# taz.de -- Gutachten zur Sozialwohnungsquote: Quotieren ist das neue Deckeln
> Die Sozialwohnungsquote könnte in Berlin wieder für bezahlbaren Wohnraum
> sorgen. Und das sogar rechtssicher, wie ein neues Gutachten zeigt.
(IMG) Bild: Wohnungen für WBS-Empfänger:innen sind in Berlin kaum noch zu finden. Die Sozialwohnungsquote soll’s richten
Die Sozialwohnungsquote ist ein neuer Hoffnungsschimmer in der Berliner
Mietenkrise. Die Idee: Private Vermieter werden verpflichtet, einen Teil
ihres Wohnungsbestands an einkommensschwächere Menschen zu vermieten. Auch
die Höhe der Miete wird auf einen bestimmten Wert gedeckelt, eine
Kompensation für die Eigentümer gibt es nicht.
Sowohl Grüne, Linke und neuerdings auch die SPD sehen in der Quote ein
wirksames Instrument, bezahlbaren Wohnraum im großen Stil zu schaffen. Nun
dürfte [1][ein neues Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des
Bundestags] der Idee Auftrieb geben. Demnach hätten die Länder und nicht
der Bund die gesetzgeberische Kompetenz, eine Sozialwohnungsquote zu
erlassen.
In Auftrag gegeben hatte das Gutachten der SPD-Bundestagsabgeordnete Hakan
Demir. Erst Ende Januar sprach sich [2][die Berliner SPD in ihrer
Fraktionsklausur in einem Beschluss für die Einführung der Quote aus.]
„Die Sozialwohnungsquote würde für den Neubau und den Bestand bei
Wiedervermietung gelten“, erklärt Demir der taz. Große Wohnungsunternehmen
wären verpflichtet, 30 Prozent ihrer Wohnungen an Haushalte mit Anspruch
auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS) zu vermieten. „Das wäre eine kleine
Revolution und würde für ein Aufatmen auf dem Mietmarkt sorgen“, sagt
Demir.
Das Gutachten widerspricht rechtlichen Bedenken, wonach das Instrument nach
seiner Einführung – wie [3][der Mietendeckel 2021] – vom
Bundesverfassungsgericht kassiert werden könnte. Interessant ist die
Begründung der Gutachter:innen: Demnach würde die Regulierung
mietpreisgebundenen Wohnraums grundsätzlich unter Länderkompetenz fallen,
der freie Wohnungsmarkt sei hingegen dem bürgerlichen Recht zuzuordnen, das
durch den Bund reguliert wird.
Der Mietendeckel war gescheitert, weil Mietverhältnisse auf dem freien
Wohnungsmarkt trotz der Deckelung im Kern freie Verträge zwischen zwei
privaten Vertragspartner:innen blieben – und somit bürgerliches Recht.
Die Sozialwohnungsquote greife aber nun viel tiefer in das
Vertragsverhältnis ein. Insbesondere, so heben die Gutachter:innen
hervor, könnten Vermieter:innen ihre Vertragspartner nicht mehr frei
wählen. Diese wären durch die WBS-Pflicht vom Senat vorgegeben. Somit wären
die Quotenwohnungen wie gebundener Wohnraum anzusehen und unterlägen der
Regelungskompetenz des Landes.
Die Sozialwohnungsquote ist nicht zu verwechseln mit der in Berlin bereits
üblichen [4][kooperativen Baulandentwicklung]. Demnach werden Investoren im
Neubau verpflichtet, 30 Prozent des geschaffenen Wohnraums
mietpreisgebunden anzubieten. Dafür erhalten die Bauherren eine Förderung
vom Land. Die Mietpreisbindung läuft nach 30 Jahren aus; die Wohnungen
können dann wieder zu Marktpreisen angeboten werden.
Die derzeitige Regelung bietet viele Schlupflöcher und lässt sich von
Investoren leicht umgehen. Deshalb bauen fast nur noch die landeseigenen
Unternehmen neue Sozialwohnungen. Von den 5.175 Sozialwohnungen, die 2025
bewilligt wurden, waren rund 80 Prozent von den Landeseigenen. Dazu kommt,
dass jährlich deutlich mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen als neu
gebaut werden.
## Hebel für bezahlbaren Wohnraum
„Die Quote wäre ein sehr großer Hebel“, sagt Niklas Schenker,
mietenpolitischer Sprecher der Linken. Nach seinen Berechnungen könnten so
jährlich 17.000 Wohnungen wieder bezahlbar vermietet werden – das sind
7.000 mehr, als insgesamt seit 2014 mit der Einführung der kooperativen
Baulandentwicklung gebaut worden sind.
Wie auch die Grünen fordert die Linke eine eigene Version der
Sozialwohnungsquote. Die Vorschläge unterscheiden sich nur in kleinen
Details, in etwa, ab wann ein Vermieter als „groß“ gilt. Die beiden
Fraktionen verlangen zudem, dass der Anteil mit der Gesamtanzahl an
Wohnungen des Unternehmens steigt.
Die Chancen für die Quote stehen also mit einer linken Regierungsmehrheit
nach der Wahl im September gut. Aber vielleicht klappt es ja schon vorher?
„Wir freuen uns, wenn unser Koalitionspartner da mitmacht“, sagt Sevim
Aydin, wohnungspolitische Sprecherin der SPD, verhalten optimistisch. Doch
Dirk Stettner, Fraktionsvorsitzender der CDU, wollte den Vorschlag auf
taz-Anfrage nicht kommentieren.
Braucht es dann überhaupt noch eine Vergesellschaftung großer
Immobilienkonzerne? „Der Berliner Mietmarkt ist sehr komplex. Es gibt nicht
die eine Lösung.“, sagt Wibke Werner, Geschäftsführerin des Berliner
Mietervereins. Sowohl Vergesellschaftung als auch Quote seien zwei wirksame
Instrumente, wobei sich eine Quote deutlich schneller umsetzen ließe. „Es
ist gut, den Weg der Quote zu gehen, bis Fragen der Vergesellschaftung
geklärt sind.“
4 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundestag.de/resource/blob/1143084/WD-3-110-25.pdf
(DIR) [2] /SPD-Fraktionsklausur-in-Rostock/!6148395
(DIR) [3] /5-Jahre-Mietendeckel/!6062254
(DIR) [4] /Modell-Kooperative-Baulandentwicklung/!5873152
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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