# taz.de -- Fragen und Antworten zum Ukraine-Krieg: Wie steht es um die Ukraine?
> Vier Jahre ist Russlands Vollinvasion nun her. Ein Überblick zur
> aktuellen Lage in der Ukraine.
(IMG) Bild: Bretter ersetzen notdürftig Scheiben, davor ein Spielplatz: Kyjiw am 16. Februar 2026
Über Hunderttausend Tote, Wohnungen ohne Heizung, Strom und Wasser – die
Lage der Menschen und insbesondere der Kinder in der Ukraine ist
katastrophal am vierten Jahrestag der russischen Vollinvasion. Und die
Hoffnung auf einen gerechten Frieden wird immer wieder zerstört.
## Was ist mit den Verhandlungen?
Abrupt und schon am zweiten Tag gingen am Mittwoch die jüngsten
Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland zu Ende. Der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland nach dem von den
USA vermittelten Treffen in Genf vor, die Verhandlungen in die Länge zu
ziehen. Zuvor waren schon zwei Gesprächsrunden in Abu Dhabi und eine ganze
Reihe weiterer diplomatischer Treffen seit November ergebnislos verlaufen.
Angestoßen hatte den Prozess Donald Trump, der den russischen Angriffskrieg
mit seinem 28-Punkte-Plan im November schnell hatte beenden wollen. Dieser
Plan fußte offenbar auf einem russischen und wäre einer Kapitulation der
Ukraine gleichgekommen. Unter anderem sah er vor, die Armee der Ukraine
massiv zu verkleinern und eine Aufnahme des Landes in die Nato
auszuschließen. Außerdem hätte die Ukraine dem Plan zufolge auch Gebiete
abtreten müssen, die gar nicht russisch besetzt sind.
Ende November dann überarbeiteten Vertreter der USA, der Ukraine und Europa
diesen Plan und reduzierten ihn auf 20 Punkte. Doch Russlands Präsident
Wladimir Putin wich nicht von seinen Maximalforderungen ab. Auch bilaterale
Gespräche zwischen den USA und Russland Anfang Dezember in Moskau blieben
ergebnislos. Es waren bereits die sechsten ihrer Art im Jahr 2025.
Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Ukraine anschließend wieder
propagandistisch als ein „Kunstprojekt ohne eigene Geschichte“, das
„entnazifiziert“ werden müsse.
Mitte Dezember dann traf Selenskyj in Berlin mit den Unterhändlern der USA,
Steve Witkoff und Jared Kushner zusammen. Im Zentrum der Gespräche stand
der 20-Punkte-Plan. Von zentraler Bedeutung waren dabei auch bilaterale
Sicherheitsgarantien der USA und westlicher Staaten, um die Ukraine vor
künftigen russischen Angriffen zu schützen.
Bei einem Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Trump in Florida kurz vor
Weihnachten kündigte der ukrainische Präsident an, die Ukrainer über den
20-Punkte-Plan in einem Referendum abstimmen zu lassen, das zeitgleich mit
möglichen Präsidentschaftswahlen durchgeführt werden könne. Weitere
Gespräche folgten kürzlich, ähnlich ergebnisoffen.
## Und wie steht es militärisch?
Trotz diplomatischer Bemühungen um Frieden – oder auch nur einen
Waffenstillstand – beschießt Russland die Ukraine weiterhin massiv und
tötet dabei Zivilisten. Seit dem Herbst ist vor allem die
Energieinfrastruktur ein bevorzugtes Ziel. Im kältesten Winter der letzten
15 Jahre leben viele Ukrainer in Wohnungen ohne Heizung, Strom und Wasser.
Auch Wohn- und Krankenhäuser werden regelmäßig angegriffen, im Januar
geriet ein Personenzug unter Drohnenbeschuss.
Die Ukraine greift ihrerseits immer wieder russische Kraftwerke, Pipelines
und Hafenanlagen an, als Folge kommt es immer wieder zu Stromausfällen.
