# taz.de -- Neue Epstein-Akten: Epsteins Kreise ziehen auch nach Polen
> Ein Vertrauter von Epstein hat möglicherweise in Polen Frauen und Mädchen
> für dessen Frauenhandelsring rekrutiert. Eine Kommission ermittelt nun.
(IMG) Bild: Epstein-Files: Der polnische Premierminister Donald Tusk lässt ermitteln, ob auch polnische Frauen und Mädchen betroffen sind
In Polen sorgen die ersten Enthüllungen aus dem [1][300 Millionen starken
Aktenkonvolut zu Jeffrey Epstein] für große Aufregung. Obwohl der
Milliardär bereits 2019 in einem US-amerikanischen Gefängnis wohl durch
Suizid verstarb, erfährt die Öffentlichkeit erst seit einigen Tagen Details
über den ihm vorgeworfenen Frauenhandel und sexuellen Kindesmissbrauch.
Polens Premier Donald Tusk rief letzte Woche eine Ermittlungskommission ins
Leben. Sie soll klären, ob von der Affäre auch polnische Frauen und Mädchen
betroffen sind, und ob sich auch Polen als Täter mitschuldig gemacht haben.
„Es geht darum, mögliche [2][Fälle von Ausbeutung] polnischer Kinder sowie
mögliche Verbindungen zu den Aktivitäten russischer Geheimdienste zu
untersuchen“, erklärte Polens Premier. In den Dokumenten gebe es Hinweise
auf polnische Spuren, so Tusk.
An die Spitze der Untersuchungskommission aus Staatsanwälten, Polizisten
und Geheimdienstfunktionären berief er Generalstaatsanwalt und
Justizminister Waldemar Żurek sowie Innenminister und
Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak.
## Tusk will weitere Akten
Tusk kündigte nicht nur eine detaillierte Analyse der bereits im Internet
veröffentlichten Akten an, sondern will auch die [3][amerikanischen Stellen
um weitere Akten bitten], die explizit Polen betreffen, bislang aber noch
der Geheimhaltung unterliegen.
In polnischen Medien ist derweil von E-Mails die Rede, in denen ein
angeblicher Model-Scout, Daniel Siad, Epstein darüber informiert, dass es
möglich sei, eine Gruppe polnischer Frauen und Mädchen in Krakau sowie in
den Bergdörfern in der Tatra sowie in den Beskiden zu rekrutieren.
Das Onlineportal Wirtualna Polska zitiert daraus: „Ich habe schon ein paar
Mädchen, die auf mich warten“, schrieb Siad im Mai 2009 direkt an Epstein.
Dazu müsse er mit Bahn, Bus und Taxi in „eine polnische Stadt namens
Krakau“ reisen. Für Reise- und „Rekrutierungs“-Kosten benötige er
mindestens 4.000 Euro.
Im Juni und Juli 2009, vor Beginn der Sommerferien, wolle Siad, schrieb er
Epstein, noch mehrere kleinere Orte in Polen, der Slowakei und Ungarn
besuchen. Er dokumentiere seine Suche und habe schon zahlreiche Fotos
geschossen, versicherte er Epstein. Er bereite eine „große Überraschung“
für seinen anstehenden Besuch in Paris vor, versprach er dem Milliardär.
## Hat Epstein bewusst belastendes Material produziert?
Daniel Siad arbeitete eng mit dem einst einflussreichen Model-Agenten
Jean-Luc Brunel zusammen, der ebenfalls in den Frauen- und Mädchenhandel im
Auftrag Epsteins verstrickt war. Brunel, der wegen zahlreicher
Sexualdelikte in einem Pariser Untersuchungsgefängnis saß, beging dort 2022
Selbstmord.
Epstein hat aber auch direkt mit Polinnen Mails ausgetauscht. Einem Model
soll er laut Wirtualna Polska eine Wohnung und das Studium finanziert
haben.
Tusk vermutet, dass Epstein auch bewusst belastendes Material für eine
spätere Erpressung durch Geheimdienste produziert haben könnte. Noch ist
allerdings in den veröffentlichen Akten kein Name eines polnischen
Politikers aufgetaucht.
Lediglich der frühere Tennisstar und Kunstmäzen Wojciech Fibak musste
erklären, wieso sein Name mehrfach in den Akten auftaucht. Im Interview mit
der Boulevardzeitung Fakt sagt er: „Epstein war kein Unbekannter in New
York. Wir waren Nachbarn, trafen uns in Restaurants und bei Vernissagen.
Wir hatten viele gemeinsame Bekannte.“
Die Mail-Korrespondenz zwischen ihm und dem Milliardär bezog sich vor allem
auf geplante Kunstinvestitionen Epsteins. „Ich sammelte Bilder von Warhol
und Basquiat, und er war ebenfalls Sammler und zudem ein sehr belesener
Mensch.“ Von den illegalen Machenschaften Epsteins habe er nichts gewusst,
und auch keinen privaten Kontakt zu ihm unterhalten.
9 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gabriele Lesser
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