# taz.de -- Regierung in den Niederlanden steht: Es fehlt die Mehrheit
> Der linksliberale Rob Jetten wird neuer Premier. Doch sein Tatendrang
> steht in einem Missverhältnis zu den Mehrheitsverhältnissen im Parlament.
(IMG) Bild: Rob Jetten im Pressegespräch während der wöchentlichen Fragestunde des niederländischen Parlaments in Den Haag, 20. Januar
Rob Jetten ist nicht zu beneiden. Der junge Chef der liberalen Partei D66
wird nächsten Monat als niederländischer Premier vereidigt, nachdem er mit
einer Kampagne, angelehnt an das Obama'sche Yes we can, im Herbst die
Wahlen gewann. Tatendrang, Aufbruchstimmung, die Überwindung von
populistischem Diskurs und Polarisierung, in diesem Licht präsentierte sich
Jetten und betonte, der Premier aller Niederländer*innen sein zu
wollen.
Das Programm seiner Regierung, an der auch Christdemokrat*innen und
Rechtsliberale beteiligt sind, ist noch nicht im Detail bekannt. Klar aber
ist, dass Jettens Gestaltungsdrang einigen Einschränkungen unterliegt.
Zunächst ist da die Tatsache, dass die Koalition weder in Parlament noch im
Senat eine Mehrheit hat. Die punktuelle Unterstützung aus der Opposition
gibt es jedoch nicht umsonst.
Jetten, der die proeuropäische und progressive D66 deutlich im Zentrum
verortet, [1][würde gerne mit dem rot-grünen Bündnis aus Arbeitspartei und
GroenLinks kooperieren]. Zugeständnisse in diese Richtung sind aber der VVD
schwer zu vermitteln, die zur Mehrheitsbeschaffung tendenziell nach rechts
schielt. Auswirkungen auf die Stabilität der Regierung wird dies nicht
zuletzt beim Kernthema Haushalt haben: Die austeritätsfixerte VVD ist gegen
Neuverschuldung, auch wenn die massiv gestiegenen Verteidigungskosten
schwer auf dem Etat lasten.
Wie die Koalition die Quadratur dieses Kreises ohne soziale Härten
bewerkstelligen will, ist unklar. Genau dort aber lauert eine weitere
Gefahr: dass politische Parteien und die parlamentarische Demokratie an
sich weiter an Rückhalt in der Bevölkerung einbüßen. Die sozio-ökonomische
Schere klafft auch in den Niederlanden weit auseinander, wovon bislang
bürgerliche bis radikale rechte Parteien stark profitieren. Jettens
Aufbruchsrhetorik findet in dieser Konstellation, wie die Wahlen zeigten,
durchaus Anklang. Doch um Taten folgen zu lassen, fehlen Mehrheiten und
politischer Manövrierraum.
28 Jan 2026
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(DIR) Tobias Müller
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