Auch auf russischer Seite sterben Zivilisten.
An der Front konnten ukrainische Truppen jüngst innerhalb weniger Tage so
große Geländegewinne machen wie in den letzten drei Jahren nicht, mehr als
200 Quadratkilometer. Die Zahlen wurden vom Institute for the Study of War
(ISW), einem gemeinnützigen US-amerikanischen Thinktank bestätigt. Möglich
wurde das unter anderem, weil das [1][Starlink-Satellitensystem für die
russischen Truppen deaktiviert wurde]. In den vergangenen Monaten hatte
Russland seinerseits kontinuierlich ukrainisches Gebiet erobert. Mehrfach
meldete der Kreml zum Beispiel die Einnahme der ostukrainischen Stadt
Pokrowsk, was Kyjiw jedes Mal dementierte. Pokrowsk gilt für beide Seiten
als strategisch wichtig. Die Stadt könnte der russischen Armee als
Ausgangsbasis für einen Vorstoß auf die noch von der Ukraine kontrollierten
Städte im Gebiet Donezk, Kramatorsk und Slowjansk, dienen.
Derzeit kontrolliert Russland knapp 20 Prozent des ukrainischen
Staatsgebiets ganz oder teilweise. Doch die personellen Verluste sind groß:
Jeden Monat verlieren die russischen Streitkräfte schätzungsweise 20.000
Soldaten. Auf russischer Seite kämpfen auch Söldner aus Indien, Nepal und
36 afrikanischen Staaten, die teils unter Vorspiegelung falscher Tatsachen
ins Land gelockt und an die Front geschickt wurden. Ende November sprach
Nato-Generalsekretär Mark Rutte von etwa 1 Million toten russischen
Soldaten. Kyjiw meldet offiziell 55.000 tote Soldaten, zahlreiche weitere
werden vermisst. Vermutet werden bis zu 100.000 Tote.
## Wie ist die humanitäre Lage?
Etwa 7.000 Ukrainer sind nach Angaben aus Kyjiw in russischer
Gefangenschaft, darunter auch Zivilisten. In der Ukraine gibt es circa
4.000 russische Gefangene.
Das UN-Flüchtlingskommissariat zählt über 5 Millionen ukrainische
Flüchtlinge in Europa. Dazu kommen laut der Internationalen Organisation
für Migration 3,7 Millionen Binnenvertriebene. Viele von ihnen können nicht
zurück, da ihre Heimat russisch besetzt ist.
Allein 1,6 Millionen ukrainische Kinder leben unter russischer Kontrolle,
vor allen in den temporär russisch besetzten Gebieten. Mindestens 20.000
ukrainische Kinder wurden zwangsweise nach Russland gebracht. Davon konnten
insgesamt 1.982 Kinder in die Ukraine zurückgeholt werden, meldet die
ukrainische NGO „Bring the kids back“.
## Und wie läuft es innenpolitisch?
Der ukrainische Präsident Selenskyj geriet in den letzten Monaten vor allem
durch einen Korruptionsskandal in Bedrängnis. Beim staatlichen Unternehmen
[2][Energoatom] war Ende Oktober 2025 Betrug aufgedeckt worden. In der
Folge traten zunächst zwei Minister zurück, später auch Andrij Jermak, Chef
des ukrainischen Präsidialamts und enger Vertrauter des Präsidenten. Kopf
der Gruppe war offenbar Timur Minditsch, ein enger Freund Selenskyjs aus
Showbusiness-Zeiten. Er konnte vor seiner Festnahme nach Israel ausreisen.
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund bot Selenskyj Ende 2025 Neuwahlen an.
Unter Kriegsrecht ist das nicht möglich.
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Musk-deaktiviert-Starlink-in-Russland-Blockierte-Kommunikation-laesst-Ukraine-vorruecken/!6155537
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## AUTOREN
(DIR) Gaby Coldewey
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