitas sowie kleinere Klassen. Das aktuelle
Bildungsministerium verweist darauf, dass 2026 fast zwölf Millionen Euro
Sozialarbeit an Schulen unterstützen. Gewerkschafterin Christiane Herz
reicht das nicht. Schulsozialarbeit müsse an jeder Schule die Regel sein
und dürfe nicht von den Kommunalfinanzen abhängig sein. Bei den Ausgaben
pro Schüler*in belegt Rheinland-Pfalz bundesweit den vorletzten Platz.
Die Finanzierung all der Bildungsversprechen ist jedoch nicht die einzige
Herausforderung für die kommende Landesregierung. Zum ersten Mal seit 35
Jahren könnte die CDU Teil einer Regierung in Rheinland-Pfalz werden. Ein
Blick auf die Wahlprogramme zeigt, dass eine Koalition aus SPD und CDU ihre
Differenzen hätte, insbesondere in der Bildungspolitik.
Vor allem die Vorstellungen über das Schulsystem gehen auseinander. Während
die SPD, so wie die Grünen, weiter die Gesamtschulen fördern und ausbauen
will, plant die CDU eine Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem. Trotz
allem kann sich Bildungsminister Teuber auch mit der CDU eine gute
Zusammenarbeit vorstellen: Er beobachte, dass die CDU heute Positionen
annehme, die sie jahrelang bekämpft habe – etwa die Beitragsfreiheit in
Kitas. „Ich sehe daran, dass die CDU sich mit der Bildungspolitik, die wie
hier im Land machen, auch stark identifizieren kann.“
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/graefenauschule-ludwigshafen-35-kinder-sitzenbleiben-brennpunktschule-100.html
(DIR) [2] https://www.zdf.de/video/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-21-oktober-2025-100
(DIR) [3] https://www.zdf.de/video/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-21-oktober-2025-100
(DIR) [4] /Neuer-Ministerpraesident-Schweitzer/!6019524
(DIR) [5] https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/sekundarstufe-i/bildungstrend/2024/
(DIR) [6] https://www.ifo.de/publikationen/2024/aufsatz-zeitschrift/ungleiche-bildungschancen-ein-blick-die-bundeslaender
(DIR) [7] /KMK-Praesidentin-ueber-das-Bildungssystem/!5652496
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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