# taz.de -- Rechte Indigener in Brasilien: Indigene sollen selbst Bergbau betreiben dürfen
       
       > Ein Oberster Bundesrichter will, dass Indigene in Brasilien selbst
       > Bergbau betreiben dürfen. Das kehrt den bisherigen Trend um.
       
 (IMG) Bild: Indigene Völker Brasiliens dürfen nun selbstbestimmt ihre Ressourcen ausbeuten
       
       Der Oberste Bundesrichter Flávio Dino traf am Dienstag eine Entscheidung,
       die zum Präzedenzfall werden könnte: Brasilianische Indigene dürfen künftig
       in ihren Gebieten Bergbau betreiben. Sein Argument: Indigene sollen nicht
       länger Opfer sein, sondern vom Bergbau profitieren.
       
       Bislang leiden indigene Volksgruppen vor allem unter den
       Quecksilbervergiftungen, die illegale Goldsucher in ihren Gebieten
       verursachen. Häufig sind die Kriminellen durch örtliche Politiker gedeckt.
       Eine Gesetzeslücke in der brasilianischen Verfassung, die eine Regelung des
       Themas fordert, aber diese nicht enthält, leiste dem illegalen Treiben
       Vorschub, so Dino. Es gehe darum, „Lücken und Unterlassungen zu
       beseitigen“. Der Kongress, also brasilianischer Senat und
       Abgeordnetenkammer, habe deswegen binnen 24 Monaten entsprechende
       Regelungen zu verabschieden.
       
       Die Volksgruppe „Cinta Larga“ aus den Bundesstaaten Rondônia und Mato
       Grosso hatte die Genehmigung für selbstbestimmten Bergbau seit 2005 vor dem
       Obersten Gerichtshof gefordert. Sie litten unter den gewalttätigen
       Auseinandersetzungen mit illegalen Goldsuchern sowie unter prekären
       Einkommensverhältnissen, so die Indigenen.
       
       Der zuständige Richter Flávio Dino entschied nun für den Fall des indigenen
       Schutzgebiets „Terra Indígena Roosevelt“: Eventuelle Einnahmen aus dem
       Bergbau müssten dem Kollektiv zugutekommen und in bessere Infrastruktur, in
       Erziehung und Gesundheit [1][sowie für den Lebensunterhalt der Familien
       verwendet werden].
       
       Maximal ein Prozent des Schutzgebietes dürfe für Bergbau unter indigener
       Leitung geöffnet und indigene im Umkreis von 10 Kilometern des indigenen
       Schutzgebiets müssten vor Beginn der Aktivität angehört werden.
       Gleichzeitig habe der Staat für die Entfernung sämtlicher Eindringlinge in
       den indigenen Schutzgebieten zu sorgen.
       
       ## Bolsonaro wollte Ausbeutung mit wenig indigener Beteiligung
       
       Diese Genehmigung des indigenen Protagonismus ist eine Antwort auf immer
       wiederkehrende Vorstöße, Bergbau in indigenen Gebieten für Nichtindigene zu
       ermöglichen. „Da sind drei Trilliarden Reais vergraben“, sagte der
       ultrarechte ehemalige Präsident Bolsonaro 2019 und wollte im Folgejahr die
       Ausbeutung unter bestimmten Auflagen erlauben.
       
       Die Indigenen erhielten laut diesem Gesetzesprojekt ein Mitspracherecht und
       eine Gewinnbeteiligung von nur 3 Prozent. [2][Als Lula Präsident wurde],
       zog er das Projekt zurück.
       
       Der Oberste Bundesrichter Gilmar Mendes stellte 2025 einen neuen
       Gesetzesentwurf vor, der den Abbau von Bodenschätzen in indigenen Gebieten
       sogar ohne deren Zustimmung vorsah. Später zog Mendes seinen Vorschlag
       zurück, das Oberste Bundesgericht annullierte die Regelung und stärkte
       damit die indigene Position.
       
       Flávo Dino wird seine Entscheidung dem Plenum des Obersten Gerichtshofs zur
       Abstimmung vorlegen. Danach könnte sie auf weitere indigene Schutzgebiete
       erweitert werden.
       
       7 Feb 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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