# taz.de -- Nach Angriff auf Zugbegleiter: Bahn-Betriebsräte fordern mehr Zugpersonal und Bodycams
       
       > Für Freitag lädt die Deutsche Bahn zu einem „Sicherheitsgipfel“ ein. Der
       > wegen Totschlags Verdächtige soll am Tattag schon früher aufgefallen
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Trauer um den Kollegen: Bahn-Mitarbeiter und Bundespolizisten gedenken in Frankfurt des nach einem Angriff verstorbenen Zugbegleiters
       
       afp / dpa | Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in
       Rheinland-Pfalz haben Bahn-Betriebsräte Konsequenzen gefordert. In einem
       Offenen Brief der Gesamtbetriebsräte der Bahn-Tochter DB Fernverkehr an
       [1][Konzernchefin Evelyn Palla] und den Konzernvorstand, über den am
       Dienstag zuerst die Süddeutsche Zeitung berichtete, fordern sie
       insbesondere „verbindliche Mindestbesetzungen“ in Zügen.
       
       Für Freitag ist ein „Sicherheitsgipfel“ zu dem Thema in Berlin geplant, an
       dem auch [2][Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder] (CDU) teilnehmen
       will. Er war einberufen worden, nachdem ein 36-jähriger Zugbegleiter vor
       einer Woche in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem [3][Mann
       ohne gültiges Ticket] mit Schlägen attackiert worden war. Der
       Bahnmitarbeiter Serkan Çalar verlor das Bewusstsein und starb später in
       einer Klinik. Der mutmaßliche Täter, ein 26 Jahre alter griechischer
       Fahrgast, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken
       ermittelt gegen ihn wegen Totschlags.
       
       Laut einem Spiegel-Bericht ist der mutmaßliche Täter wenige Stunden vor dem
       tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter schon einmal auffällig geworden.
       Bundespolizisten hätten ihn um 11.50 Uhr in Kaiserslautern aus einem aus
       Frankreich kommenden TGV geholt, weil er im Zug gegen eine Tür getreten
       habe, berichtet das Magazin. Zugbegleiter hatten demnach daraufhin die
       Behörden alarmiert. Da die Tür unbeschädigt geblieben sei und der Mann über
       ein Ticket verfügt habe, habe der Vorgang für ihn jedoch offensichtlich
       keine strafrechtlichen Folgen gehabt.
       
       ## Das Personal in Zügen wurde reduziert
       
       „Dieser Vorfall ist kein isoliertes, unvorhersehbares Einzelereignis.
       Übergriffe, Bedrohungen und Gewalt gegen Beschäftigte im Zugbegleitdienst
       sind seit Jahren bekannt“, heißt es dazu in dem Brief der Betriebsräte.
       Auch der Bahn-Vorstand habe Sicherheitsprobleme wiederholt thematisiert.
       Gebessert habe sich jedoch nichts, wird in dem Schreiben kritisiert.
       
       Die Betriebsräte wenden sich vor allem gegen das bereits 2024 vom
       [4][Bahnvorstand] vorgestellte Konzept, wonach im Regelfall nur noch zwei
       Personen für einen ICE zuständig sind – ein Zugchef oder -chefin und ein
       Zugbegleiter oder -begleiterin (1:1). Früher habe es hier drei bis fünf
       Mitarbeitende gegeben. Das ist nur eine von vielen [5][Sparmaßnahmen der
       Deutschen Bahn] in den vergangenen Jahren.
       
       „An einzelnen Tagen kommt es sogar zu 1:0-Besetzungen, bei denen
       Beschäftigte faktisch allein für Betrieb, Service, Kontrolle und den Umgang
       mit Konfliktsituationen verantwortlich sind“, heißt es nun in dem
       Schreiben. „Diese Formen faktischer Alleinarbeit sind angesichts der
       bekannten Gewaltlage nicht hinnehmbar“, dringen die Betriebsräte auf
       Änderungen.
       
       ## Bodycams „flächendeckend“ und rund um die Uhr
       
       Solche Einzelbesetzungen müssten generell ausgeschlossen werden, verlangen
       die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner. Diese bedeuteten eine
       „unzulässige Gefährdung von Leben und Gesundheit“ der Betroffenen.
       Notwendig seien in Fernzügen mindestens ein Zugchef oder -chefin sowie zwei
       Zugbegleiter oder -begleiterinnen. Ferner müsse die Präsenz von
       Sicherheitskräften deutlich erhöht werden. Außerdem sollten Bodycams
       „flächendeckend und zu jeder Zeit“ zur Verfügung gestellt sowie eine
       datenschutzkonforme Kameraüberwachung in den Zügen umgesetzt werden.
       
       Die Forderungen seien „natürlich nachvollziehbar“, erklärte dazu ein
       Sprecher der Bahn-Gewerkschaft GDL auf AFP-Anfrage. „Wir verstehen und
       unterstützen die Betriebsräte natürlich in ihrem Anliegen und der
       Dringlichkeit“, fügte er hinzu. Der Sprecher wies aber darauf hin, es
       handele sich um eine Initiative der beteiligten Betriebsräte, nicht der
       GDL-Spitze.
       
       Im Fernverkehr ist die Deutsche Bahn für das Besetzungskonzept ihrer Züge
       verantwortlich. Im Regionalverkehr wird dies dagegen durch die Länder oder
       deren Aufgabenträger festgelegt – meistens sind das die regionalen
       Verkehrsverbünde.
       
       11 Feb 2026
       
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