# taz.de -- Klöckners Kurzbesuch in Gaza: Mit beschränkter Perspektive
> Die Bundestagspräsidentin bekommt von der israelischen Armee einen
> kleinen Ausschnitt von Gaza präsentiert. Die palästinensische Perspektive
> fehlte.
(IMG) Bild: Was sieht sie? Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag auf Kurzbesuch in Gaza
Zum Abschluss ihres Israel-Besuchs ist Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
(CDU) am Donnerstag eine politisch und diplomatisch umstrittene
Überraschung gelungen: Als erste europäische Spitzenpolitikerin seit dem
Hamas-Überfall auf Israel vor knapp zweieinhalb Jahren besuchte sie im
Rahmen ihrer Israel-Reise den israelisch kontrollierten Teil des
Gazastreifens – unter Ausschluss der Presse und geführt von der
israelischen Armee. Über den Besuch war im Vorfeld spekuliert worden.
Diplomaten sollen abgeraten haben, hieß es laut Medienberichten.
Klöckner begrüßte, dass Israel damit erstmals einer parlamentarischen
Beobachterin Zugang gewährt habe, wenngleich sie bei dem rund einstündigen
Besuch kaum Neues gesehen haben dürfte. Die israelische Armee organisiert
solche „Embeds“ in begrenztem Ausmaß und für ausgewählte Medien regelmäßig.
Zahlreiche internationale Journalisten haben nach ähnlichen Besuchen
bemängelt, lediglich ein sorgfältig von Israels Armee orchestriertes Bild
präsentiert bekommen zu haben. Ihr sei bewusst, dass sie nur einen kleinen
Teil der Realität zu sehen bekomme, sagte die CDU-Politikerin.
Entsprechend kritisch wurde Klöckners Gaza-Stippvisite dann auch
kommentiert: Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis
Ahmetovic, kritisierte, dass Klöckner die palästinensische Perspektive
nicht gehört habe. Das sende ein „eklatantes Signal“. Auch die
Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner sagte, Klöckner müsse sich den
Vorwurf gefallen lassen, „die Wirklichkeit in dieser Region nur einseitig
wahrnehmen zu wollen“. Die Linken-Außenpolitikerin Lea Reisner sagte, so
verleihe man „einer rechtsradikalen Regierung Legitimität“.
## Beschränkt auf die „Gelbe Zone“
Die Fahrt beschränkte sich auf die sogenannte „Gelbe Zone“, die etwas mehr
als die Hälfte des Küstenstreifens umfasst und von israelischen Soldaten
kontrolliert wird. Die meisten der rund zwei Millionen palästinensischen
Bewohner mussten dieses Gebiet verlassen. Systematisch wurden dort seitdem
Tausende Gebäude zerstört. Entlang der gelben Trennlinie zum bewohnten Teil
des Gazastreifens werden immer wieder Menschen, darunter auch Kinder,
erschossen. Seit dem Beginn der brüchigen Waffenruhe im Oktober 2025 wurden
bei israelischen Angriffen mehr als 500 Palästinenser getötet.
Dennoch verwehrt die israelische Regierung weiterhin den unabhängigen
Zugang für internationale Medien. Die CDU-Politikerin appellierte an die
israelische Führung, den Weg der Öffnung weiterzugehen. „Transparente
Lagebilder stärken Vertrauen“, sagte sie.
Doch die israelische Führung ließ nicht nur keine Presse während Klöckners
Besuch zu, sie macht auch sonst bisher keine Anstalten, internationale
Journalisten in naher Zukunft wieder regulär als unabhängige
Pressevertreter nach Gaza einreisen zu lassen. Erst im Januar hatte ein
Regierungssprecher vor dem Obersten Gericht erklärt, Journalisten könnten
die israelischen Soldaten gefährden, ohne dieses Risiko öffentlich
auszuführen. Das Gericht vertagte daraufhin eine Entscheidung über eine
Petition des Verbands der Auslandspresse (FPA) erneut.
## Wo bleibt die palästinensische Perspektive?
Dass Klöckner mehr als eine „parlamentarische Beobachterin“ ist, hat sie
selbst während ihres insgesamt dreitägigen Besuchs in der Region mehrfach
klargestellt. Sie komme vor allem als „Freundin Israels“, das schließe eine
„kritische Begleitung nicht aus“. Die aber, so bemängeln Kritiker, hätte
auch Treffen mit Vertretern der palästinensischen Seite erfordert, die
nicht auf dem Programm standen. Auch [1][ein Besuch im Westjordanland],
über das die israelische Regierung entgegen ihrer völkerrechtlichen
Verpflichtungen künftig die Kontrolle deutlich ausweiten will, war nicht
geplant.
Noch immer kommen laut Hilfsorganisationen zu wenig Hilfsgüter nach Gaza.
[2][Israel verlangt zudem von mehreren internationalen NGOs wie „Ärzte ohne
Grenzen“, bis Ende Februar ihre Arbeit einzustellen]. Jenseits der „Gelben
Linie“ kontrolliert die radikalislamische Hamas weiterhin einen Großteil
des Gebietes und zeigt bisher keine Bereitschaft, ihre Waffen abzugeben.
Mitunter kommt es zu Angriffen auf israelische Soldaten. Klöckner sprach
sich für weitere Schritte im Friedensprozess aus und forderte, die
temporäre Demarkationslinie dürfe nicht „zu einer dauerhaften Barriere
werden“.
12 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Siedler-im-Westjordanland/!6111420
(DIR) [2] /NGOs-im-Gazastreifen/!6148130
## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Nahost-Debatten
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Julia Klöckner
(DIR) Gaza-Krieg
(DIR) Israel
(DIR) Gaza
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Sydney
(DIR) Israel
(DIR) Bundestag
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Terroranschlag am Bondi Beach: Attacke auf jüdisches Leben
Amokläufer erschießen mindestens zwölf Menschen während des jüdischen
Chanukka-Fests. Premierminister Albanese spricht von antisemitischem
Terror.
(DIR) +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Gespräche über Friedensplan gehen in zweite Runde
Am zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel wird in Ägypten weiter
über eine Ende des Krieges verhandelt. Trump zeigt sich zuversichtlich.
(DIR) Eklat wegen Palästina-Shirt im Bundestag: Schockiert doch mal!
Die Bundestagspräsidentin schmeißt eine Linken-Abgeordnete raus – und
unsere Autorin könnte nicht gelangweilter sein. Sie hat einen anderen
Vorschlag.