# taz.de -- Das neue SPD-Grundsatzprogramm: Kein bisschen Vergangenheitsbewältigung
> Die SPD diskutiert über ihr neues Grundsatzprogramm. Die Parteichefs
> klammern die zentrale Frage allerdings aus: die historische
> Wahlniederlage 2025.
(IMG) Bild: Die Parteiführung, Bärbel Bas und Lars Klingbeil, ist sehr zufrieden mit sich
Es ist schon eigenartig. Die SPD hat sich die Arbeit für ein neues
Grundsatzprogramm auch als Reaktion auf die Wahlniederlage von 2025
auferlegt. Doch für die beiden Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas
ist das historisch schlechte Bundestagswahlergebnis inzwischen keine
Erwähnung mehr wert. In ihren Reden, mit denen sie am Wochenende den Kurs
für die kommenden Auseinandersetzungen der SPD vorgeben wollen, spielt das
Abschneiden des vergangenen Jahres keine Rolle mehr.
Mit welcher Erwartung will die Parteispitze da überhaupt ein neues
Grundsatzprogramm aufsetzen? Geht es darum, den Prozess pflichtschuldig
hinter sich zu bringen? Oder sind von der SPD tatsächlich politische
Visionen zu erwarten, mit denen sie durch das Zeitalter von
Mensch-KI-Beziehungen, Hyperkapitalismus und geopolitischen
Machtverschiebungen navigieren will?
Entscheidend wird am Ende sein, ob es der Partei gelingt, hier die
richtigen Fragen zu stellen. Doch ohne eine Analyse des Weges, der die SPD
zur drittstärksten politischen Kraft in Deutschland hinter der AfD
degradierte, führt auch kein Pfad in die Zukunft.
## Die Parteiführung muss Thesen präsentieren
Leider vermittelt die Parteispitze derzeit nicht den Eindruck, als wüsste
sie, in welche Richtung diese Reise gehen soll. Zwar machen die permanenten
Angriffe der Union auf den Sozialstaat es Bas und Klingbeil leicht, sich
als große Bewahrer von Arbeiterrechten und Wohlfahrtsstaat zu inszenieren.
Doch darauf sollte sich niemand ausruhen. Zumal die SPD mit der Abschaffung
des Bürgergelds zeitgleich anschaulich demonstriert, wie sie sich in der
Sozialpolitik selbst immer wieder von dumpfem Populismus treiben lässt.
Klingbeil kündigte an, die Partei werde sich für die Arbeit am neuen
Grundsatzprogramm radikal öffnen und auch Diskussionen führen, die unbequem
seien. Das wäre wünschenswert. Doch um überhaupt in diese Diskussion
einzusteigen, muss auch die Parteispitze zunächst Thesen vorlegen: darüber,
was zur aktuellen Misere geführt hat – und welchen Anteil sie selbst daran
hatte. Erst dann kann die Debatte beginnen.
8 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Gueler
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