# taz.de -- Labour-Krise in Großbritannien: Der Ex-Starmer-Sprecher mit dem dubiosen Freund
       
       > Neue Nöte für Keir Starmer: Sein einstiger Sprecher, heute im Oberhaus,
       > war mit einem wegen Kinderpornografie verurteilten Politiker befreundet.
       
 (IMG) Bild: Starmers ehemaliger Sprecher Matthew Doyle
       
       Kaum hat Großbritanniens Labour-Premierminister Keir Starmer sich politisch
       etwas gefangen, entsteht ein neuer Skandal, der der [1][Affäre über seine
       Kenntnis des Ausmaßes der Verbindung zwischen dem ihm nahestehenden
       einstigen Politiker Peter Mandelson und dem verstorbenen
       US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein] sehr ähnlich sieht. Diesmal geht es um
       Starmers ehemaligen Sprecher Matthew Doyle, der Ende 2025 auf Starmers
       Empfehlung einen Sitz im Oberhaus erhielt.
       
       Am Dienstagabend wurde Doyle aus der Labour-Fraktion im Oberhaus
       ausgeschlossen. Der Grund: seine Nähe zum mehrfach verurteilten ehemaligen
       Labour-Politiker [2][Sean Morton]. Morton, einst Labour-Stadtrat im
       schottischen Moray, wurde 2016 wegen des Besitzes kinderpornografischer
       Bilder angeklagt und 2018 erstmals verurteilt. Aufgrund der Anklage konnte
       er bei den schottischen Kommunalwahlen 2017 nicht mehr für Labour antreten,
       kandidierte als Parteiloser und verlor. 2025 wurde er erneut verurteilt.
       
       Wie jetzt bekannt geworden ist, unterstützte Doyle 2017 Mortons Wahlkampf –
       trotz Mortons Anklage und Parteiausschluss. [3][Matthew Doyle war nicht
       irgendwer]. Zwischen 1998 und 2005 war er Labour-Parteisprecher und
       arbeitete danach im Büro des damaligen Premierministers Tony Blair. 2021
       wurde er erneut Parteisprecher unter Keir Starmer. Nach dem Labour-Wahlsieg
       2024 wurde er Kommunikationsdirektor Keir Starmers als Premierminister. Er
       behielt dieses Amt bis März 2025 und wurde im Dezember von Starmer für das
       Oberhaus (House of Lords) nominiert, wie es für verdiente ehemalige enge
       Mitarbeiter des Regierungschefs üblich ist.
       
       ## Was wusste Keir Starmer?
       
       Am 28. Dezember [4][enthüllte die britische Sunday Times] unter der
       Schlagzeile „Premierminister wusste, dass Mitarbeiter Wahlkampf für
       Pädophilen betrieb, aber setzte ihn ins Oberhaus“, dass Starmers damaliger
       Stabschef Morgan McSweeney – er ist vor wenigen Tagen zurückgetreten – den
       Premierminister auf Doyles Verbindungen zu Morton hingewiesen hatte. Doyle
       sei befragt worden. Er konnte trotzdem zwei Wochen später seinen
       Oberhaussitz einnehmen.
       
       Das alles ähnelt der Affäre um Peter Mandelson, von dessen enger
       Freundschaft zu Jeffrey Epstein Premierminister Starmer informiert war,
       bevor er ihn für den Botschafterposten in den USA nominierte – erst am
       Mittwoch vergangener Woche gab Starmer das zu, was ihn in Turbulenzen
       gebracht hat. Starmer steht nun unter Druck, zuzugeben, dass er auch über
       Doyles Freundschaft zu Morton informiert war, bevor er ihn für das
       britische Oberhaus nominierte.
       
       Anders als vorige Woche gab der Premierminister an diesem Mittwoch bei der
       wöchentlichen Fragestunde aber nichts zu. „Matthew Doyle gab mir keine
       vollständige Auskunft“, sagte er auf eine Frage der konservativen
       Oppositionsführerin Kemi Badenoch und warf den Konservativen ihre eigenen
       Fehler vor. Immerhin hätten die Konservativen „nicht die Regierung mit
       Scheinheiligen und Pädophilie-Apologeten vollgestopft“, schimpfte Badenoch
       zurück.
       
       ## Ein „Verhaltensmuster“ bei Labour
       
       Badenoch hatte die neue Affäre am vergangenen Freitag ins Rollen gebracht,
       als sie Starmer [5][schriftlich aufforderte], Auskunft über die Nominierung
       Doyles zu geben, und ein „Verhaltensmuster“ anprangerte: Labour-Politikern
       werde Nähe zu Kinderschändern nachgewiesen und dann befördere man sie
       trotzdem.
       
       Kurz zuvor hatte [6][die schottische Zeitung Daily Record berichtet], dass
       Sean Morton mittlerweile eine Gefängnisstrafe abgesessen hat. Die
       Bildungssprecherin der schottischen Labour-Partei, Pam Duncan-Glancy, hatte
       im Dezember wegen ihrer privaten Freundschaft zu Morton zurücktreten
       müssen.
       
       Eine Nachfrage des Abgeordneten Stephen Flynn von der Schottischen
       Nationalpartei (SNP), ob Starmer nun die ihm zum Zeitpunkt der
       Oberhausnominierung vorliegenden Informationen über Doyles Freundschaft mit
       Morton veröffentlichen würde, ließ Starmer am Mittwoch unbeantwortet. Flynn
       hatte im Januar vergeblich beantragt, dass Doyle nicht fürs Oberhaus
       zugelassen wird.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Keir-Starmer-in-der-Krise/!6152408
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Sean_Morton
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Matthew_Doyle,_Baron_Doyle
 (DIR) [4] https://www.tomorrowspapers.co.uk/sunday-times-front-page-2025-12-28/
 (DIR) [5] https://x.com/KemiBadenoch/status/2019699066440183961
 (DIR) [6] https://www.dailyrecord.co.uk/news/politics/labour-msp-urged-quit-holyrood-36555751
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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