# taz.de -- Green Day beim Superbowl: Die Neunziger haben angerufen
> Die US-Punkband Green Day tritt beim diesjährigen Superbowl auf. Ist das
> die Nostalgie, jetzt, da die Generation X Geschichte geworden ist?
(IMG) Bild: Die Mitglieder von Green Day versuchen beim Fotos-Shooting 1995 cool rüber zu kommen
Die US-College-Pop-Punk-Rocker von Green Day sollen die diesjährige
Superbowl-Eröffnungszeremonie am 8. Februar in Kalifornien bestreiten. Eine
bemerkenswerte Nachricht, nicht nur für alle, die in den [1][1990ern in
Partykellern den Hit „Basket Case“] grölten: „Sometimes I give myself the
creeps / Sometimes my mind plays tricks on me / It all keeps adding up / I
think I’m cracking up / Am I just paranoid or am I just stoned?“
Der Superbowl-Auftritt vor einem Riesenpublikum gilt als Krönung
amerikanischer Künstlerkarrieren und ist ein gesamtgesellschaftliches
Mega-Ereignis, das auch etwas über die Verfasstheit der US-Gesellschaft
aussagt. Green Day als Opener sollen wohl den konsenstauglichen
[2][Gegenpunkt zum puertoricanischen Rapper Bad Bunny setzen], der auf
Spanisch rappt und sich mit Kritik an Trumps migrationsfeindlicher Politik
nicht zurückhält; Trump hat seine Einladung bereits als „lächerlich“
bezeichnet und eine „All-American“-Alternative gewünscht.
Und die sollen nun ausgerechnet Green Day sein? Eins ihrer bekanntesten
Alben hieß „American Idiot“, die Single aus ihrem letzten Album „The
American Dream Is Killing Me“.
Ihr Auftritt beim Superbowl ist wohl eher Ausdruck eines anderen Phänomens:
Die in den 1990ern popkulturell geprägte Generation X sehnt sich nach ihrer
Jugend zurück. Nach einer Welt, in der die Blockkonfrontation besiegt und
die Zukunft offen war, in der Grunge den ziemlich toten Punk beerbte,
Hiphop endgültig im globalen Mainstream angekommen war und Douglas Coupland
mit seinem Romanbestseller einer flott-ironischen, [3][aber etwas ziellosen
Generation das coole X verpasste].
## Bäume wie Yuppies
Wer nicht von der Gewalt der Baseballschlägerjahre betroffen war,
kultivierte auch hierzulande eine ironische Wurschtigkeit und konzentrierte
sich auf Geschmacks-und Abgrenzungsfragen, wie sie Couplands Romanfiguren
beschäftigten: „Du könntest genauso gut Bäume zu einer Party einladen wie
Yuppies, Liebes.“
Auch die diesjährige Berlinale macht bei der Nineties-Nostalgie mit und
feiert das Jahrzehnt in ihrer Retrospektive: [4][Ice Cube] cruist in „Bozy
n the Hood“ mit seiner Gang durch die Schwarzen US-Vorstädte, von ICE noch
keine Spur. In „Bahnhof Friedrichstraße“ tasten sich Pendler und
Grenzbeamte an den neuen Verhältnissen entlang, und in der Satire „Gorilla
Bathes at Noon“ streichelt ein übriggebliebener russischer Major in Uniform
der abgerissenen Leninstatue sanft über den monumentalen Kopf.
Mit den Bildern aus dem trostlosen, aber auch geheimnisvollen
Nachwendeberlin verlässt man den Kinosaal. Und wandert durch die Hochhäuser
am Potsdamer Platz, die inzwischen genauso abgetakelt sind wie der American
Dream. Dabei scheppern Green Day im Ohr: „I am one of those / Melodramatic
fools / Neurotic to the bone / No doubt about it“.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nina Apin
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