# taz.de -- Regierungskrise in Großbritannien: Starmer lehnt Rücktritt wegen Epstein-Affäre ab
> Ranghohe Labour-Politiker stellen sich hinter Premierminister Keir
> Starmer, der ungeachtet des Mandelson-Skandals an seinem Amt festhalten
> will.
(IMG) Bild: Der britische Premierminister Keir Starmer verlässt die Downing Street 10, aber noch nicht sein Amt
ap/dpa | Der britische Premierminister Keir Starmer lehnt einen Rücktritt
wegen seiner Ernennung des mit Jeffrey Epstein befreundeten Peter Mandelson
zum Botschafter ab. „Ich bin nicht dazu bereit, mein Mandat und meine
Verantwortung gegenüber meinem Land aufzugeben“, teilte Starmer am Montag
bei einem Treffen mit Abgeordneten seiner Labour-Partei im Parlament mit.
„Jeden Kampf, in den ich jemals verwickelt war, habe ich gewonnen“, sagte
er.
[1][Starmers Regierung steckt in der Krise], nachdem es Enthüllungen über
den von ihm als Botschafter in Washington bestimmten [2][Mandelson und
dessen Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein] gegeben
hat. Deshalb ist auch das Standing Starmers innerhalb seiner Partei
angeschlagen. Einige Labour-Abgeordnete haben Starmers Rücktritt gefordert,
weil sie ihm wegen der Vergabe des Botschafterpostens an Mandelson 2024
schlechtes Urteilsvermögen vorwerfen.
Der Chef der Labour-Partei in Schottland, Anas Sarwar, teilte am Montag
mit, es habe „zu viele Fehler gegeben“. Es sei ein Regierungswechsel in
London nötig. Starmers Kommunikationschef Tim Allan und sein Stabschef
Morgan McSweeney haben sich bereits zurückgezogen. McSweeney sagte, er habe
Starmer geraten, Mandelson zu ernennen. Dafür übernehme er „die volle
Verantwortung“.
## Unterstützung für Starmer von ranghohen Regierungsvertretern
Nach der Erklärung Sarwars stärkten ranghohe Kolleginnen und Kollegen von
Starmer diesem den Rücken. Der stellvertretende Premierminister David Lammy
teilte bei X mit: „Wir sollten nichts erlauben, uns von unserer Mission
abzulenken, Großbritannien zu verändern, und wir unterstützen dabei den
Premierminister.“ Die Außenministerin Yvette Cooper teilte in einem Post
mit, man sei „zu dieser kritischen Zeit für die Welt“ auf die Führung durch
Starmer „nicht nur im Inland, sondern auch auf der globalen Bühne“
angewiesen.
Starmer hatte Mandelson zum britischen Botschafter in den USA ernannt,
obwohl bekannt war, dass dieser Kontakte zu Epstein hatte. Im September
entließ er Mandelson, nachdem E-Mails veröffentlicht worden waren, aus
denen hervorging, dass der frühere Wirtschaftsminister auch nach einer
Verurteilung des Finanziers im Jahr 2008 eine Freundschaft mit Epstein
pflegte.
## „Eine schlechte Entscheidung nach der anderen“
Die Vorsitzende der oppositionellen Konservativen Partei, Kemi Badenoch,
hat Starmer vorgeworfen, „eine schlechte Entscheidung nach der anderen
getroffen“ zu haben. Er könne nicht mehr im Amt bleiben. Zu Starmer
haltende Abgeordnete teilten mit, seine Ansprache vor Dutzenden
Labour-Parlamentsmitgliedern am Montagabend sei gut angekommen. „Natürlich
gab es harte Momente“, sagte der Abgeordnete Chris Curtis. Doch Starmer
habe die Atmosphäre zu seinen eigenen Gunsten gedreht.
Starmer hat um Entschuldigung dafür gebeten, dass er geglaubt habe, was er
als „Mandelsons Lügen“ bezeichnete. Er versprach, Unterlagen im
Zusammenhang mit Mandelsons Ernennung freizugeben, die zeigen sollen, dass
Mandelson die Behörden über seine Beziehungen zu Epstein getäuscht hat.
Eine Veröffentlichung könnte aber noch mehrere Wochen dauern.
Die Polizei ermittelt gegen Mandelson wegen möglichen Fehlverhaltens im
öffentlichen Amt, weil Dokumente darauf hindeuten, dass er vor anderthalb
Jahrzehnten sensible Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben hat.
