# taz.de -- Schneestürme und Überschwemmungen: Klimawandel lässt Wetter in Spanien verrückt spielen
       
       > Kälte, Schnee und Starkregen in Spanien rufen Klimawandelleugner auf den
       > Plan. Dabei sind sie eine Folge der Klimakrise.
       
 (IMG) Bild: Nach Sturmtief „Kristin“ liegt in Galapagar nahe der spanischen Hauptstadt Madrid Ende Januar Schnee – und dennoch ist es zu warm
       
       Harry, Ingrid, Joseph, Kristin – alle in Spanien kennen diese Namen. Es
       sind die Sturmtiefs, die sich in den letzten zwei Wochen abgelöst haben.
       Kaum war eines über die Iberische Halbinsel hinweggefegt, kam das nächste.
       Frost, Überschwemmungen, Wind mit über 130 Stundenkilometern, Schnee im
       ganzen Land brachten diese Tiefdruckgebiete vom Atlantik. Für die
       politische Rechte sind sie Anlass, einmal mehr den Klimawandel infrage zu
       stellen. Dabei ist genau das, was gerade geschieht, ein Beleg dafür, dass
       das Klima längst aus den Fugen geraten ist.
       
       Schuld an den starken Schneefällen auf der Iberischen Halbinsel, die
       mehrmals das halbe Land lahmgelegt haben, ist der allgemeine
       Temperaturanstieg – der Luft, aber auch der Meere. Warme Luft kann mehr
       Feuchtigkeit aufnehmen. Die kalten Tiefdruckgebiete schließen warme,
       feuchte Schichten ein oder stoßen mit ihnen zusammen. Stundenlang schneit
       oder regnet es stark. In kurzer Zeit fallen Niederschläge, wie sie sonst in
       Monaten zu verzeichnen sind. Die Folgen: durch Schnee gesperrte Straßen
       oder, schlimmer noch, dort, wo es regnet, Überschwemmungen.
       
       Im Nordwesten Spaniens stehen Häuser unter Wasser, im nordostspanischen
       Katalonien fuhr [1][ein Nahverkehrszug auf einen Felsbrocken], der durch
       die starken Regenfälle auf die Gleise gefallen war, ein anderer raste in
       eine abgerutschte Stützmauer. Der Lokführer kam dabei ums Leben.
       
       Vor allem im Osten des Landes schauen die Menschen besorgt in den Himmel,
       wenn immer öfter Starkregen angekündigt wird. Denn dort, in der Region
       Valencia, kamen [2][im Oktober 2024 bei Überschwemmungen 229 ums Leben].
       Schuld war eine Dana, so nennen die Spanier isolierte Tiefdruckgebiete mit
       Starkregen. Ein ähnliches Phänomen wie das, was jetzt zum starken
       Schneefall führte.
       
       ## Hitzewellen im Sommer, starker Schneefall im Winter
       
       Die Wetterexpertin des spanischen öffentlichen Fernsehen TVE, Mónica López,
       gibt schon lange nicht mehr nur Temperaturen und Niederschläge bekannt. Sie
       [3][versucht Abend für Abend zu erklären], was passiert.
       
       Hitzewellen und Trockenheit im Sommen sowie Starkregen und starker
       Schneefall wie dieser Tage seien „die beiden Seiten der gleichen Münze“,
       erklärt sie. Mit dem Klimawandel werde es „das Jahr über genauso viel
       regnen wie bisher auch, aber anders“, sagt López. Die Trockenperioden im
       Sommer würden immer länger und heißer. Wenn es denn regnet, seien es meist
       Starkregen oder, bei Kälte, starke Schneefälle wie jetzt.
       
       Den Beweis dafür, dass es insgesamt dennoch zu warm ist, liefern die Phasen
       zwischen den Sturmtiefs: 10 bis 20 Zentimeter Schnee in mittleren Lagen
       verschwinden binnen wenigen Stunden durch die wärmeren Winde – bis zum
       nächsten Tief, das erneut Schnee bringt. Genau das zeugt vom allgemeinen
       Temperaturanstieg durch den Klimawandel. Medien bezeichnen das, was gerade
       in Spanien geschieht, als „Kältewelle“, doch [4][eigentlich ist es keine
       Kältewelle]. Denn die kalten Episoden sind zwar häufig, aber für sich
       genommen viel zu kurz, um als Kältewelle zu gelten.
       
       Als Kältewelle gilt, wenn ein Zehntel aller Wetterstationen im Land
       Tiefsttemperaturen messen, die fünf Prozent unter dem Durchschnitt der
       historischen Aufzeichnungen im Januar und Februar liegen. Die
       Aufzeichnungen des spanischen Wetterdienstes zeigen: Die Kältewellen sind
       in den letzten 50 Jahren um 1,2 Tage pro Jahrzehnt kürzer geworden. In den
       letzten zwei Jahren gab es keine Kältewelle und dieses Jahr sieht es auch
       nicht danach aus, [5][trotz der Sturmtiefs].
       
       1 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erneutes-Zugunglueck-in-Spanien/!6147358
 (DIR) [2] /Flutkatastrophe-in-Spanien/!6070981
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/reel/DQUmbm-DKJM/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==
 (DIR) [4] https://www.klimafakten.de/klimawissen/fakt-ist/fakt-ist-ein-kalter-tag-oder-auch-ein-kalter-winter-aendert-nichts-am
 (DIR) [5] /Sturmtief-Elli/!6143820
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Zugunglück
 (DIR) Spanien
 (DIR) Geld für Entwicklung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wetter in der Klimakrise: Januar 2026 war trotz Kältewelle fünftheißester Januar
       
       Europa und die US-Ostküste erlebten außergewöhnlichen Frost. In anderen
       Teilen der Welt war es hingegen viel zu warm.
       
 (DIR) Spanien, Portugal, Marokko: Der Süden steht unter Wasser
       
       Im westlichen Mittelmeerraum müssen wegen Überschwemmungen ganze Dörfer
       evakuiert werden. In Portugal sind sogar die Präsidentschaftswahlen
       betroffen.
       
 (DIR) Kaltfront in Kolumbien: Überschwemmungen trotz Trockenzeit
       
       Ungewöhnlich starker Regen sorgt an der kolumbianischen Atlantikküste für
       Verwüstungen. Dabei kommen einige üble Praktiken zutage.
       
 (DIR) Eisenbahnkatastrophe in Spanien: Mindestens 39 Tote bei Zugunglück
       
       In Andalusien stoßen zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen. Die Ursache
       ist noch unklar, die Zahl der Opfer steigt.
       
 (DIR) Politischer Streit und Waldbrände: Schuld hat nicht Sánchez
       
       Katastrophenschutz ist in Spanien Sache der Regionen, aber die Schuld
       schieben die Konservativen den Sozialisten zu. Das ist ein billiges
       Manöver.
       
 (DIR) Spanien bei der UN-Entwicklungskonferenz: ¡Es el cambio climático, estúpidos!
       
       Entwicklungshilfe wird weltweit gekürzt. Auf einer UN-Konferenz in Sevilla
       verhandeln die Staaten über nachhaltige Entwicklung und Klimafolgen-Hilfen.