# taz.de -- Epstein-Files: Jeffrey Epstein und seine norwegischen Freunde
       
       > Norwegen ist wegen der Verstrickungen wichtiger Landsleute in Aufruhr.
       > Zuletzt trat Topdiplomatin Juul zurück. Ihre Kinder standen in Epsteins
       > Testament.
       
 (IMG) Bild: Thorbjørn Jagland bei einem Vortrag in Oslo. Er steht wegen seiner Kontakte zu Jeffrey Epstein unter Korruptionsverdacht
       
       Norwegen will Antworten: Eine unabhängige Kommission soll her, um die
       Verbindungen mehrerer hochrangiger Vertreter des Landes zu Sexualverbrecher
       Jeffrey Epstein zu untersuchen. Die Ernennung des Gremiums sei eine Aufgabe
       für das norwegische Parlament, sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre
       (Arbeiderpartiet) am Montag.
       
       Die Forderung nach gründlicher Aufarbeitung hatten in den vergangenen Tagen
       bereits mehrere Parteien geäußert. Denn die [1][jüngst veröffentlichten
       Epstein-Ermittlungsakten] hatten in Norwegen einiges aufgewirbelt.
       
       Nicht nur rüttelt der nun für alle einsehbare, übermäßig vertraute
       Austausch von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit mit Jeffrey Epstein
       plötzlich an den Grundfesten der Monarchie. Die Hälfte der Menschen im Land
       meint laut Umfragen, jetzt könne sie nicht mehr Königin werden. Dass ihr
       ältester Sohn, der nicht royale [2][Marius Borg Høiby], zeitgleich unter
       anderem wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht steht, verstärkt die
       Krise.
       
       Aber damit nicht genug – auch in der politischen und diplomatischen
       Topriege Norwegens gab es Verbindungen zu Epstein. Größter auch
       international bekannter Name ist Thorbjørn Jagland. Der ehemalige
       Parteivorsitzende der sozialdemokratischen Arbeiterpartei,
       Ministerpräsident und Außenminister Norwegens stand von 2009 bis 2015 dem
       norwegischen Nobel-Komitee vor. Wenn von einer Institution moralische
       Integrität erwartet wird, dann von dieser.
       
       ## Plauderton zwischen Jagland und Epstein
       
       Auch in dieser Funktion, insgesamt über acht Jahre, stand Jagland in regem
       Austausch mit Epstein, wie die Aktenauswertungen norwegischer Medien jetzt
       zeigen. Vor Jahren hatte er jeglichen Kontakt verneint, später ein Treffen
       eingeräumt und Ende 2025 noch einmal mehr zugegeben – aber noch lange nicht
       alles, wie man nun weiß.
       
       Der Ton zwischen dem Norweger und Epstein war informell. Jagland erwähnte
       seine Auslandsreisetermine – und dazu wie nebenbei die „außergewöhnlichen
       Mädchen“ in Tirana. Er bat zudem Epstein, einen Hauskredit für ihn
       abzusichern. Am Donnerstag gab die für Wirtschaftskriminalität zuständige
       Behörde in Norwegen bekannt, dass sie Ermittlungen gegen Jagland wegen
       Korruptionsverdacht einleitet.
       
       Eine der letzten Verabredungen, die Epstein vor seiner Verhaftung 2019
       geplant haben soll, war laut dem norwegischen Rundfunk NRK ein Abendessen
       in seiner Pariser Wohnung mit Jagland und Terje Rød-Larsen, einem weiteren
       früheren Minister und Diplomaten Norwegens.
       
       Rød-Larsen hatte sich 2020 aus seinem New Yorker Thinktank International
       Peace Institute (IPI) zurückgezogen, nachdem seine Verbindung zu Epstein
       und dessen finanzielle Unterstützung für IPI bekannt wurden. Wie weit er
       und seine Familie mit Epstein verbunden waren, wurde jetzt erst klar.
       Rød-Larsens Ehefrau ist die norwegische Topdiplomatin Mona Juul. Die beiden
       Kinder des Paares standen laut norwegischen Medien in Epsteins Testament,
       das er zwei Tage vor seinem Tod unterschrieben hatte, sie sollten jeweils
       fünf Millionen Dollar erben.
       
       ## Juul wegen Vorwürfen suspendiert
       
       Von ihren Aufgaben als Botschafterin für Jordanien und Irak wurde Juul vor
       einer Woche suspendiert. Norwegens Außenminister Espen Barth Eide sprach
       von einem Versagen ihres Urteilsvermögens und kündigte Untersuchungen an.
       Nun hat die [3][66-Jährige selbst ihr Amt niedergelegt].
       
       Auch Børge Brende, ehemaliger Außenminister der konservativen Høyre und
       seit 2017 Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF) steht wegen
       Epstein-Kontakten in der Kritik. Auch beim WEF wurde eine Untersuchung
       eingeleitet – laut Brende auf seine eigene Initiative hin.
       
       Die Erkenntnisse der letzten Tage kratzen am norwegischen Selbstbild. Hat
       man nicht gemeinsam eine der fortschrittlichsten, gerechtesten und
       korruptionsärmsten Gesellschaften weltweit geschaffen? Der unfreiwillige
       Blick in die Abgründe trifft da womöglich besonders hart.
       
       9 Feb 2026
       
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 (DIR) Anne Diekhoff
       
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