# taz.de -- Neue Koalition in den Niederlanden: Einschnitte und Freiheitssteuer
> Die niederländische Minderheitsregierung präsentiert ihren
> Koalitionsvertrag. Während der Verteidigungsetat steigt, gibt es
> Einschnitte im Sozialen.
(IMG) Bild: „An die Arbeit“: Rob Jetten (D66), Dilan Yeşilgöz (VVD) und Henri Bontenbal (CDA) stellen ihre Koalitionsvereinbarung vor
Drei Monate nach den Parlamentswahlen hat die künftige niederländische
Koalition in Den Haag ihr Regierungsprogramm vorgestellt. Unter dem Motto
„Aan de slag“ – „An die Arbeit“- wollen die progressiv-liberalen Democraten
66 (D66), die liberal-rechte Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD)
sowie der Christen-Democratisch Appèl (CDA) „an besseren Niederlanden
bauen“.
Präsentiert wurde das Programm von den Parteichefs Rob Jetten (D66), Dilan
Yeşilgöz (VVD) und Henri Bontenbal (CDA). Jetten wird der künftige
Premierminister. Über den Rest seines Kabinetts, das am 23. Februar
vereidigt werden soll, soll in den kommenden Wochen verhandelt werden.
Bereits im Vorfeld war klar, dass sich der Koalitionsvertrag um die Frage
dreht, wie die zusätzlichen Verteidigungsausgaben finanziert werden sollen,
mit denen man die erhöhte Nato-Norm von 3,5 Prozent erreichen will. Diese
schlagen jährlich mit 19 Milliarden Euro zusätzlich zu Buche.
Dafür wird die Regierung wie erwartet starke Kürzungen in den Bereichen
soziale Sicherheit und den Gesundheit vornehmen: der Eigenbeitrag zur
Krankenversicherung steigt deutlich an, der Bezug von Arbeitslosengeld wird
von zwei auf ein Jahr gekürzt, das Grundrenten-Alter, das an die
durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt ist, soll schneller ansteigen.
Auch eine „Freiheitsabgabe“, die über die Einkommensteuer erhoben werden
soll, dient der Gegenfinanzierung von Ausgaben für Verteidigung und
Geheimdiensten.
## Aufbruch und große Entscheidungen
Jetten, [1][dessen oft als linksliberal beschriebene D66 im Oktober die
Parlamentswahlen knapp vor der rechtspopulistischen Freiheitspartei (PVV)
gewonnen hatte], sagte unmittelbar nach der Präsentation, man habe „eine
Reihe großer Entscheidungen“ getroffen. Dazu sollen ab 2029 jährlich eine
Milliarde Euro in den Bau bezahlbarer Wohnungen fließen.
Auch ein zweites langwieriges Problem, die Stickstoffkrise, wollen D66, VVD
und CDA nun endlich lösen: mit Milliardeninvestitionen sollen Bauern
ausgekauft und so der Viehbestand reduziert werden. Beides sind
Signaturprojekte der neuen Koalition, die vor dem Hintergrund tiefer
gesellschaftlicher Polarisierung einen neuen Aufbruch propagieren. „Wir
glauben, dass die Gesellschaft wieder eine Politik sehen will, die zeigt,
dass Miteinander mehr einbringt als Gegeneinander“, heißt es im
Koalitionsvertrag.
## Zusammenarbeit mit anderen Parteien
Ihren Willen zur breiten Zusammenarbeit mit anderen Parteien betonen sowohl
Jetten als auch Yeşilgöz und Bontenbal seit Wochen. Angesichts der
Tatsache, dass der neuen Koalition 10 Sitze für eine Parlaments- und 16 für
eine Senatsmehrheit fehlen, ist das schon eine strategische Notwendigkeit.
[2][Für jedes neue Projekt ist die Minderheitsregierung demnach künftig auf
Unterstützung aus der Opposition angewiesen]. Diese ist zwar punktuell
auszuhandeln, doch kündigte etwa Jesse Klaver, Chef der künftigen
rot-grünen Fusionspartei, bereits an, darüber „noch vor dem Sommer“
Abkommen zu schließen. Die neue Koalition befinden sich damit permanent in
einem Verhandlungsmodus.
## Harter Kurs in der Asylpolitik
Weitgehend beibehalten wird die nach niederländischer Gewohnheit „Jetten 1“
genannte Koalition [3][den harten Kurs, den ihre kurzlebige rechte
Vorgängerin beim Thema Asyl und Migration einschlug]. So will man die
beschlossenen „Notmaßnahmen“ ausführen, die Aufenthaltsdauer begrenzen und
den unbegrenzten Status abschaffen und die Zahl der
Arbeitsmigrant*innen reduzieren. Dem steht ein erhöhtes Budget für
Asylprozedur und Unterbringung entgegen. Das Gesetz zur gleichmäßigen
Verteilung von Asylsuchenden im Land, ein beständiges Reizthema der von den
Rechtspopulist*innen geführten letzten Regierung, will man dagegen
beibehalten.
1 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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