# taz.de -- Verkauf eines Mietshauses in Neukölln: Genossenschaft statt Großinvestor
> In Rixdorf gehen die Mieter eines Hauses auf die Barrikaden: Ein
> Konzern will ihr Zuhause kaufen. Sie fordern einen Eigentümer, der zum
> Kiez passt.
(IMG) Bild: Objekt der Begierde: Eckhaus an Richardplatz und Hertzbergstraße in Rixdorf
Welche Rechte haben wir als Mieter*innen? Diese Frage stellen sich die rund
75 Bewohner*innen des Eckhauses Richardplatz 1/Hertzbergstraße 32 in
Rixdorf, seit sie kurz nach Weihnachten 2025 erfahren haben, dass das Haus
an Investoren verkauft werden soll.
„Die Eigentümerin verlangte Zugang zu unseren Wohnungen, es folgten
Besichtigungen“, erzählt Mieterin Laura Nendza-Stampfl. Vertreter des
Immobilienkonzerns Deutsche Investment wollten den Zustand des Hauses
ermitteln. „Wenn es um Immobilien geht, sind wir für institutionelle
Anleger ein verlässlicher Partner. Denn wir leben Immobilien“, wirbt der
Konzern [1][auf seiner Homepage]. In einem Nebensatz werden auch „die
Bedürfnisse unserer Mieter“ erwähnt.
Für die Bewohner*innen des Hauses war es ein Schock, als sie erfuhren,
dass ihre Wohnungen an einen renditegetriebenen Immobilienkonzern verkauft
werden sollen. Schließlich habe man zur Eigentümerin Petra Schmidt, einer
Rechtsanwältin aus Charlottenburg, über Jahre ein entspanntes Verhältnis
gehabt, heißt es. Gute Erinnerungen haben langjährige Mieter*innen an
die vor einigen Jahren verstorbene Mutter von Schmidt, die immer erklärt
hatte, dass sie das Haus nie verkaufen werde.
Das will eine Mieterin bei einer Kundgebung im Februar vor dem Haus ins
Gedächtnis rufen. Dort trägt sie ein selbst gemaltes Schild mit der
Aufschrift „Mutti wollte es anders“. Eigentümerin Petra Schmidt war auch
zur Demo eingeladen, kommt aber nicht. Dafür trifft eine von ihr
unterzeichnete Abmahnung ein, weil die Mieter*innen Transparente mit den
Aufschriften „Rendite tötet Kiez“ oder „Wohnen ist keine Ware“ am Haus
angebracht haben.
Doch die Eigentümerin verlangt nicht nur die unverzügliche Entfernung der
Transparente. Sie dürften auch nicht fotografiert werden, schreibt sie.
Zudem enthält ihr Schreiben auch den Hinweis, dass die Mietverhältnisse
außerordentlich oder hilfsweise ordentlich gekündigt werden könnten. Es ist
ein Ton, der auch jene Hausbewohner*innen empört, die sich eben noch
dafür ausgesprochen hatten, mit Schmidt möglichst schnell zu einem
Kompromiss zu kommen.
## Gut besuchte Hausversammlungen
Die Drohung mit einer möglichen Kündigung macht den Bewohner*innen
Angst. Die meisten wollen nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen. Doch
[2][verdrängen lassen wollen sie sich ebenso nicht]. „Nachdem wir von den
Verkaufsabsichten der Eigentümerin erfahren hatten, riefen wir mehrere
Hausversammlungen ein, die sehr gut besucht waren“, sagt Niko Becker. „Das
hat uns zusammengeschweißt.“
Becker arbeitet im Linus, einer Kiezkneipe in dem Gebäude. Sie wurde noch
in den 1980er Jahren gegründet und hat schon einige Eigentümerwechsel
überstanden. „Die Miete war lange sehr günstig“, so Becker. „Doch vor
einigen Monaten haben wir erfahren, dass sie sich verdreifacht hat.“ Das
sind für ihn klare Zeichen der Aufwertung in unmittelbarer Nähe zum
historischen Ensemble von Alt-Rixdorf.
Für den Neuköllner Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) ist es völlig in
Ordnung, wenn die Eigentümerin das Haus verkaufen will. „Aber es muss ein
Käufer gefunden werden, der zum Kiez passt und dafür sorgt, dass die
Mieter*innen wieder ruhig schlafen können“, betont der Bezirkspolitiker.
Auch Derya Çağlar steht auf Seiten der Mieter*innen. Die SPD-Politikerin
vertritt den Wahlkreis Neukölln 3 im Berliner Abgeordnetenhaus. „Die beste
Lösung wäre, wenn das Haus an eine Genossenschaft der Mietenden verkauft
wird. Sollte das nicht klappen, setze ich mich dafür ein, dass ein Verkauf
an eine landeseigene Wohnungsgesellschaft erfolgt“, sagt Çağlar zur taz.
Das wäre ganz im Sinne der Mieter*innen. Innerhalb weniger Wochen haben sie
eine Genossenschaft gefunden, die sich einen Hauskauf vorstellen könnte.
Dafür müsste der Zustand des Gebäudes untersucht werden – davon hängt
schließlich der Kaufpreis ab.
## Plan B: eine Genossenschaft
Die Eigentümerin ist über die Wünsche der Hausbewohner*innen
informiert worden. Sie will nach Bekunden allerdings die Verhandlungen mit
der Deutsche Investment weiterführen. Sollte der Deal scheitern, könnte die
Genossenschaft als Plan B ins Spiel kommen, hatte sie vage gegenüber
einigen Mieter*innen angedeutet. Konkreter wurde die Eigentümerin jedoch
nicht; auf Nachfrage der taz äußert sie sich dazu nicht.
„Der Fall des Hausverkaufs am Richardplatz zeigt, dass es sehr dringend
[3][eine Reform des Vorkaufsrechts] braucht, um es endlich wieder zu einem
wirksamen Instrument zum Schutz der Mieter*innen zu machen“, sagt André
Schulze, der für die Neuköllner Grünen im Abgeordnetenhaus sitzt, zur taz.
Schulze drängte in einem Brief an die Eigentümerin darauf, das Haus an eine
Genossenschaft zu verkaufen, um die Bewohner*innen vor
[4][Mietsteigerung und Spekulation] zu schützen. Eine Antwort hat er nach
eigenen Angaben bis heute nicht erhalten.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutsche-investment.com/
(DIR) [2] /Verdraengung-in-Berlin/!6153989
(DIR) [3] /Debatte-um-Vorkaufsrecht-nimmt-in-Berlin-Fahrt-auf/!6088060
(DIR) [4] /Mietwucher-in-Berlin/!6155334
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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