# taz.de -- Nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter: Sicherheitsgipfel der Bahn
       
       > Bahn, Bund und Länder beraten über Sicherheit in Zügen. Gewerkschaften
       > wollen Ticket-Kontrollen nur noch zu zweit. Bahnchefin Palla verspricht
       > mehr Bodycams.
       
 (IMG) Bild: Neue Konzepte für Sicherheit werden beim Bahngipfel gesucht
       
       ## Bahn sagt mehr Bodycams zu
       
       Bahnchefin Evelyn Palla will noch in diesem Jahr alle Bahnbeschäftigten mit
       Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger
       Basis mit Bodycams ausstatten. Das ist eine der Sofortmaßnahmen zum Schutz
       der Bahnbeschäftigten, die Palla auf einem von ihr einberufenen
       Sicherheitsgipfel in Berlin gemacht hat, wie die Deutsche Presse-Agentur
       aus Teilnehmerkreisen erfuhr.
       
       ## Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff
       
       Der [1][tödliche Angriff auf einen 36 Jahre alten Zugbegleiter] in
       Rheinland-Pfalz hat das Thema Sicherheit im Bahnverkehr auf tragische Weise
       in den Fokus gerückt. An diesem Freitag treffen sich deshalb Vertreter von
       Bund und Ländern mit Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für
       den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).
       
       Es soll um neue Konzepte gehen, um die Sicherheit insbesondere für
       diejenigen Beschäftigten zu erhöhen, die täglich als Zugbegleiter oder
       Service-Mitarbeiter mit den Reisenden zu tun haben. Bahnchefin Evelyn Palla
       hat bereits angekündigt, konkrete Vorschläge mitzubringen. „Alle
       Beteiligten sollten in sich gehen: Was könnte ein konkreter Beitrag für
       mehr Sicherheit sein?“, sagte sie laut Bahn in einer Videoschalte vor
       Tausenden Beschäftigten.
       
       Besonders die Bahn-Gewerkschaften EVG und GDL sind alarmiert und fordern
       schon lange konkrete Maßnahmen für mehr Schutz der Beschäftigten. Die
       Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt vor allem darauf, dass
       künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets
       kontrollieren statt wie bisher oft nur einer.
       
       Die Betriebsräte der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatten
       kürzlich in einem offenen Brief an die Bahnchefin die gleiche Forderung
       gestellt. „Bei Zügen ab neun Wagen ist aus Gründen der Sicherheit, der
       Erreichbarkeit und der gegenseitigen Unterstützung mindestens eine
       1:2-Besetzung – ein Zugchef und zwei Zugbegleiter – zwingend erforderlich“,
       heißt es darin.
       
       ## Tödlicher Angriff löste bundesweit Entsetzen aus
       
       Der Fall Serkan C. löste vergangene Woche bundesweit Entsetzen aus. Weil er
       einen Fahrgast ohne Ticket in einer Regionalbahn bei Kaiserslautern des
       Zuges verweisen wollte, schlug der Fahrgast zu. Der Zugbegleiter, Vater von
       zwei Kindern, erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass er starb. Der
       mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt in
       Untersuchungshaft.
       
       Den Angaben der Bahn zufolge kam es 2025 zu insgesamt rund 3.000
       körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war
       zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Doch das
       Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft habe sich deutlich
       verschlechtert, betont die EVG und verweist auf eine eigene Umfrage unter
       rund 4.000 Mitarbeitenden aus dem vergangenen Jahr.
       
       Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben dabei an, schon einmal einen
       verbalen oder körperlichen Übergriff im Arbeitskontext erlebt zu haben.
       Fast zehn Prozent berichteten davon, sexuell belästigt worden zu sein.
       Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, ihr Sicherheitsempfinden habe
       sich in den vergangenen fünf Jahren teils deutlich verschlechtert.
       
       Die EVG fordert deshalb weiterhin, dass die Beschäftigten überall die
       Möglichkeit bekommen, sogenannte Bodycams zu tragen, die auch den Ton
       mitschneiden können. Dies sei insbesondere wichtig, um verbale Übergriffe
       zu dokumentieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen zu
       können.
       
       Bodycams stehen im Regionalverkehr der Deutschen Bahn bereits allen
       Mitarbeitenden zur Verfügung, die eine tragen möchten. Im Fernverkehr und
       an den Bahnhöfen ist das noch nicht flächendeckend der Fall und auch nicht
       bei den Wettbewerbsbahnen der DB.
       
       ## Bundesweite Regelungen schwierig zu verhandeln
       
       Die Sicherheit im Bahnverkehr ist ein komplexes Unterfangen. Im Fernverkehr
       soll die Bundespolizei in den Zügen unterstützen. Polizeigewerkschaften
       sehen hier das Maß an Belastung aber bereits überschritten.
       
       Im Regionalverkehr wiederum sind die sogenannten Aufgabenträger und die
       jeweiligen Verkehrsunternehmen für das Thema Sicherheit verantwortlich. In
       den Ausschreibungen wird manchmal auch festgelegt, mit welcher
       Personalstärke die Züge unterwegs sein sollen. Die regionalen Unterschiede
       sind dabei allerdings groß.
       
       ## Wer trägt die Kosten?
       
       In der Diskussion um zusätzliche Zugbegleiter dürfte zudem schnell die
       Frage der Finanzierung aufkommen. Eine ausnahmslose Doppelbesetzung könnte
       Schätzungen zufolge Hunderte Millionen Euro zusätzlich kosten.
       „Flächendeckende Präsenz von Sicherheitspersonal in allen Fahrzeugen und in
       allen Bahnhöfen ist schon aus finanziellen und personellen
       Kapazitätsgründen genauso wenig umsetzbar wie ein Polizist an jeder
       Straßenecke“, heißt es deshalb in einem Positionspapier des Verbands
       Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).Für die Grünen verlangte der
       Bahnexperte Matthias Gastel zusätzliches Geld für mehr Zugpersonal. Bund
       und Länder müssten sich auf eine Verteilung der Finanzierung einigen, sagte
       er der Augsburger Allgemeinen. In den Ausschreibungen für den
       Regionalverkehr müssten „die Besteller vorgeben, wie viele Zugbegleiter in
       welchen Zügen vorzusehen sind“.
       
       Angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit ist der Druck auf die
       Beteiligten groß, bei dem Treffen am Freitag möglichst konkrete Lösungen zu
       präsentieren und rasch umzusetzen. Außer Bahnchefin Palla hat sich auch
       Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) angekündigt. (dpa)
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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