# taz.de -- Südkaukasus und der Krieg gegen Iran: Angriffe auf Nachitschewan
> In der Autonomen Republik Nachitschewan, die zu Aserbaidschan gehört,
> schlagen Drohnen ein. Baku droht Teheran mit Vergeltung. Iran beschuldigt
> Israel.
Der Krieg der USA und Israels gegen Iran zieht weitere Kreise und noch mehr
Staaten in Mitleidenschaft. Am Donnerstag schlugen mehrere iranische
Drohnen in der Autonomen Republik Nachitschewan ein. Das Gebiet mit einer
Fläche von 5.500 Quadratkilometern und damit doppelt so groß wie Luxemburg
ist eine Exklave, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört.
Angaben des aserbaidschanischen Außenministeriums zufolge sei der Flughafen
der Stadt Nachitschewan getroffen worden, eine andere Drohne sei in der
Nähe einer Schule in dem Dorf Schekerabad eingeschlagen. Laut eines
leitenden Arztes des Krankenhauses in Nachitschewan, den örtliche Medien
zitieren, seien vier Personen verletzt worden. Ihr Zustand sei stabil. Ein
Flugzeug, das auf dem Weg von Baku nach Nachitschewan war, kehrte umgehend
in die aserbaidschanische Hauptstadt zurück.
Die Regiertung in Baku verurteilte die Drohnenangriffe und bestellte den
iranischen Botschafter ein. An Teheran erging die Aufforderung, sich zu
erklären und „notwendige dringende Maßnahmen zu ergreifen, um ein
Wiederauftreten solcher Vorfälle in Zukunft zu verhindern“.
Gleichzeitig drohte Baku Iran mit Gegenmaßnahmen. Diese würden ergriffen,
um „die territoriale Integrität und Souveränität des Landes zu schützen und
die Sicherheit der Zivilbevölkerung und der zivilen Infrastruktur zu
gewährleisten“, heißt es in einer Stellungnahme des
Verteidigungsministeriums. Die Angriffe würden nicht unbeantwortet bleiben.
## Streitkräfte in Kampfbereitschaft
Bereits am 3. März hatte Aserbaidschan seine Streitkräfte und
Sicherheitsbehörden in Kampfbereitschaft versetzt und Verstärkungstruppen
sowie Ausrüstung an die Grenze zum Iran verlegt. Zudem stationierte Baku
spezialisierte Drohnenabwehreinheiten und Luftverteidigungssysteme zur
Abwehr von Bedrohungen aus niedriger Flughöhe entlang der iranischen
Grenze.
Unter Berufung auf den Generalstab der iranischen Streitkräfte dementierte
die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tansim eine Beteiligung Irans an den
Angriffen auf Nachitschewan. Stattdessen wurde Israel beschuldigt, die
Luftschläge durchgeführt zu haben.
„Solche Aktionen des illegitimen zionistischen Regimes, die darauf
abzielen, die Beziehungen zwischen muslimischen Ländern mit verschiedenen
Mitteln zu untergraben, sind gut dokumentiert. Untersuchungen zufolge
wurden diese Aktionen mit dem Ziel durchgeführt, die Islamische Republik
Iran zu beschuldigen“, schreibt Tansim.
Die Beziehung zwischen den Staaten in der Region ist sehr komplex. I[1][m
Norden Irans leben schätzungsweise zwischen 12 und 22 Millionen ethnische
Aserbaidschaner*innen – mit 15 Prozent der Gesamtbevölkerung die
größte Minderheit des Landes]. Seit jeher werden sie von dem Regime
argwöhnisch beäugt, da Teheran einen wachsenden Separatismus befürchtet.
## Gute Beziehungen zu Israel
Gleichzeitig unterhält Baku gute Beziehungen zu Israel. Aserbaidschan ist
Hauptlieferant für Öl, Israel versorgt die Südkaususrepublik mit Waffen und
militärischer Ausrüstung. Das war auch im aserbaidschnisch-armenischen
Konflikt um die Region Bergkarabach 2023 der Fall. Seit dem Ende dieser
Militäroffensive ist die einst überwiegend armenisch bewohnte Region
Bergkarabach wieder vollständig unter der Kontrolle Bakus.
Armenien und Iran sind eng miteinander verbunden. Wirtschaftschaftlich ist
der Grenzübergang für Jerewan von großer Bedeutung. Gleichzeitig könnten
dort angesichts einer Eskalation neue Ängste aufkommen. [2][Einerseits
könnte sich Armenien mit einer wachsenden Anzahl iranischer Flüchtlinge
konfrontiert sehen]. Andererseit könnten Fortschritte im Friedensprozess
zwischen Armenien und Aserbaidschan gefährdet werden.
5 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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