# taz.de -- Britische Epstein-Affaire: Keir Starmer auszuwechseln ist auch keine Lösung
> Nach der Mandelson-Epstein-Affäre werden die Rufe nach einem Rücktritt
> des Premiers lauter. Das Problem: Etwas Besseres steht nicht zur
> Verfügung.
(IMG) Bild: Keir Starmer: Sein Reflex in Krisenzeiten ist das Einigeln in der Hoffnung, dass alles vorbeigeht
Wäre das Auswechseln des Regierungschefs der Schlüssel zu besserer
Regierungsführung, müsste Großbritannien das bestregierte Land der
westlichen Welt sein. Das ist nicht der Fall, darüber herrscht bei den
Briten Einigkeit quer durch die politischen Lager. Keir Starmer ist schon
der sechste Premierminister in zehn Jahren, er ist von allen der
unbeliebteste, und womöglich folgt bald der siebte. Die Dienstkatzen in 10
Downing Street überleben deutlich länger und sind populärer.
Starmers Probleme sind hausgemacht. Sein Reflex in Krisenzeiten ist das
Einigeln in der Hoffnung, dass alles vorbeigeht. Das funktioniert, solange
sein Umfeld ihn abschirmt. Aber [1][in der Mandelson-Affäre geriet sein
Umfeld in die direkte Schusslinie] und macht nicht mehr mit.
Die Verantwortung für die Entscheidung, den diskreditierten alten
[2][New-Labour-Guru Peter Mandelson aus der Versenkung zu holen] und ihm
den Botschafterposten in Washington zuzuschanzen, gegen den Willen des
zuständigen Ministeriums, liegt bei Keir Starmer, nicht bei Beamten und
Beratern. Für die Trump-Schlangengrube brauchten wir eine Schlange, lautet
eine der vielen farbenprächtigen Ausreden in Labour-Kreisen für Mandelsons
Berufung, seit das Ausmaß seiner Verstrickung in Jeffrey Epsteins
kriminelle Machenschaften offengelegt wurde.
Aber dass lauter Mandelson-Günstlinge zentrale Posten in Starmers
Regierungsapparat bekleiden, liegt nicht an Trump. Es liegt an Starmer und
seinem Vertrauen in die skrupellosen Machtpolitiker aus der Ära von Tony
Blair – sie schenkten Labour einst drei Wahlsiege und dreizehn Jahre an der
Macht, und auch Starmer will lange regieren, um „dem Land zu dienen“, wie
er immer sagt.
Starmer ist persönlich integer, sagen alle, die ihn kennen. Aber wie alle
erfolgreichen Labour-Führer vor ihm hat ihn die fixe Idee in Besitz
genommen, er sei der Träger einer höheren Mission, um Großbritannien zu
erneuern. Tony Blair wurde mit diesem Denken größenwahnsinnig. Sein
Stratege Mandelson sieht alle Labour-Regierungschefs von Blair bis Starmer
als seine Zauberlehrlinge. Man kann mit Sendungsbewusstsein sicher einiges
erreichen. Aber man entfremdet sich vom eigenen Land und man steht mit
Fehlern sehr alleine da.
Soll Keir Starmer weg? Die Mehrheit der Briten wünscht sich das. Aber
wollen sie wirklich nach der Tory-Selbstzerfleischung die
Labour-Selbstzerfleischung, was eventuell den Weg für Nigel Farage frei
macht, der alle Übel der Machtkonzentration noch vervielfachen würde?
Starmer ist sicher kein besonders guter Premierminister. Aber etwas
Besseres steht gerade nicht zur Verfügung.
10 Feb 2026
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