# taz.de -- Verwirrende Knöpfe in Bussen und Bahnen: Das Leben ist kein Fahrgastwunsch
       
       > In Aufzügen, Bussen und Bahnen gibt es eine Vielzahl von Knöpfen, deren
       > Funktion sich nicht immer intuitiv erschließt. Willi probiert sie alle
       > aus.
       
 (IMG) Bild: Kann nur einen einzigen Wunsch erfüllen: Halteknopf in einem Bus
       
       Mein Sohn Willi hat das Ursache-Wirkung-Prinzip verstanden und drückt
       begeistert jeden Knopf oder Schalter, der ihm unter die Finger kommt. Das
       Verständnis von Kausalität ist ein wichtiger Entwicklungsschritt zur
       Selbstbestimmung. Darum lasse ich Willi auch alleine den Fahrstuhl vom
       Bahnsteig nach unten benutzen, wenn er mit strenger Geste erst auf mich und
       dann auf die Treppe zeigt.
       
       Er bedient den Aufzug mühelos selber. Falls er während der Fahrt nicht den
       Notruf betätigt, steht er aber meist unten schon grinsend mit dem Finger am
       Knopf, um in dem Moment zu drücken, in dem ich um die Ecke komme. Er freut
       sich dann wie Bolle über den lauten Alarmton und die Stimme der Zentrale,
       hört sich an, wie ich mich förmlich für ihn entschuldige und marschiert
       danach zufrieden weiter.
       
       Übrigens bieten die Bedienfelder der Fahrstühle der Hamburger Hochbahn sehr
       viel Abwechslung bei der barrierefreien Ausstattung. Es gibt große, runde
       Knöpfe und flache, eckige Edelstahltaster, manche haben sogar schöne
       LED-Leuchtringe. Einige Fahrstühle haben nur einen „Start“- und einen „Tür
       auf“- Knopf, andere haben Tasten mit Pfeilen nach oben und unten oder mit
       den Buchstaben „G“ für Gleis- und „S“ für Straßenebene.
       
       Es gibt Brailleschrift, Relief-Ziffern oder Pfeile. Selbst der Notrufknopf
       hat verschiedentliche Formen und Farben, ist an unterschiedlichen Stellen
       zu finden, trägt gerne mal ein gelbes Glockensymbol und konkurriert
       neuerdings mit einem zusätzlichen SOS-Taster, der leider grün leuchtet und
       neue Verwirrung stiftet.
       
       ## Wieso „Fahrgastwunsch“ statt einfach „Stopp“?
       
       Willi orientiert sich nämlich an den Farben: Grün (damit das Teil losfährt)
       und Rot (für den fetten Sound und die starken Reaktionen der Mitmenschen).
       Im Zweifelsfall untersucht er jedoch die Zusammenhänge von Knopf und Effekt
       kurzerhand erneut durch systematisches Probieren.
       
       Seine Forschungen haben eines ergeben: Selbst bei kurzem Drücken des Alarms
       meldet sich IMMER die Notrufzentrale! Ansonsten kann man sich auf
       Durchsagen im Fahrstuhl aber genauso wenig verlassen wie in Bussen.
       
       Im Bus fällt es mir übrigens auch ganz ohne Behinderung schwer, die
       sachgerechte Bedienung der Knöpfe zu verstehen. Es gibt da zuweilen einen
       Knopf neben der Tür auf dem das schöne Wort „Fahrgastwunsch“ steht. Wenn
       das „Stopp“ bedeuten soll, begreife ich nicht, warum stattdessen ein Wort
       draufsteht, das viel schwerer zu lesen ist und eigentlich nichts erklärt.
       
       Ich konnte herausfinden, dass die Bedienung dieses Knopfes den Wunsch
       anzeigt, an der nächsten Station auszusteigen. Ob der Wunsch erfüllt wird,
       obliegt allerdings der oder dem Berufskraftfahrenden. Aus Gründen der
       Höflichkeit und damit es nicht zu einer Verwechslung mit der Notbremse
       kommt, hat man den Knopf nicht mit den Worten „Stopp“ oder „Halt“
       beschriftet.
       
       Seltsam. Auf der einen Seite traut man mir nicht zu, diesen Knopf von einer
       Notbremse zu unterscheiden – dabei gibt es in Bussen ohnehin keine
       Notbremsen und nicht mal Willi fasst die Teile an.
       
       Auf der anderen Seite geht man aber davon aus, dass es selbsterklärend ist,
       falls es sich bei der Tür um eine „dritte Tür“ handelt – also die mittlere
       Tür eines [1][Gelenkbusses], dass diese an einer Haltestelle nur durch
       Bedienung eben dieses Knopfes geöffnet werden kann, und nicht so wie die
       anderen Türen zentral durch die berufskraftfahrende Person – selbst dann
       nicht, wenn man quer durch den Bus „Ey mach ma auf!“ brüllt.
       
       Öffnet die mittlere Tür sich an einer Station auch nach der Betätigung des
       Fahrgastwunschschalters nicht, muss diese erst von vorne freigegeben werden
       (hier hilft Brüllen), damit durch die erneute Betätigung der
       Haltewunschtaste der Türöffnungsmechanismus in Gang gesetzt werden kann.
       [2][Fahrgastwunsch eben]!
       
       Die komplexe Bedeutung und Handhabung des [3][blauen Knopfes mit dem
       Kinderwagensymbol] erkläre ich ein anderes Mal. Bis dahin machen wir's
       einfach wie Willi: fröhlich auf allen Knöpfen herumdrücken, wenn nix
       passiert, laut schreien.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.buzer.de/gesetz/3946/a54825.htm
       
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