# taz.de -- US-Investor schielt auf den Stadtrand: Platte unter Druck
       
       > Ein Fall aus Lichtenberg zeigt: Auch DDR-Platten werden von
       > Investor:innen aufgekauft. Angepriesen werden sie mit maximalem
       > Mietsteigerungspotenzial.
       
 (IMG) Bild: Das Potenzial von Plattenbauten sehen Makler:innen in einem „bisherigen Fokus auf bezahlbares Wohnen“
       
       ## Die kleinen Fische:
       
       Dass etwas in ihrem Plattenbau nicht ganz richtig ist, ahnten die
       Bewohner:innen des Weißenseer Wegs in Lichtenberg schon lange. „Es ist
       einiges kaputt, es gibt Ungeziefer, Kakerlaken, Ratten. Nur jede zweite
       Klingel funktioniert“, sagt Hans T., ein Bewohner des Hauses, der anonym
       bleiben will. Besonders schmerzhaft sei der [1][kaputte Aufzug, der seit
       einem halben Jahr nicht mehr funktioniere]. Die 1973 errichtete
       Lichtenberger Platte ist 18 Stockwerke hoch, viele Bewohner:innen sind
       nicht mehr die jüngsten.
       
       Doch die neuesten Entwicklungen sind noch schlimmer als der defekte Aufzug:
       Die Eigentümerinnen wollen das Gebäude für über 26 Millionen Euro
       verkaufen. Für die rund 300 Mietparteien bedeutet das nichts Gutes. Derzeit
       liegt die Durchschnittsmiete bei 5,79 Euro pro Quadratmeter. Viel zu wenig,
       um bei dem Kaufpreis eine Rendite zu erwirtschaften.
       
       Erfahren haben die Mieter:innen nur zufällig von der Verkaufsabsicht.
       Eine anonyme Quelle hatte sich an Katrin Schmidberger gewandt, die für die
       Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Die Politikerin informierte die
       überraschten Bewohner:innen. In dem Haus würden viele alte, kranke und
       migrantische Menschen leben, berichtet Schmidberger: „Das ist schon eine
       maximal schützenswerte Bevölkerung.“
       
       Was den Bewohner:innen nach einem Verkauf droht, ist unklar: Möglich
       wäre eine umfassende energetische Modernisierung, nach der 3 Euro pro
       Quadratmeter auf die Miete umgelegt werden könnten. Bei Neubezug nach
       Kernsanierung [2][greift die Mietpreisbremse dagegen gar nicht mehr]: In
       der Umgebung werden bereits Nettokaltmieten von 18 Euro pro Quadratmeter
       angeboten. Immer wieder hört man auch von Fällen, wo Mieter:innen
       [3][aus ihren Wohnungen gedrängt werden] – denn ein leerstehendes Haus ist
       bei einem Weiterverkauf am profitabelsten.
       
       Mieter Hans T. ist jedenfalls beunruhigt. „Ich mache mir Sorgen um meine
       Zukunft, meine Frau ist schwerkrank und ich muss sie pflegen“, sagt er.
       Eine Wohnung anderswo in Berlin könne er sich unmöglich leisten.
       
       ## Die großen Fische
       
       Derzeitiger Eigentümer ist [4][laut Tagesspiegel] ein Schwesternpaar, das
       den Plattenbau von ihrem Vater, dem ehemaligen Familienunternehmer Thilo
       Stöhr, geerbt haben soll. Mieter Hans T. berichtet, er habe den alten Stöhr
       noch persönlich gekannt. Die Erbinnen hätten sich dann nicht mehr um den
       Erhalt des Hauses gekümmert. Nun wollen die Schwestern wohl verkaufen. Das
       legt zumindest die Makleranzeige des Unternehmens Engel & Völkers nahe, die
       der taz vorliegt.
       
       Potenzieller Käufer ist laut der Quelle von Schmidberger LaSalle
       Investments. Das US-amerikanische, international tätige
       Immobilienunternehmen ist noch kein großer Player in Deutschland, drängt
       aber auf den Berliner Mietmarkt.
       
       Heruntergekommene Immobilien kaufen, luxussanieren, Bewohner:innen
       verdrängen: Dieses Geschäftsmodell kannte man bislang vor allem von
       Altbauten im S-Bahn-Ring. Dass es nun DDR-Platten trifft, ist neu, aber
       nicht überraschend, sagt Schmidberger: „Das ist mittlerweile eine gute Lage
       in Berlin, fast schon Innenstadt. Das Haus ist sehr gut verkehrlich
       angebunden. Die Mieten sind sehr günstig und von daher droht die
       größtmögliche Verwertung.“
       
       Der Weißenseer Weg 1–2 ist nicht der einzige Plattenbau, der in dem
       Quartier zum Verkauf steht. Der taz liegt ein Exposé einer baugleichen
       Serie in der Rudolf-Seiffert-Straße 31 vor. Die Makleragentur wirbt mit
       einem „hohen Mietsteigerungspotenzial“, das sich aus einem „bisherigen
       Augenmerk auf bezahlbares Wohnen ergibt“. Angepriesen wird auch, dass das
       Haus mit seinem Kaufpreis von 30 Millionen Euro auch als Share Deal
       erworben werden kann – ein Trick, um Grunderwerbssteuern zu umgehen.
       
       Die kompakten Wohnungen in den Plattenbauten sind zudem besonders
       attraktiv, um Förderungen in Anspruch zu nehmen. Denn der Zuschuss für
       energetische Sanierungen wird pauschal berechnet. Pro Wohnung sind bis zu
       150.000 Euro Kredit möglich, wovon bis zu 45 Prozent nicht zurückgezahlt
       werden müssen.
       
       ## Wer frisst hier wen?
       
       Die Möglichkeiten, rechtlich gegen den Hausverkauf vorzugehen, sind
       begrenzt. Das Haus liegt nicht im Milieuschutzgebiet, was einen Vorkauf
       durch den Bezirk unmöglich macht. Was bleibt, ist, sich zu organisieren und
       Öffentlichkeit herzustellen. Auf einer am Mittwoch einberufenen
       Mieterversammlung herrschte große Einigkeit, eine mögliche Verdrängung
       nicht ohne Widerspruch hinzunehmen. Der größte Hebel scheint ein Appell an
       das Gewissen der Stöhr-Erb:innen: Müssen es 26,8 Millionen Verkaufspreis
       sein? Oder reichen nicht 15 Millionen, wenn dafür die Mieten bezahlbar
       bleiben?
       
       15 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hochhaus-ohne-Aufzug/!6139051
 (DIR) [2] /Mietpreisbremse/!t5014932
 (DIR) [3] /Leerstand-und-Eigenbedarf-in-Berlin/!6150537
 (DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/unsaniert-niedrige-miete-rendite-objekt-us-investoren-entdecken-plotzlich-plattenbauten-in-berlin-15190461.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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