Mandelson wurde weder verhaftet noch angeklagt und sieht sich auch keinen
Anschuldigungen wegen sexuellen Fehlverhaltens gegenüber.
## Austausch von Premierminister setzt keine Parlamentswahl voraus
In Großbritannien können Premierminister auch ohne vorherige
Parlamentswahlen ausgetauscht werden. Sollte Starmer innerhalb seiner
Partei herausgefordert werden oder zurücktreten, gäbe es eine Wahl um den
Vorsitz von Labour. Die Wahlsiegerin oder der Wahlsieger bekäme dann das
Premierministeramt.
Die Konservativen hatten zwischen 2019 und 2024 drei verschiedene
Premierminister, unter ihnen Liz Truss, die nur 49 Tage im Amt war. Der
Labour-Abgeordnete Clive Efford warnte Kritikerinnen und Kritiker Starmers
vor den Konsequenzen eines Wechsels an der Spitze. „Ich glaube nicht, dass
den Leuten die Premierminister-Wechsel gefallen haben, als die Tories an
der Macht waren“, sagte Efford der BBC.
## Hat sich Andrew strafbar gemacht?
Für die Royals wird unterdessen die einst enge Beziehung von Ex-Prinz
Andrew mit dem Sexualstraftäter Epstein immer stärker zur Belastung.
Nachdem die Epstein-Akten [3][neue Vorwürfe gegen Andrew zutage gefördert
hatten], kündigte König Charles III. laut einer Mitteilung des Palasts an,
die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen Bruder zu unterstützen.
Die Polizei interessiert sich auch für die Beziehung zwischen Epstein und
dem Ex-Prinzen Andrew. Die für Windsor zuständige Polizeibehörde hatte
mitgeteilt, sie prüfe Vorwürfe, wonach Andrew in seiner früheren Rolle als
Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet haben
könnte. Britische Medien hatten in den Epstein-Akten E-Mails entdeckt, die
nahelegen, dass Andrew etwa Berichte offizieller Besuche in Hongkong,
Vietnam und Singapur an den Sexualstraftäter weiterleitete. Ob sich Andrew
damit selbst strafbar gemacht haben könnte, war zunächst unklar.
Der Buckingham-Palast wollte die offizielle Einleitung von Ermittlungen
nicht abwarten. Der König habe seine tiefe Besorgnis über die Vorwürfe
hinsichtlich des Verhaltens seines Bruders bereits durch Worte und ein
beispielloses Vorgehen deutlich gemacht, sagte ein Palastsprecher laut
einer Mitteilung am Abend.
Er fügte demnach hinzu: „Die konkreten Vorwürfe sind von Herrn
Mountbatten-Windsor zu klären. Sollte sich die Thames Valley Police an uns
wenden, stehen wir bereit, sie zu unterstützen, wie es sich gehört.“ Die
Gedanken und Sympathien des Königspaars seien stets bei den Opfern
jeglichen Missbrauchs, hieß es in der Mitteilung weiter.
Andrew hat wegen seiner angeblichen Verwicklung in den Missbrauchsskandal
um Epstein alle Ehren, militärische Ränge und Titel verloren. Epstein-Opfer
Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu
haben, darunter auch, als sie noch minderjährig war. Er stritt alle
Vorwürfe stets ab, doch eine Zivilklage Giuffres endete im Vergleich.
Zuletzt wurde ihm von Charles sogar der durch Geburt erworbene Titel
„Prinz“ aberkannt. Er heißt nun nur noch Andrew Mountbatten-Windsor. Zudem
musste er aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von
Schloss Windsor ausziehen.
## Auch William und Kate äußern sich zum Epstein-Skandal
Als Charles am Montag der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire einen
Besuch abstattete, rief ihm ein Mann zu: „Wie lange wussten Sie über Andrew
Bescheid?“ Es war bereits der zweite öffentliche Auftritt des Königs, der
von einem Zwischenruf zu dem Thema gestört wurde.
Prinz William und Prinzessin Kate bezogen erstmals öffentlich Stellung in
der Angelegenheit. „Ich kann bestätigen, dass der Prinz und die Prinzessin
über die anhaltenden Enthüllungen zutiefst besorgt sind“, sagte ein
Sprecher des Thronfolgerpaars mehreren Medienberichten zufolge. „Ihre
Gedanken sind weiterhin bei den Opfern“, heißt es weiter.
10 Feb 2026
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