# taz.de -- Tarifstreit im öffentlichen Dienst: Arbeitgeber wollen Streikrecht beschränken
> Aktuell beeinträchtigen Warnstreiks in mehreren Bundesländern das
> öffentliche Leben. Arbeitgeberverbände fordern nun, Warnstreiks zeitlich
> begrenzen.
(IMG) Bild: Warnstreik der Gewerkschaften in Düsseldorf am 10. Februar 2026
dpa | Die Arbeitgeberverbände sprechen sich dafür aus, [1][Warnstreiks]
zeitlich klar zu begrenzen. Diese müssten wieder zu „kurzen, begrenzten und
ausnahmsweise“ eingesetzten Maßnahmen werden, sagte Steffen Kampeter,
Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände, der Deutschen Presse-Agentur. „Niemand möchte das
Streikrecht beschneiden, aber der Arbeitskampf benötigt dringend
verbindliche Spielregeln, um Verlässlichkeit und Berechenbarkeit im
Tarifgeschehen zu gewährleisten.“
Deutschland brauche dringend klare Regelungen beim Arbeitskampf, sagte
Kampeter. „Wir werben daher für eine Gesetzesinitiative, die zentrale
Fragen des Arbeitskampfs eindeutig regelt.“ Kampeter hatte bereits der
Bild-Zeitung gesagt, Deutschland brauche dringend ein Gesetz für
Fairnessregeln bei Streiks.
Derzeit beeinträchtigen Warnstreiks das öffentliche Leben [2][in mehreren
Bundesländern]. Der Grund: Die Gewerkschaften verhandeln mit der
Tarifgemeinschaft deutscher Länder, einem Arbeitgeberverband, über einen
neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder. Die
Verhandlungen betreffen zunächst die Tarifbeschäftigten – das sind Arbeiter
und Angestellte ohne Beamtenstatus.
## Einschränkungen von Berlin bis Bayern
In Berlin kam es aufgrund eines Warnstreiks im öffentlichen Dienst an
diesem Mittwoch zu Einschränkungen oder auch kompletten Schließungen in
Kitas, Schulen und Bezirksämtern. Aufgerufen dazu hatte die Gewerkschaft
Verdi. Betroffen waren Eltern von Kindern in den knapp 250 landeseigenen
Kitas in Berlin sowie an staatlichen Schulen, an denen angestellte Lehrer
und Referendare in den Ausstand traten. Auch in manchen Bürgerämtern gab es
Einschränkungen beim Service.
In Hamburg und in Schleswig-Holstein mussten zahlreiche Bus-Kunden am
Mittwoch auf andere Verkehrsmittel ausweichen, weil die Gewerkschaft Verdi
die Busfahrer bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein zu einem
24-stündigen Warnstreik aufgerufen hatte. In Hamburg demonstrierten
außerdem rund 4.500 Landesbeschäftigte für höhere Entgelte. Die
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Beamtenbund (dbb) hatten dazu
aufgerufen.
Auch in Bayern wird gestreikt. Der FC Bayern München hat seine Fans deshalb
aufgefordert, wegen des Streiks im öffentlichen Nahverkehr ihre Anreise zum
Pokalspiel am Abend gegen RB Leipzig gut zu planen und früh zum Stadion zu
kommen.
## Verdi will mindestens 300 Euro mehr
In Nordrhein-Westfalen kündigt die Gewerkschaft Verdi für die kommenden
Wochen bereits neue Warnstreiks in Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt
(Awo) wie Kitas und der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen an. „Ab
nächster Woche geht es weiter“, sagte die Verdi-Verhandlungsführerin
Susanne Hille der dpa. Geplant sei aber auch ein landesweiter Warnstreik
bei der Awo NRW vor der dritten Verhandlungsrunde am 4. März.
Die Termine für die nächsten Warnstreiks will Verdi jeweils noch bekannt
geben. Die zweite Verhandlungsrunde blieb am Dienstag ohne Ergebnis. Verdi
kritisierte, dass die Arbeitgeber erneut kein Angebot vorgelegt haben.
In den Tarifverhandlungen mit den Ländern fordert Verdi 7 Prozent mehr Geld
im Monat, zur Stärkung unterer Lohngruppen aber mindestens ein Plus von 300
Euro. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es ausgeweitete Warnstreiks
in etlichen Bundesländern gegeben, auch an Schulen vor allem in
Ostdeutschland. Die Gewerkschaften wollen zum Auftakt der dritten
Verhandlungsrunde in Potsdam den Druck verstärken. In den zwei vorherigen
Verhandlungsrunden hatten die Arbeitgeber kein konkretes Angebot gemacht.
Betroffen von den Verhandlungen sind rund 2,2 Millionen Beschäftigte. Für
mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte wird direkt verhandelt. Auf rund 1,3
Millionen Beamtinnen und Beamten und Versorgungsempfänger soll ein Ergebnis
nach den Forderungen der Gewerkschaften später in den einzelnen Ländern per
Gesetz übertragen werden. „Wir erwarten endlich ein Angebot, das der
Bedeutung der Arbeit im öffentlichen Dienst gerecht wird“, erklärte
Verdi-Landesbezirksleiterin Andrea Kühnemann.
11 Feb 2026
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