# taz.de -- Milieuschutzgebiete in Spandau: Mieter wollen sich selber schützen
> Ein Bürgerbegehren in Spandau fordert drei neue Milieuschutzgebiete.
> Dabei trifft es auf Gegenwind vom CDU-Stadtrat.
(IMG) Bild: Denkmalgeschützte Wohnanlage „Langer Jammer“ in der Großsiedlung Siemensstadt
Aktuell sammelt eine Bürgerinitiative in Spandau Unterschriften der
Bewohner – mit einem Ziel: In Siemensstadt, am Germersheimer Platz und in
der Rudolf-Wissell-Siedlung in Staaken sollen soziale Erhaltungsgebiete,
also Milieuschutzgebiete, ausgewiesen werden. Um erfolgreich zu sein,
braucht das Bürgerbegehren bis Ende Juni mindestens 5.336. Initiator ist
der [1][Runde Tisch Milieuschutz], ein Zusammenschluss aus
Mieterinitiativen, sozialen Organisationen und politischen Akteuren, der
schon 2018 erstmals zusammentrat und seit Sommer 2024 an dem Plan arbeitet.
Beteiligt ist unter anderem der Bezirksverband der Linken. Warum die
Bewohner in dieser Amtssache selbst aktiv werden müssen, erklärt sich
Vorstandsmitglied Maurice Lüttich mit dem „politischen Willen“ in Spandaus
Bezirksamt. Dort gelte die Devise: Was für Mieter Sicherheit bietet,
schränkt Vermieter ein.
[2][Mit seinen drei bestehenden Milieuschutzgebieten hinkt Spandau im
Bezirksvergleich deutlich hinterher.] Allein in Mitte finden sich 14, in
ganz Berlin über 80 Milieuschutzgebiete. Mit ihnen soll die Zusammensetzung
der Wohnbevölkerung in einem Gebiet erhalten werden. Verdrängungen
ansässiger Mieter durch [3][Luxusmodernisierungen], Umwandlungen in
Eigentum oder Abrisse können so verhindert werden.
Spandaus Vergangenheit mit dem Milieuschutz
Bereits 2019 untersuchte das Bezirksamt das [4][„Aufwertungspotenzial“]
einzelner Gebiete in Spandau. [5][Damals waren die Mieten im Bezirk
besonders stark angestiegen.] 2020 wies das Bezirksamt Neustadt und
Wilhelmstadt als erste Milieuschutzgebiete aus. Laut Spandaus Baustadtrat
Thorsten Schatz (CDU) hätten für die Ausweisung dieser Gebiete die
„historisch gewachsene Bausubstanz, kleinteilige Eigentümerstrukturen und
ein vergleichsweise hoher Mietwohnungsanteil“ gesprochen.
Nach einem Grobscreening 2022 verblieben vier weitere Gebiete. Stresow
wurde im August vergangenen Jahres Milieuschutzgebiet, bei den anderen drei
tat sich nichts. Gerade in Stresow hat Schatz zufolge ein „besonders
starkes Aufwertungspotenzial“ wegen der Wasserlage und der Nähe zur
Altstadt bestanden. Eine pauschale Ausweisung weiterer Milieuschutzgebiete
halte er jedoch nicht für zielführend: Ihm gehe es um eine
Stadtentwicklung, „die Bestand schützt, ohne Zukunft zu verhindern“.
## Notfalls auch mit Bürgerentscheid
Mit dem Bürgerbegehren soll genau dieser Bestand geschützt werden. Als
Puffer für ungültige Stimmen hat sich die Initiative 8.000 Unterschriften
vorgenommen. Wird diese Zahl erreicht, ist eine Abstimmung über das
Begehren in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgesehen.
Sollte das Begehren dort scheitern, ist aus Sicht der Initiative noch nicht
alles verloren: Als zweiter Anlauf sei ein Bürgerentscheid geplant.
Spätestens vier Monate nach einer negativen Entscheidung der
Bezirksverordnetenversammlung würden die Spandauer dann an die Wahlurne
gebeten. Baustadtrat Schatz zufolge ist die Tragweite des Bürgerentscheids
jedoch begrenzt. Das Ergebnis habe „rein appellativen Charakter“ ohne
unmittelbare Rechtsfolge. Die Entscheidung läge dann erneut beim
Bezirksamt.
Der Linke Lüttich sieht das kritisch: „Wenn ein regulärer BVV-Beschluss
ignoriert wird, ist das schon eine schlechte Sache. Aber wenn sich viele
Spandauer an der Wahlurne bei einem Bürgerentscheid für mehr Milieuschutz
entscheiden und der CDU-Stadtrat das ignoriert, wäre das ein absolutes
Unding.“ Dies würde „Politikverdrossenheit“ fördern und dem „Vertrauen in
Demokratie schaden“.
In den drei Verdachtsgebieten leben über 24.000 Menschen. Viele der
Bewohner sind auf Sozialwohnungen angewiesen, könnten die Kosten von
Aufwertungen nicht tragen. Die Betreiber der Initiative zeigen sich
optimistisch, dass sie ihr Ziel bis zur Frist erreichen. Ob den Spandauern
die Wahlurne erspart bleibt, wird sich danach zeigen.
19 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://runder-tisch-milieuschutz.de/
(DIR) [2] https://www.milieuschutz.org/
(DIR) [3] /Immobilienaufwertung-in-Berlin/!6034349
(DIR) [4] https://www.morgenpost.de/bezirke/spandau/article216723119/Der-Milieuschutz-in-Spandau-rueckt-naeher.html
(DIR) [5] https://www.berlinhyp.de/files/replicator/import/news/cbre-berlin-hyp-wohnmarktreport-berlin-2025.pdf
## AUTOREN
(DIR) Pauline Cruse
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